Bürgerbeteiligung

Bürger fühlen sich von Stadt Bochum und Politik übergangen

Anwohner der Blankensteiner Straße ärgern sich, dass der bevorstehende Ausbau der Straße in Bochum-Weitmar an ihnen vorbei geplant wurde: Berlinde Jackel (links), Simone Klönne mit Tochter Marlene und Rainer Gellhaus.

Anwohner der Blankensteiner Straße ärgern sich, dass der bevorstehende Ausbau der Straße in Bochum-Weitmar an ihnen vorbei geplant wurde: Berlinde Jackel (links), Simone Klönne mit Tochter Marlene und Rainer Gellhaus.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum-Weitmar.  Die Blankensteiner Straße in Bochum-Weitmar wird saniert. Anwohner erfuhren aus der WAZ davon. Sie fühlen sich von Stadt und Politik übergangen.

Schwarzer Trauerflor und weiße Schilder haften an den Bäumen, die die Blankensteiner Straße in Bochum- Weitmar säumen. „Krim-Linde“ steht auf einem, dazu die Info: „gepflanzt 1935, gefällt 2020“. So wird es nach den Plänen der Stadt allen Bäumen am Straßenrand ergehen. Denn der Abschnitt zwischen Heinrich-Königstraße und Hattinger Straße wird runderneuert. Sehr zum Ärger der Anwohner, die von diesem Vorhaben nichts wussten und erst aus der WAZ davon erfuhren.

Vorwurf: Stadt Bochum hat Straßenbau an den Anwohnern vorbei geplant

Sie fühlen sich von Stadt und Politik hintergangen. Die Bezirksvertretung Südwest hatte der Beschlussvorlage der Verwaltung in ihrer Sitzung am 24. Juni geschlossen zugestimmt. Demnach wird die Blankensteiner Straße im Vollausbau erneuert und auch im Verlauf zur Hattinger Straße hin nach links verschwenkt, weil ein Treppenzugang zu einem Haus direkt an der Straße endet und einen Gefahrenpunkt darstellt.

Auch die Gehwege werden erneuert. Die Straße erhält auf jeder Seite Radfahrstreifen. In den Einmündungsbereichen in die Heinrich-König-Straße und Hattinger Straße sind Querungsinseln vorgesehen. Alle Bäume, zum Teil 100 Jahre alt, werden gefällt und gegen neue ausgetauscht. Insgesamt 1,7 Millionen Euro kostet die Baumaßnahme, an der auch die anliegenden Eigentümer beteiligt werden.

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„Na klasse“, schimpft Rainer Gellhaus. „Zahlen dürfen wir, aber an den Planungen werden wir nicht beteiligt.“ Was ihn und seine Nachbarn sehr ärgert, denn sie haben so einige Verbesserungswünsche. Etwa, was die Radstreifen betrifft. Den westlichen, zur parallel verlaufenden Schlossstraße hin, könnte man doch über den Bürgersteig führen, findet Berlinde Jackel. Dieser sei breit genug. Und so käme man als Radfahrer den vielen Bussen, die hier herfahren, nicht ins Gehege.

Ampel soll Radwegwege besser und sicherer verknüpfen

Zur besseren und sicheren Vernetzung der Radwege im Umfeld empfehlen die Anwohner eine intelligente Ampelanlage an der Kreuzung Heinrich-König- und Blankensteiner Straße. Damit würden die Verbindungen der Radwege Springorum-Trasse, Schloßpark, Weitmarer Holz, Sundern, Weitmar-Mark und Linden in jeweils beiden Richtungen vernetzt. „Gegenwärtig herrschen ziemlich chaotische Verhältnisse für Radfahrer sowohl an dieser Kreuzung wie auch an der Kreuzung Schlossstraße/Heinrich-König-Straße“, hat Jürgen Jackel beobachtet.

Simone Klönne wünscht sich eine dritte Überquerungsmöglichkeit zwischen den beiden Kreuzungen. „Hier gehen so viele ältere Bürger her“, sagt sie. Ein Zebrastreifen mit deutlicher Beschilderung neben der Sackgasse Im Großen Busch würde den Zugang zur Bushaltestelle und den Weg zum Edeka-Supermarkt erleichtern.

Anwohner-Wunsch: Möglichst viele Bäume stehen lassen

Auch bittet Simone Klönne die Stadt, zu prüfen, ob nicht doch einige der Bäume stehen bleiben können. „Sie spenden Schatten und Sauerstoff.“ Den Beschluss der Bezirksvertreter, Rotahorn entlang der Straße zu pflanzen, hält sie für keine gute Idee. „Das sind Flachwurzler und würden nur die Bürgersteige hochdrücken.“ Linden hält sie für geeigneter und zeigt auf einen der Bäume, die auf der Fällliste stehen: „Keine Probleme“.

Rainer Gellhaus sieht ein Parkproblem auf die Anwohner zukommen. 30 Parkplätze seien im Zuge der Straßensanierung vorgesehen. „Es werden aber 40 bis 50 Autos hier geparkt“ sagt er. Einige sogar in zweiter Reihe, mitten auf der Straße. Sein Vorschlag: Vor der Einfahrt zum Supermarkt einen Parkplatz einrichten. „Das ist ohnehin städtisches Gelände.“

Einen kleinen Teilerfolg haben die Anwohner der Blankensteiner Straße schon erzielen können. Nachdem sie Kontakt zu Bezirksbürgermeister Marc Gräf (SPD) aufgenommen haben, wurde eine Informationsveranstaltung einberufen. Diese findet am kommenden Dienstag, 29. September, in der Bezirksverwaltungsstelle Südwest, Hattinger Straße 398, statt. Tiefbauamt und Bezirksbürgermeister wollen dann über den geplanten Straßenbau auf der Blankensteiner Straße informieren und auch Fragen zu den Anlieger-Beiträgen beantworten und Anregungen zur Verbesserung der Planung aufnehmen.

Jürgen Jackel hofft insgeheim, dass die Bezirksvertretung Südwest danach noch einmal neu über die Baumaßnahme entscheidet. Doch er ist auch Realist: „Eigentlich ist das Ding gelaufen.“

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