Coronavirus

Corona-Fall am Arbeitsplatz - keine Tests für Mitarbeiter

Am Arbeitsplatz steht die Desinfektion der Händee im Mittelpunkt.

Am Arbeitsplatz steht die Desinfektion der Händee im Mittelpunkt.

Foto: Christian Beutler / dpa

Bochum  Im Büro einer Bochumer Firma ist eine Frau mit dem Coronavirus infiziert Der Chef will seine Mitarbeiter testen lassen - darf das aber nicht.

Der Chef einer Bochumer Werkzeug-Instandsetzungs-Firma hat beim Bochumer Gesundheitsamt vergeblich auf Corona-Tests für seine Mitarbeiter gedrängt, nachdem der Ehemann einer - mittlerweile bestätigt angesteckten Mitarbeiterin - positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Firmen-Chef Sven B. (Name von der Redaktion geändert) kritisiert dieses Vorgehen scharf.

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Das Telefon klingelt in diesen Tagen beinahe im Minutentakt. Es ist die besorgte Bürokauffrau oder der Außendienstler, die wissen wollen, was es Neues gibt. Doch Sven B. muss seinen Gesprächspartner auch dieses Mal vertrösten. "Nichts Neues." Mehrere Mitarbeiter hätten Vorerkrankungen, eine Frau habe eine lungenkrankes Kind. Die Nervosität sei groß.

Coronavirus in Bochumer Firma: Mitarbeiterin steckte sich bei ihrem Mann an

Seine Mitarbeiterin hatte sich nach bisherigen Erkenntnissen bei ihrem Mann angesteckt. Er ist einer der bislang vier Bochumer, die an den Folgen des Coronavirus gestorben sind. Mit 55 Jahren ist er der jüngste Tote. Die Frau selbst liegt seit vergangenen Sonntag im Krankenhaus. Noch in der gleichen Woche hatte sie im Büro der Firma gearbeitet.

"Das Gesundheitsamt wusste das. Natürlich könnte sie uns angesteckt haben", sagt Sven B. Er macht sich Sorgen, weil Corona-Patienten schließlich auch weit vor Beginn der Symptome ansteckend sein können, ruft beim Gesundheitsamt an und bittet, seine Mitarbeiter unter Quarantäne zu stellen, sie testen zu lassen. "Ich habe doch eine Sorgfaltspflicht meinen Arbeitnehmern gegenüber."

Chef schickt seine Mitarbeiter gesammelt nach Hause

Doch das Gesundheitsamt verweigert ihm Tests und offizielle Quarantäne, bei der die zuständige Behörde den Lohn der Mitarbeiter übernehmen würde. Der Chef - selbst vorerkrankt -- improvisiert zunächst, lässt sich dreimal täglich den Gesundheitszustand seiner Mitarbeiter schildern und schickt in dieser Woche schließlich alle gesammelt nach Hause. "Ich habe ja Verständnis fürs Gesundheitsamt, die Menschen dort gehen gerade auf dem Zahnfleisch. Aber ich fühle mich komplett allein gelassen."

Für das Gesundheitsamt sieht die Lage eindeutig aus. Einen "infektionsrelevanten Kontakt" mit der Ehefrau habe es erst knapp eine Woche nach der Rückkehr des Mannes aus dem Skiurlaub - einen Tag nach dem letzten Arbeitstag der Frau - gegeben. Nähere Informationen dazu kann die Stadt aus Datenschutzgründen nicht nennen. "In dem Betrieb gab es keine Personen, die gemäß Infektionsschutzgesetz und Vorgaben des Roland-Koch-Instituts in Quarantäne zu nehmen waren. Es gab keine Gefahrenlage", so heißt es weiter.

Wer keine Symptome zeigt, wird nicht getestet

Grundsätzlich sei es aber möglich, dass alle Menschen in einem Betrieb isoliert werden. Dafür prüfe das Gesundheitsamt, wer zu der infizierten Person engen Kontakt hatte. Aber: "Symptomlose Bürger haben keine Abstrichindikation."

Mit Infizierten und Kontaktpersonen werde ein intensives Beratungsgespräch über die notwendigen Maßnahmen geführt. "Alle Betriebe sind momentan aufgefordert, eine Risikobewertung vorzunehmen und daraus infektionsminimierende Maßnahmen abzuleiten." Für diesen Betrieb waren allerdings keine Vorgaben notwendig.

Getestet wird in Bochum nur, wenn Menschen akut Symptome zeigen und Kontakt zu einem bestätigten Corona-Patienten haben oder wenn sie in einer Arztpraxis, einem Krankenhaus oder in Pflege arbeiten oder einer Risikogruppe angehören. Sven B. hat dafür wenig Verständnis: "Ich bin kein Arzt, ich bin Kaufmann. Ich halte dieses Vorgehen aber für sehr zweifelhaft."

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