Coronavirus

Corona: Wie der Neustart in den Bochumer Freibädern gelingt

Mindestabstand? Kein Problem! Platz gibt's zum Auftakt der Freibadsaison reichlich im Bochumer Nordwestbad.

Mindestabstand? Kein Problem! Platz gibt's zum Auftakt der Freibadsaison reichlich im Bochumer Nordwestbad.

Foto: Jürgen Stahl / WAZ Bochum

Bochum  Tasche packen, ab ins Freibad: So funktioniert es in diesem Corona-Sommer nicht. Online-Anmeldungen sind erforderlich. Die WAZ hat's ausprobiert.

Tasche packen, ab ins Freibad? So einfach ist das in diesem Corona-Sommer in Bochum nicht. Erstmals müssen sich Besucher zuvor im Internet registrieren und anmelden. Auch im Bad gelten Sonderregeln und Einschränkungen. Die WAZ hat's am Wochenende ausprobiert. Erstes Fazit: Der Notbetrieb funktioniert. Aber: Es wird mächtig gebibbert.

Sonne-Wolken-Mix, 23 Grad: Die Wettervorhersage klingt verlockend. Endlich wieder Sonne tanken, schwimmen, entspannen. Der Samstag soll es sein. Das Nordwestbad in Hofstede, das wie das Bad in Langendreer seit dem vergangenen Dienstag geöffnet ist, ruft.

Zwei Zeitfenster stehen zur Wahl

Wegen Corona ist die Besucherzahl auf maximal 400 begrenzt. Alle Namen und Adressen müssen erfasst werden. Folge: Der Badespaß muss bei den Wasserwelten Bochum als Badbetreiber online, im Ausnahmefall auch telefonisch, gebucht werden. Fast wie ein Kurzurlaub.

"Einlass nur mit E-Ticket", prangt weiß auf blau auf der Internetseite wasserwelten-bochum.de. Der Wunschtermin ist 48 Stunden zuvor freigeschaltet. Zwei Zeitfenster stehen zur Wahl: von 10 bis 13.45 Uhr und 14.15 bis 18 Uhr. In den Hallenbäder sind es drei "Slots". Dazwischen wird geputzt und desinfiziert.

Online-Ticket in wenigen Minuten

Bei der Anmeldung am Donnerstag ist für den Samstagvormittag reichlich Luft nach oben. 381 der 400 Plätze sind noch frei, zeigt die Homepage an. Guter Service, der gerade in den Ferienwochen von Bedeutung sein wird.

Die Registrierung dauert wenige Minuten. Anzahl der Badegäste (bis zu fünf sind pro Anmeldung erlaubt), Vor- und Nachnamen, E-Mail-Adresse, Anschrift, Telefon: Man kennt das Prozedere hinreichend aus den Restaurants. Mit einem Ja-Klick versichert der Gast, beim Betreten des Bades einen Mundschutz zu tragen und "derzeit keine Symptome einer Covid-19-Erkrankung" aufzuweisen. Vielschwimmer können ein eigenes Benutzerkonto anlegen. Dann geht's mit der Anmeldung fortan fixer.

Kurz nach der Buchung ploppt die Bestätigung im Mail-Postfach auf. Als Ausdruck oder auf dem Handy an der Kasse vorweisen, wo auch bezahlt wird (es gilt der Tagestarif von 4,50 Euro, ermäßigt drei Euro): Dann steht dem Sprung in die Fluten nichts mehr im Wege.

Fröstel-Temperaturen im Becken

Das mit dem Sprung ist am Samstagmorgen schnell vergessen. Die Startblöcke im 50-Meter-Becken sind gesperrt. Wie auch das Nichtschwimmerbecken samt Rutschen. "Mist!", ruft Klaas (12), der mit zwei Freunden gekommen ist, um "'n bisschen Action zu machen". Das können die Jungs abhaken. "Was kann man denn hier machen?", rätselt Klaas. "Eigentlich nur liegen und schwimmen", lautet seine Antwort.

Wer sich ins Wasser wagt, darf keine Frostbeule sein. "20 Grad", behauptet die freundliche Kassierererin beim Einlass auf die Frage nach der Wassertemperatur. Nun ja, gefühlt ist es deutlich kälter. Kräftiges Bahnenschwimmen vertreibt die Gänsehaut. Wer nur Planschen will, wird das Frösteln nicht los. "Boah, is' dat kalt!", lautet der meistgehörte Ausruf des Vormittags. Immerhin: Im Kinderbecken am anderen Ende des Freibads ist es muckeliger.

Reichlich Platz für Mindestabstand

Keine Mühe bereitet es, den Mindestabstand von 1,50 Meter zu wahren. Auch 15 Meter wären kein Problem. Denn trotz des freibadtauglichen Wetters sind die Liegewiesen spärlich besetzt. Insgesamt verlieren sich an dem Vormittag nur gut 50 Besucher im Nordwestbad. Zu Spitzenzeiten sind es mehr als 2000.

Beschaulich geht's zu. Am Eingang, wo Desinfektionsmittel bereitstehen, die Maskenpflicht strikt eingehalten wird und - so die Mitarbeiterinnen - kaum ein Gast ohne Anmeldung kommt: "Das läuft reibungslos." Im Becken, das laut Aushang als "Schwimm-Autobahn" mit Einbahnverkehr dient. In den Duschen und Umkleiden, in denen es dem Augenschein nach erheblich sauberer ist als in Vor-Corona-Zeiten.

Freibad-Feeling fehlt noch

Was fehlt? Das klassische Freibad-Feeling, wie es um diese Zeit üblich ist. Und Pommes und Eis: Der Imbiss war am Samstag noch geschlossen. Sonst jedoch ist alles für eine Saison bereitet, die - das gilt es stets zu bedenken - im Corona-Modus bewältigt werden muss und bis vor Kurzem komplett ins Wasser zu fallen drohte.

Am 24. Juni folgen die Freibäder in Linden und Wattenscheid. Die WAZ-Wertung: Angst ist unbegründet. Alle Hygieneregeln werden penibel eingehalten. Die Deckelung der Besucherzahlen garantiert ausreichend Platz. Nur eines sollten die Wasserwelten beherzigen: die Wassertemperaturen alsbald von Bibber- und Wohlfühlwerte erhöhen.

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