Offenes Freizeitangebot

Das Boule-Spiel im Stadtgarten kennt keine Altersgrenzen

Gucken, zielen, werfen: Die Boule-Abteilung des TV Wattenscheid 01 lädt interessierte Parkbesucher auf die Bahnen im Stadtgarten ein.

Gucken, zielen, werfen: Die Boule-Abteilung des TV Wattenscheid 01 lädt interessierte Parkbesucher auf die Bahnen im Stadtgarten ein.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum-Wattenscheid.  Kostenlose Boule-Partien bietet die Abteilung des TV Wattenscheid 01 im Stadtgarten Wattenscheid an. Die Parkbesucher erhalten exakte Wurf-Tipps.

Die silberne Eisenkugel fliegt mit Schwung durch die Luft, setzt auf und – passiert ihr Ziel: „Du kommst ja sogar noch weiter“, lässt ein Spruch von der Seite nicht lange auf sich warten. „Der verhungert dafür“, kommt prompt der Wort-Konter. Fein justierte Handgelenk-Augen-Koordination und eine schnelle Zunge sind gefragt, wenn die Boule-Abteilung des TV Wattenscheid 01 sich zum freizeitlichen Spiel im Stadtgarten trifft. Dort, direkt am Ententeich, werden im Rahmen von „Fit im Park“ offene Mitmach-Angebote für potenziellen Vereinszuwachs oder Gelegenheitsspieler abgehalten.

Spielen im Schatten der Bäume

Brennt die Sonne dieser Tage einmal zu stark auf die 2016 eingeweihte Anlage nieder, wird auch mal im Schatten der Bäume gespielt. Flexibel sind sie – und unkompliziert. „Vielleicht ist es heute zu warm“, mutmaßt Bärbel Junker nach einem Wurf. „Man merkt ja, dass generell weniger im Stadtgarten unterwegs sind.“ Während die Mitglieder des TV 01 gute Präsenz zeigen und mehrere Wettkämpfe gleichzeitig austragen, ist das Interesse der vereinzelten Parkbesucher überschaubar. Einige gucken kurz, ziehen dann mit ihren Hunden weiter, ohne selbst einmal zum Wurf anzusetzen.

Jeder kann zur Kugel greifen

Dabei macht das den Kugelsport aus. Mitspielen kann sofort jeder, unabhängig von Alter und Fitnesszustand. Siegfried Schirmer, passend gekleidet im offiziellen blauen Boule-Jersey der Abteilung: „In unseren Teams sind Jahrgänge von 1937 bis 1991 vertreten.“ Vor allem bei Wettkämpfen gibt die Jugend gern einmal den Ton an, rückt Mitspielerin Bärbel Junker auch eigene Vorurteile gerade: „Ich dachte früher, Boule wäre ein Rentnersport. Bei meinem ersten Turnier habe ich ziemlich Augen gemacht, als ich gesehen hab’, wie viele junge Menschen dabei waren.“

Werfen, Kicken, Messen

Wie schnell die Kombination aus Werfen, Kicken und Messen in den Bann und auf die sechs Bahnen im Stadtgarten ziehen kann, zeigt sich am Beispiel von Pascal Walendowski (35). Zum zweiten Mal ist er in der Wattenscheider Grünanlage an der Parkstraße aktiv. Bislang „just for fun“ – nur zum Spaß: „Es ist erstmal nur ein Hobby, ich spiele überall mal, auch in Stiepel.“ Die „Mundpropaganda“ brachte ihn in den Stadtgarten.

Einen ersten Wettkampf möchte Walendowski im August bestreiten: „Ich werde auf Zeche Nachtigall in Witten dabei sein, wo man ohne Lizenz teilnehmen kann.“ Auf Boule im Allgemeinen hat ihn die Mutter gebracht: „Sie spielt, so bin ich auch dazu gekommen“, sagt er und setzt direkt zum nächsten Wurf an. Gefährlich nah kommt er damit der Zielkugel.

Reines Augenmaß

Zu nah für „Gegnerin“ Junker, die eine rabiate Taktik wählt. Wegschießen. Das Handgelenk schnellt vor, ein deutliches „klack“ ertönt und Walendowskis gelungener Wurf ist Geschichte. Junker holt den Teilerfolg auf dem Weg zur angestrebten „13“. Dafür braucht es kein Messgerät, hier reicht bloßes Augenmaß.

Aktiv in vier Ligen

43 Mitglieder zählt die Boule-Abteilung des TV Wattenscheid 01, 33 sind regelmäßig aktiv, 28 spielen jeweils zu siebt in den vier Mannschaften. Die Anzahl sei in den vergangenen Jahren gestiegen, kann Siegfried Schirmer berichten. Und das Leistungsniveau lässt Auswahlmöglichkeiten. Während die erste Mannschaft in der obersten NRW-Liga die Kugeln wirft, ist die vierte in der neuen Hobby-Liga „Sprock-Hatt-Wat“ (Sprockhövel, Hattingen, Wattenscheid) vertreten.

Bewusst hat sich unter anderem Schirmer für die Freizeitliga entschieden. Für ihn generell wichtig: „Frauen und Männer spielen gemeinsam, man ist an der frischen Luft und der Sport ist eben für alle Generationen.“ Auch mit seiner Frau verbringt er Zeit und Würfe auf den Bahnen. Auswärtige Mannschaften, die in die Wattenscheider „Arena“ anreisen, seien dabei jedes Mal wieder überrascht. „Idyllisch“, dieses Wort falle immer wieder, wenn die Boule-Anlage am Teich beschrieben wird, so Junker und Schirmer.

Und auch von den Besuchern gibt es noch Zuspruch. Schirmer meldet: „Ein Pärchen bekundete Interesse. Ebenso ein Hund, der an die ,Bällchen’ wollte. Das hätte natürlich auf Eisen ein Zahnproblem gegeben.“

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