Party-Wochenende

Corona: Polizei und Politik reagieren auf Bochums Partyszene

Bochum.  Hunderte Menschen trafen sich am Wochenende bei tropischen Temperaturen in der Bochumer City. Schon vorher hatte die Politik eigene Ideen dazu.

Es ist heiß und es ist Wahlkampf. Die Bochumer Parteien haben die jungen Leute für sich entdeckt. Da Clubs aufgrund von Corona geschlossen bleiben, trifft sich die Szene seit Wochen auf öffentlichen Plätzen. Das stößt nicht überall auf Begeisterung. Nächtliche Ruhestörungen und natürlich mangelnde Beachtung der Corona-Regeln sorgten bereits für Ärger. Da kam die Initiative, gleichsam als Ventil, für junge Leute eine öffentliche Fläche – jetzt Stattstrand genannt – zu schaffen, wo sie sich treffen können. So soll Druck von den zuletzt gefährlich überfüllten Plätzen am Schauspielhaus und vor dem Musikforum genommen werden.

Fast normales Wochenende für die Polizei

Die Polizei zog nach den beiden hochsommerlich heißen Nächten vom Wochenende ein positives Fazit. Am Freitagabend wurden an den Treffpunkten Schauspielhaus, Musikforum und Stattstrand rund 650 Menschen gezählt. In der Nacht zum Sonntag tummelten sich deutlich weniger junge Besucher in der Innenstadt.

Nur vereinzelt gab es Probleme. Einige Leute kamen nicht sofort der Aufforderung nach, die Örtlichkeiten zu verlassen, in einem Fall wurde Rauschgift sichergestellt. „Die Leute haben sich aber in aller Regel sehr diszipliniert verhalten“, so der Bochumer Polizeisprecher. Insgesamt seien nur wenige Anzeigen geschrieben worden. Für die Polizei ein fast ganz normales Wochenende. Der von manchen befürchtete Ansturm bei den tropischen Temperaturen ist ausgeblieben. Doch die Beamten waren gut vorbereitet und hatten die Szene an beiden Tagen beobachtet, um rasch reagieren zu können.

Gegen soziale Vereinsamung

Das sagen die Parteien dazu: Peter Reinirkens, SPD-Fraktionsvorsitzender, sagt: „Wir brauchen in Bochum dringend eine Möglichkeit für junge Menschen, sich im Freien zu treffen. Deswegen bin ich froh, dass wir gemeinsam mit anderen Fraktionen den sogenannten Stattstrand auf den Weg gebracht haben.“ Es gehe um Gesundheit, aber auch um die finanzielle Existenz oder soziale Vereinsamung.

Die CDU erkennt in dem Vorstoß, eine Chill- und Freizeitfläche im Bereich des City-Tor Süd gegenüber Rotunde und Riff einzurichten, „eine neue Koalition aus FDP/Stadtgestaltern, Grünen und der SPD-Fraktion“. Ursprünglich habe die Verwaltung einen alternativen Platz zu den Plätzen vor dem Schauspielhaus und hinter dem Musikforum für lediglich 30 Tage und fast 200.000 Euro schaffen wollen. Jetzt sei der „Stattstrand“ bis zu den Herbstferien verlängert. Dazu CDU-Fraktionsvorsitzender Christian Haardt: „Kurz vor der Kommunalwahl scheinen hier FDP/Stadtgestalter, Grüne und SPD für eine sehr kurze Zeit Wahlkampf auf Kosten der Stadt machen zu wollen. Dies werden wir nicht mittragen.“

CDU und UWG/Freie Bürger freuen sich dabei, dass sich so viele junge Leute auf den öffentlichen Plätzen treffen und ihre Freizeit miteinander verbringen. „Den Vorschlag, die jungen Menschen nun vom Schauspielhausvorplatz, bzw. Musikforumsplatz auf eine Brachfläche am Riff und somit aus dem Blick der Öffentlichkeit zu vertreiben, tragen wir nicht mit“, sagt Jens Lücking, Fraktionsvorsitzender und Oberbürgermeisterkandidat der UWG/Freie Bürger.

FDP möchte Treff im Westpark etablieren

Die FDP hat sich selbst umgeschaut und kann sich Open-Airs im Westpark unter Corona-Regeln vorstellen. Sie denkt an das Beispiel der Frankfurter ‚Sommergärten’. „Wir sollten prüfen, ob in einem strikten und coronagerechten Umfeld Bochumer Disco- und Clubbetreiber kontrollierte kommerzielle Kultur- und Tanzveranstaltungen in Open-Air-Settings zum Beispiel im Westpark durchführen können“, erklärt Dennis Rademacher, Spitzenkandidat für die FDP im Bezirk Mitte.

Die Grünen im Rat zeigen sich „sehr zufrieden mit der nun gemeinsam mit SPD und FDP/Stadtgestaltern gefundenen Lösung“. Barbara Jessel, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, erklärt dazu: „Wir alle lernen in der Pandemie täglich neu dazu. Junge Leute treffen sich im Freien. Das zu verbieten wäre sicherlich die dümmste Lösung.“

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