Corona

Corona: Tafel in Bochum muss alle Außenstellen schließen

Lebensmittel gibt es weiterhin genügend bei der Tafel. Die Zahl der Helfer geht aber zurück. Viele von ihnen gehören der Risikogruppe an.

Lebensmittel gibt es weiterhin genügend bei der Tafel. Die Zahl der Helfer geht aber zurück. Viele von ihnen gehören der Risikogruppe an.

Foto: Bernd Thissen / FUNKE Foto Services

Bochum.  Viele Ehrenamtliche der Wattenscheider Tafel haben sich wegen Corona zurückgezogen. Aber: Der Betrieb geht weiter, u.a. mit einem Lieferdienst.

Es gibt Tafeln in deutschen Städten, denen das Essen ausgeht. In Wuppertal musste gar der gesamte Betrieb eingestellt werden. So schlimm ist es in Bochum nicht. „Wir bekommen genügend Lebensmittel“, sagt Manfred Baasner. Einschränkungen gibt es trotzdem.

Es fehlt an Personal. „Etwa die Hälfte der ehrenamtlichen Mitarbeiter hat sich in der Coronakrise zurückgezogen. Dafür habe ich Verständnis“, sagt der Tafel-Chef. Schließlich gehört ein Großteil der Ehrenamtlichen zur Risikogruppe. Und die muss sich schützen. Die Folge: In der bisherigen Form ist die Ausgabe von Lebensmitteln momentan nicht aufrecht zu erhalten. „Wir mussten unsere 34 Außenstellen im gesamten Stadtgebiet Bochum schließen“, so Baasner. Seit Anfang der Woche werden die Produkte ausschließlich in der Tafel-Zentrale an der Laubenstraße in Wattenscheid ausgegeben.

Gelassenheit trotz langer Wartezeit

Und auch das hat Folgen. Die Schlangen werden wieder länger, weil die Gäste ein bis zwei Meter Abstand zueinander halten sollen. Und sie stehen dort auch länger. „Sonst ist es eine Stunde, jetzt kann es bis zu zweieinhalb Stunden dauern“, sagt Manfred Baasner.

Seine Befürchtungen, die Krise, Hamsterkäufe bei den Lieferanten und die besonderen Umstände der Ausgabe könnten zu einer angespannten oder gar aggressiven Stimmung führen, haben sich nicht bewahrheitet. „Das hat mich selbst überrascht“, gesteht der 76-jährige Tafel-Gründer. Schließlich kann er sich noch gut an die angespannte Lage vor gut zwei Jahren erinnern. Jetzt spricht er von einem „schönen Miteinander von Ehrenamtlichen und Gäste.“. Ein gutes Zeichen in schwierigen Zeiten.

Auch das Verständnis für die besonderen Umstände bei der Lebensmittelausgabe sei da. Dass es einen ausreichenden Sicherheitsabstand zu den ehrenamtlichen Helfern geben muss, habe jeder verstanden. Komme es dennoch mal zu Unmut, sei der schnell beigelegt. Die Helfer wiederum schützen sich u. a. mit Gesichtsmasken. „Die haben wir selbst hergestellt, Es ist ja nichts mehr zu bekommen.“

16.000 Gäste und 46 Tonnen Lebensmittel jede Woche

Der Tafel-Chef ist froh dass der Betrieb weiter laufen kann und bedürftige Menschen Hilfe bekommen. Bis zu 16.000 Menschen haben vor Corona jede Woche das Angebot genutzt. Dabei wurden bis zu 45 Tonnen Lebensmittel ausgegeben. Baasner: „Jetzt ist es manchmal weniger, manchmal aber gibt es auch genauso viel wie sonst.“

Bis auf Weiteres öffnet die Tafel zweimal in der Woche, montags und donnerstags jeweils zwischen zehn und zwölf Uhr. Für die älteren und hilfsbedürftigen Gäste ist mittlerweile ein Lieferdienst eingerichtet. „Das funktioniert ganz gut“, sagt Manfred Baasner. 150 bis 200 Personen würden so versorgt. „Den Älteren und Kranken können wir doch nicht zumuten, hier bei uns zwei Stunden in der Schlange zu stehen“, so der Tafel-Chef. Und er weiß, dass noch weitere Menschen Hilfe benötigen. Nächste Woche soll noch ein dritter Lieferwagen mit je zwei Ehrenamtlichen eingesetzt werden, um Lebensmittel zu ihnen zu bringen.