Corona-Auflagen

Corona: Spahn-Aussagen verunsichern Bochumer Gastronomen

Diana Strätling deckt einen Tisch ein in ihrem Restaurant Strätlingshof in Bochum-Altenbochum. Sie kontrolliert jeden Stuhl und achtet darauf, dass desinfiziert wird.

Diana Strätling deckt einen Tisch ein in ihrem Restaurant Strätlingshof in Bochum-Altenbochum. Sie kontrolliert jeden Stuhl und achtet darauf, dass desinfiziert wird.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum.  Andeutungen von Minister Spahn zu schärferen Regeln für Privatfeiern und Hochzeiten ärgern Bochumer Gastronomen. Sie fordern klare Ansagen.

Diana Strätling hat sich geärgert. Nicht über die nächste Stornierung einer Hochzeitsfeier, nicht über umsonst investierte Zeit in Absprachen zu Tischdekoration, Menü und Sitzordnung. Sondern über die jüngste Aussage des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU). Der hatte erneut den Vorrang von Schulen und Kitas in der Coronakrise vor privaten Feiern betont und strengere Regeln ins Spiel gebracht.

Corona-Auflagen: Bochumer Gastronomen kritisieren das Hin und Her der Regierung

„Ich habe selbst lange genug gekellnert, auf Hochzeiten insbesondere, um zu wissen, dass nach dem dritten Bier das halt so wird wie es wird“, sagte Spahn vergangene Woche beim Besuch eines Krankenhauses in Kiel. Weil sich das Virus bei Feierlichkeiten schnell ausbreiten könne, müsse man mit den Ländern schauen, welche Regeln für die Größe von Festen getroffen werden sollten.

„Solche Andeutungen verunsichern uns und unsere Gäste“, ärgert sich Diana Strätling, die seit 24 Jahren den Strätlingshof in Altenbochum führt. Die Gastronomen bräuchten klare Ansagen und keine politisch motivierten Warnungen. „Natürlich will jetzt niemand den schwarzen Peter haben, wenn etwas passiert und deshalb offiziell vorher gewarnt haben“, schätzt Strätling.

Sie als Gastronomin komme sich dabei aber wie ein Versuchskaninchen vor. „Erst erlaubt man Feiern mit 150 Personen und Urlaubsreisen wieder und jetzt sollen wir es ausbaden“, sagt Diana Strätling. Es sei unfair, dass mit dem Finger auf Gastronomen gezeigt werde, obwohl sich die Betriebe nach bestem Gewissen an alle Regeln hielten und diese vollumfänglich akzeptierten.

Hier finden Sie unsere interaktive NRW-Karte mit allen aktuellen Corona-Fallzahlen

„Ich bin hier die Hygienepolizei, kontrolliere jeden Stuhl und achte darauf, dass desinfiziert wird. Mehr kann ich nicht tun“, klagt die Gastronomin. Wenn private Feiern und Hochzeiten zu gefährlich seien, hätte man sie von vornherein nicht wieder erlauben dürfen, meint Diana Strätling. „Feiern im gastronomischen Bereich sind aber auch etwas anderes, als völlig private Feiern“, sagt sie. Außerdem liege es immer noch in der Verantwortung jedes einzelnen Gastes, sich rücksichtsvoll zu verhalten.

Eigentlich wäre es gerade die Zeit im Jahr, in der ihr Restaurant jeden Freitag bis Sonntag ausgebucht wäre – Familienfeiern, Hochzeiten, Betriebsfeiern. Kellner würden zwischen Küche und Gastgesellschaft hin und her flitzen, DJs würden zum Tanzen animieren. „Aktuell kommt höchstens die Hälfte“, beschreibt Diana Strätling die aktuelle Buchungslage.

Trotzdem will die 47-Jährige nicht jammern: „Wir arbeiten so, dass wir irgendwie über die Runden kommen“, sagt sie. Als Mitte Juli Feiern mit bis zu 150 Personen wieder erlaubt wurden, hätten gar keine Gäste in den Startlöchern gestanden – die nächsten größeren Hochzeiten seien für Ende September und Oktober gebucht. „Für die nächste Zeit stehen nur kleinere Feiern mit höchstens 60 Personen an, vor allem Kommunions- und Konfirmationsfeiern“, so Strätling.

Aktuelle Nachrichten aus Bochum – jetzt den kostenlosen Newsletter abonnieren

Für den Winter will sie vor dem Restaurant einen wetterfesten Biergarten hochziehen, damit auch draußen mit dicken Decken und warmen Jacken gegessen und gefeiert werden kann, wenn die Wetterbedingungen ein Lüften im Innenraum erschweren. Diana Strätling fragt aber: „Auf welcher Grundlage soll ich anfangen zu planen?“

Ähnliche Töne hört man am Haus Kemnade. Hier fragt Geschäftsführer Heinz Bruns: „Wie soll ich das Vertrauen meiner Gäste gewinnen, wenn es ständig neue Spekulationen über strengere Regeln gibt?“. Der Planung des Wirtschaftsjahres seien von der Politik immer wieder Steine in den Weg gelegt worden. „Mein Freund wird der Gesundheitsminister definitiv nicht mehr“, sagt Bruns. „Dabei versuchen wir schon, aktuell wieder aus einer wirtschaftlichen Extremlage herauszukommen“, gibt der 59-Jährige zu.

Normalerweise machten etwa 120 Hochzeiten die Hälfte des Gesamtgeschäftes am Haus Kemnade aus – aktuell sei man weit davon entfernt. Im Juli habe man nur ein Viertel des Vorjahresumsatzes machen können. „Die Hochzeiten, die stattfinden, sind ohnehin weniger besucht, weil ein Teil der Eingeladenen stets verunsichert ist“, berichtet Bruns. Feiern mit bis zu 150 Personen seien daher gar nicht gefragt.

Weitere Nachrichten aus Bochum lesen Sie hier.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben