Dampffestival

Dampffestival in Bochum lädt zur spannenden Zeitreise ein

Beim Dampffestival in Hordel qualmte es am Wochenende mächtig.

Beim Dampffestival in Hordel qualmte es am Wochenende mächtig.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Bochum.   Das Dampffestival auf dem Gelände der Zeche Hannover in Bochum katapultierte die Besucher ins viktorianische Zeitalter. Viele kamen und staunten.

An seinem Hut hängen eine Fledermaus und eine seltsame Brille. Seinen Gehstock ziert ein Totenkopf, sein schwarzes Kostüm ist mit Spitze gesäumt und hinter sich zieht er einen mit Uhren beklebten Blasebalg her. „Ab ins viktorianische Zeitalter“, sagt Werner Hinz und schaut sich beim Dampffestival auf dem Gelände der Zeche Hannover um. Schwer fällt es ihm nicht, in die Zeit um 1900 einzutauchen: Rauchende Schlote, schnaubende Dampfmaschinen und tuckernde Modellfahrzeuge helfen dabei.

Bei Deutschlands größtem Dampffestival gab es am Wochenende knapp 50 Maschinen aus 110 Jahren im vollen Dampfbetrieb zu sehen. Neben echten dampfgetriebenen Traktoren, Walzen, Pkw und Lkw waren auch originalgetreue Nachbauten im Maßstab 1:2 bis 1:5 Teil des Festivals.

Junge staunt: „Sowas habe ich noch nie gesehen“

Dieser Hebel erzeugt den Wasserdruck“, sagt Martin Dolny und zeigt dem kleinen Ramon (9) die einzelnen Teile eines Modells. „Sowas habe ich noch nie gesehen“, sagt Ramon. Opa Martin hingegen erinnert sich, wie er die echten Maschinen als kleiner Junge erlebt hat: „Ich habe immer die Dampfwalzen bestaunt.“

Während das seltenste Stück des Festivals – der weltweit noch drei Mal vorhandene Sentinel Super Tractor – an ihm vorbeifährt, sagt Wolf Tiemeier: „Sie sind so kraftvoll. Man kann Arbeitsabläufe entdecken, die heute vollautomatisiert sind.“ So steht neben einer Dampfmaschine als einstiger Antrieb für Steinbrecher ein dampfbetriebener Riemenfallhammer, der bis 1974 für die Produktion von Ketten und Kleineisen diente.

Sammler bangen um den Kohle-Nachschub

Einige Meter weiter schließt Ronnie Gerwers die riesige Dampfmaschine „De Majoor“ an sein Sägewerk an, welches noch heute Baumstämme zerkleinern kann. „Dass die Technik schon so lange funktioniert, ist beeindruckend“, sagt er. Während der kleine Joup (5) auf einem schnaubenden Modell über den Ascheplatz rattert, sagt Arjan Degroot: „Von einem Computer sieht man nur das Gehäuse, hier sieht man jedes einzelne Teilchen arbeiten“. Viele Maschinen kämen aus England und Deutschland, seine holländische Dampfwalze „Jumbo“ sei eine richtige Rarität.

Durch das Ende des Kohlebergbaus könnte es künftig schwieriger werden, an Kohle zu kommen. „Im Ruhrgebiet gibt es nur noch einen einzigen Händler, der die richtigen Kohlen liefern kann - und die kommen aus Kolumbien“, sagt John Dobronz, Werkstattleiter des LWL-Industriemuseums. Es gäbe auch immer mehr umweltrechtliche Regularien. „Gut möglich, dass wir sie irgendwann nicht mehr betreiben dürfen“ so Dobronz.

Steampunk-Szene nutzt Festival für ein Treffen

An ein Ende der Dampfmaschinen wollen die Liebhaber und Besucher aber nicht denken. Werner Schäfer meint: „Geschichte wird einfach lebendig, die Maschinen sind so liebevoll gemacht.“

Das Dampf-Festival ist stets auch Treffpunkt der Steampunk-Szene im Revier, die die Utopien des Jule-Verne-Zeitalters weiterleben lässt. So gestaltete die Steampunk-Vereinigung „Vaporium Ruhr“ am Wochenende ein Treffen mit vielen Akteuren und Ausstellern aus der Region.

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