Bürgerstammtisch

Bürger fordern mehr Beteiligung an Stadtteilplänen

Beim Bürgerstammtisch beschäftigten sich die Teilnehmer mit dem Golfplatz Amalia und dem Freibad Werne. Insgesamt wurde zu wenig Bürgerbeteiligung beklagt.

Beim Bürgerstammtisch beschäftigten sich die Teilnehmer mit dem Golfplatz Amalia und dem Freibad Werne. Insgesamt wurde zu wenig Bürgerbeteiligung beklagt.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Bochum-Werne.  Bürgerstammtisch in Werne thematisiert die Pläne zum Golfplatz und zum Freibad Werne. Informationsveranstaltung Freitag auf dem Amalia-Gelände.

Trotz Sommerferien und Urlaubszeit trafen sich wieder interessierte Werner Bürger im Ludwig-Steil-Haus-Verein an der Rüsingstraße, um über die Probleme und Belange ihres Stadtteils zu diskutieren. Die zwei wichtigsten Themen waren dabei das Bauvorhaben auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Amalia sowie die Zukunft des Freibades Werne.

Details stimmen nachdenklich

Gerade der Bau des Golfplatzes und Freizeitparks auf Amalia ist nicht nur den Anwohnern ein schleierhaftes Unterfangen. „Die gesamte Szenerie mutet schon sehr komisch an“, so Detlef Kühlborn, Fraktionsvorsitzender der Grünen und Mitglied in der Bezirksvertretung Bochum-Ost. „Bei dem Bauvorhaben gibt es mehrere Details, die mich nachdenklich stimmen.“ So wundert sich der Politiker, dass beispielsweise der gesamte Baugrund öffentlich zugänglich und nicht abgesichert ist.

Zudem soll zusätzlich zum Golfplatz auch ein Freizeitzentrum auf dem Zechengelände entstehen, doch „ist dieser nicht in der Baugenehmigung ausgewiesen“, so Kühlborn. Wie ihm gehe es der gesamten Anwohnerschaft. Keiner wisse so recht, was genau auf Amalia vor sich geht. SPD und Grüne verfolgen die Bauarbeiten auf dem Gelände der früheren Zeche Amalia kritisch. Sie haben viele Fragen und fordern endlich Antworten.

„Dabei wäre es doch sehr sinnig, die Bürger früher mit ins Boot zu holen“, erklärte Kurt Mittag, Vorsitzender des Ludwig-Steil-Haus-Vereins. „Wüssten sie früher und besser von solchen Bauvorhaben Bescheid, würde man sie stärker in die Prozesse einbinden, dann wäre die Akzeptanz der Projekte unter der Bevölkerung viel größer.“ Stärkere Beteiligung schaffe eine Verbindung.

Bürgerinformation zu Golfplatz-Plänen

Durch Einwirken der Bezirksvertretung soll nun am kommenden Freitag (9.) eine Bürgerinformation mit dem Umwelt- uns Grünflächenamt zu dem Bauvorhaben auf Amalia stattfinden. Die Veranstaltung findet um 15.30 Uhr am Baubüro auf der Baustelle statt. Dabei werden die Planung vorgestellt und das Qualitätsmanagement des aktuell stattfindenden Bodenauftrags erläutert. Abschließend gibt es eine Führung über das Gelände (festes Schuhwerk wird empfohlen).

Ein ähnliches Informationsdefizit wie beim Golfplatz wurde in der Runde auch zum Werner Freibad beklagt. Durch den Wegfall einer als sicher angesehenen Landesfinanzierung entstand beim Restaurierungsvorhaben des Bades eine Finanzierungslücke von ca. drei Millionen Euro. Wie diese aufgefangen werden kann, oder ob das Schwimmbad nun doch geschlossen wird, ist für die Bürger weiter eine offene Frage. „Auch hier ist eine bessere Einbindung der Anwohner wünschenswert und notwendig“, so Wolfgang Czapracki-Mohnhaupt.

Öffentlicher Druck auf Ämter

Der ehemalige Anwalt ist als Vertreter des Netzwerks für bürgernahe Stadtentwicklung vor Ort. Aus Erfahrungen der Vergangenheit habe er gelernt, dass „sich die Ämter durchaus kooperativ zeigen, sobald der öffentliche Druck groß genug ist“. Es ginge also vor allem darum, diesen öffentlichen Druck weiter auszubauen, um eine stärkere Einbindung des Bürgers in die Entscheidungen der Ämter und Behörden somit forcieren zu können.

Die hier beklagte „Auskunftsfaulheit der Ämter“ beschränkt sich laut Kurt Mittag allerdings primär auf jene, „welche mit Immobilien und Grundstücken zu tun haben“. Das Jugend- oder Sozialamt hingegen sei von sich aus schon deutlich offener und auskunftsbereiter; eine Beobachtung, die Teilnehmer Rolf Faßbinder teilt. Er erklärt sich dies durch die Diffusität der Richtlinien, an die sich die einzelnen Ämter halten müssen. Dies sorge für Unmut bei den Bürgern.

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