Coronavirus

Corona: Bochumer "Attest-Arzt" muss um die Zulassung bangen

Dem Bochumer Hausarzt Dr. Andreas Triebel (hier als Redner bei einer "Querdenker"-Kundgebung im November) droht der Entzug seiner Approbation.

Dem Bochumer Hausarzt Dr. Andreas Triebel (hier als Redner bei einer "Querdenker"-Kundgebung im November) droht der Entzug seiner Approbation.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Bochum  Der als "Attest-Arzt" bekannt gewordene Bochumer Hausarzt muss um seine Zulassung bangen. Die Ermittlungen laufen. Der Internist legt nach.

Die Bezirksregierung Arnsberg prüft, dem Bochumer Hausarzt Dr. Andreas Triebel die Zulassung zu entziehen. "Ein Verfahren ist hier anhängig", bestätigte Sprecher Christoph Söbbeler am Donnerstag auf WAZ-Anfrage. Derweil rechnet die Staatsanwaltschaft in zwei Monaten mit dem Abschluss ihrer Ermittlungen. Die Ärztekammer macht davon abhängig, ob berufsrechtliche Maßnahmen gegen Triebel eingeleitet werden.

Dem Mediziner wird die „Ausstellung unrichtiger Gesundheitszeugnisse“ zur Last gelegt. Ohne medizinische Notwendigkeit und ausreichende Untersuchung soll er Atteste zur Befreiung von der Corona-Maskenpflicht ausgestellt haben. Auf der Internetseite des Corona-kritischen Vereins „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie“ ist er bis heute auf der "Unterstützerliste Therapeut" aufgeführt.

 

Arzt beteuert: Ich habe nur meine Pflicht getan

In einem WAZ-Gespräch im November 2020 sagte Triebel, dass Patienten bis zu zwei Stunden Fahrtzeit auf sich genommen hätten, um in seine Praxis an der Dorstener Straße in Hamme zu kommen. Wie viele Masken-Atteste er bislang ausgestellt hat, will Triebel (der am Donnerstag nicht zu erreichen war) nicht sagen. Er betont jedoch: „Ich habe immer nur meine ärztliche Pflicht getan und dabei selbstverständlich sämtliche gesetzlichen Vorschriften beachtet.“

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Als Redner bei "Querdenker"-Kundgebungen (in Bochum zuletzt auf dem Kirmesplatz und vor dem Impfzentrum im Ruhrcongress) sowie in einem eigenen Internet-Blog geriert sich Triebel als Kämpfer für die angeblich gefährdeten Grundrechte, beklagt "Panikmache" im Umgang mit dem Coronavirus und vergleicht die staatlichen Maßnahmen mit dem Ermächtigungsgesetz der Nazis.

Neue Anschuldigungen im Blog

Der drohende Entzug seiner Approbation, das Ermittlungsverfahren sowie Vorwürfe als "Corona-Leugner" bringen Triebel offenbar nicht von seiner Mission ab. In seinem jüngsten Blog-Eintrag ist von einer "Impfkampagne ohne Rücksicht auf Verluste" die Rede. "Hinterhältig" werde eine Fürsorge für alte Leute vorgeschoben, "obwohl gerade die durch eine ,Impfung' besonders gefährdet sind".

Die Medien, so Triebel, hätten die Bevölkerung unter Kontrolle. "So kann die politische Klasse ohne jede Rücksicht schalten und walten." Drei Kinder seien im Zusammenhang mit dem Tragen von Masken bereits verstorben. In den Kliniken würden lebensnotwendige Operationen zugunsten von Corona-Patienten verschoben. Theorien und Anschuldigungen, denen von allen direkt Beteiligten vehement widersprochen wird.

Ärztekammer wartet auf Staatsanwaltschaft

Die Ärztekammer Westfalen-Lippe ist alarmiert. "Wir prüfen berufsrechtliche Schritte gegen den Hausarzt und unterstützen ausdrücklich die Staatsanwaltschaft, Polizei und Ordnungsbehörden", bekräftigt Sprecher Volker Heiliger auf WAZ-Anfrage. Während des Ermittlungsverfahrens seien der Ärztekammer jedoch die Hände gebunden.

Freie Hand hat die berufsständische Selbstverwaltung wohl erst im Frühjahr. Wie Oberstaatsanwalt Christian Kuhnert mitteilt, werde es noch mindestens bis März dauern, bis alle bei einer Durchsuchung der Praxis beschlagnahmten umfangreichen Unterlagen ausgewertet seien.

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