Finanzamt

Cafeterien in Bochumer Altenheimen stehen auf dem Prüfstand

Cafeterien in Altenheimen sind immer auch Orte der Begegnung und Abwechslung – hier mit den Klinikclowns Lilly und Anton im Seniorenzentrum an der Bayernstraße.

Cafeterien in Altenheimen sind immer auch Orte der Begegnung und Abwechslung – hier mit den Klinikclowns Lilly und Anton im Seniorenzentrum an der Bayernstraße.

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Bochum.  Auch in Bochum stehen Cafeterien in den Altenheimen auf dem Prüfstand. Denn das Finanzamt schaut genauer hin. Ein Kahlschlag droht aber nicht.

Auch in Bochum stehen Cafeterien in Altenheimen auf dem Prüfstand. Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) hält eine Schließung zumindest für auswärtige Gäste für „sehr wahrscheinlich“. Ein Kahlschlag droht vorerst jedoch nicht: Die Senioreneinrichtungen Bochum (SBO) setzen auf private Betreiber. Die Diakonie gibt komplett Entwarnung.

Rund 3800 Menschen leben in den Bochumer Seniorenzentren. Sich als Bewohner eine Auszeit bei einem Eis oder einer Waffel gönnen, Kaffee und Kuchen mit der Familie genießen, auch als Nachbar einfach mal reinschauen: Die Cafeterien sind beliebte Treffpunkte. Die sind in Gefahr. Denn sie sind in den Fokus der Finanzbehörden gerückt. Als gemeinnützige Einrichtungen, die keine Mehrwertsteuer zahlen, dürfen die Altenheime ihre öffentlich zugänglichen Cafés nicht quersubventionieren; heißt: die Kosten aus dem allgemeinen Etat decken. Das, meint der Fiskus, wäre unfair den umliegenden Gastronomiebetrieben gegenüber.

In Essen haben die ersten Cafeterien geschlossen

Das Problem: Die Kaffee-Stuben mit ihren günstigen Preisen rutschen schnell ins Minus – das nicht durch das Heim ausgeglichen werden kann. In Essen hat die Contilia-Gruppe (14 Standorte) deshalb die ersten Cafeterien dichtgemacht.

„Das wollen wir unbedingt vermeiden, da die Cafeterien unseren Bewohnern und deren Besuchern einen wichtigen Ort der Begegnung und des Austauschs bieten“, betont Katrin Mormann, Sprecherin des Awo-Bezirks Westliches Westfalen. Er betreibt in Bochum das Frieda-Nickel-, Heinrich-König- und Rosalie-Adler-Seniorenzentrum sowie das Seniorenzentrum Werne.

Awo erwägt Zutrittsverbot für externe Gäste

Derzeit werde „geprüft, wie wir auf die Problematik reagieren“, so der Wohlfahrtsverband auf WAZ-Anfrage. Preiserhöhungen seien für die Bewohner nicht zumutbar. Eine andere Lösung praktiziert bereits der Awo-Bezirk Niederrhein: ein Zutrittsverbot für externe Besucher, also Gäste, die nur ins Café, nicht aber zu einem Heimbewohner wollen. Das sei mit einem lebendigen Quartiersgedanken zwar schwer vereinbar, bedauert Katrin Mormann, könnte aber der einzige Ausweg sein.

Gäste seien immer auch potenzielle Neukunden, weiß SBO-Geschäftsführer Frank Drolshagen. Die Stadt-Tochter werde auch deshalb alles unternehmen, die Cafeterien in ihren vier Häusern offen zu halten. Zwar seien die Schwierigkeiten mit dem Finanzamt bekannt. „In unseren Häusern an der Grabeloh- und Graf-Adolf-Straße stellt sich das Problem aber nicht, weil die Cafeterien hier verpachtet sind“, so Drolshagen. Die Treffs am Glockengarten (mit Mittagstisch) und an der Bayernstraße schreiben laut SBO – „wenn auch nur ganz knapp“ – schwarze Zahlen. Das könne durch Tarif- oder Preiserhöhungen aber schnell anders sein. Dann müsse man neu nachdenken. Ein Aufschlag bei Kaffee, Kuchen und Co. sei bei 110 Euro Taschengeld für die Bewohner dabei keine Option. „Der optimale Weg ist immer die Verpachtung“, sagt Drolshagen auch mit Blick auf die zwei künftigen neuen SBO-Heime in Bochum.

Diakonie hat den Betrieb ausgelagert

Einen Schritt weiter ist die Diakonie Ruhr. In ihren Einrichtungen wie dem Katharina-von-Bora-Haus, dem Ludwig-Klepper-Haus und dem Matthias-Claudius-Haus wird die Cafeteria durch den hauseigenen Caterer, die „Culina Ruhr“, geführt. „Daher stellt sich die Problematik mit der Querfinanzierung bei uns nicht, weil Cafeteria und Senioreneinrichtung von unterschiedlichen Gesellschaften betrieben werden“, erklärt Sprecher Stefan Trockel.

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