Bürgerprotest

Bürger fordern: „Finger weg vom Werner Feld!“

Proppenvoll ist das Erich-Brühmann-Haus bei der Versammlung der Bürgerinitiative Pro Feld. 450 Bürger sind gekommen.

Proppenvoll ist das Erich-Brühmann-Haus bei der Versammlung der Bürgerinitiative Pro Feld. 450 Bürger sind gekommen.

Foto: FUNKE Foto Services

Langendreer/Werne.   450 Anwohner strömen zur Bürgerversammlung ins Erich-Brühmann-Haus, um gegen eine mögliche Bundestraße vom Opelwerk III zur A40 zu protestieren.

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So einen Andrang erlebt das Erich-Brühmann-Haus in Werne selten: Rund 450 Anwohner – vielleicht auch ein paar mehr – strömen am Mittwochabend ins evangelische Gemeindehaus zur Bürgerversammlung der Initiative Pro Feld. Alle eint das Ziel, eine mögliche Bundesstraße vom Opelwerk III zur A40 (inklusive Gewerbegebiet) zu verhindern. Diese würde nämlich mitten durch ein Landschaftsschutzgebiet, das Werner Feld, führen.

Dagegen geht die erst im Juli gegründete Bürgerinitiative vor. Mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln: Information der Anwohner, Sammlung von Unterschriften (inzwischen gibt es mehr als 1100), einer Bürgerversammlung wie dieser und bald auch gezielten Aktionen. Ja, man habe noch Zeit, ehe etwas entschieden ist, weiß Peter Scheffler. Der frühere Superintendent ist zusammen mit seiner Frau Beate Teil der Bürgerinitiative. „Aber wir wollen früh zeigen, was wir Bürger wollen.“ Und das ist an diesem Abend klar: „Finger weg vom Werner Feld!“

„Wir möchten nicht zu spät kommen, sonst ergeht es uns wie den Langendreerern, die jetzt eine Straßenbahn vorgesetzt bekommen“, erklärt unter Beifall Nadja Zein-Draeger, die Initiatorin der Bürgerinitiative, die durch einen WAZ-Bericht im Juni auf die von der Verwaltung favorisierte Nord-Erschließungsstraße aufmerksam wurde. Dass eine endgültige Entscheidung längst noch nicht gefallen ist, versucht Stadtplaner Kai Müller im Verlauf der Versammlung zu vermitteln. Allein, es mag ihm nicht so recht gelingen.

Entlastung für Provinzialstraße

Hintergrund der Planungen: Sollte sich Opel in sechs Jahren entscheiden, die beiden Warenverteilzentren (aktuell Werk II und III) auf der Werksfläche II zu konzentrieren, wäre auf der freien Fläche viel Platz für neues Gewerbe. Um das laut Gutachten zu erwartende höhere Verkehrsaufkommen stemmen zu können, plant die Stadt für diesen Fall eine weitere Erschließungsstraße, um die Provinzialstraße zu entlasten. „Die Lärmbelästigung dort wäre sonst zu hoch“, so Müller.

Mehrere Varianten werden geprüft

Mehrere Varianten werden laut Müller derzeit geprüft. Die Ost-Verbindung zur A40-Raststätte Beverbach dürfte allerdings ausscheiden, weil dort nur in Richtung Dortmund aufgefahren werden könnte. Die West-Route führt zu A40 und A43, auf dem Weg dorthin aber über Bahn- und Privatgelände – teuer und aufwändig. Bleibt die Nord-Variante. Nach wie vor offenbar die favorisierte Lösung, denn sie ist die schnellste Anbindung an die A40, die Felder gehören der Stadt und der nördliche Teil ist ohnehin schon als Gewerbegebiet ausgewiesen. In diesem Fall soll die verbleibende Fläche des Feldes als Gewerbe- und Siedlungsgebiet erschlossen werden. „Auch eine Verlegung der Bundesstraße 235 dorthin ist denkbar“, sagt Müller, der dafür viele Pfiffe erntet.

Zum Ende kommen Politik und Bürger zu Wort. Stellvertretend für die Bezirksvertretung Ost, die bereits zweimal gegen die Nord-Variante votierte, fordert Dirk Meyer, Sprecher der SPD-Fraktion: „Alle Alternativen müssen gleichermaßen, ohne Vorfestlegung, geprüft werden.“ Aus dem Publikum kommen in teils emotional-unterhaltsamen Wortbeiträgen viele Forderungen auf den Tisch, die sich mit denen der Bürgerinitiative decken: Statt einer neuen Straße lieber die bestehende Provinzialstraße sanieren (schließlich hat die bei Opel-Vollbetrieb gereicht), statt neuer Gewerbeflächen auf dem Land erst Leerstände in anderen Gewerbegebieten vermarkten und – vor allem – dieses wichtige Naherholungsgebiet unbedingt erhalten.

„Wir hoffen, wir können die Politiker überzeugen, wie wichtig das Werner Feld ist“, sagt Peter Scheffler abschließend. Seine Frau Beate freut sich über die Rückendeckung durch die Bürger: „Wir sind mehr, als wir gedacht haben.“. Und an die Verwaltung gerichtet: „Nach dem, was wir heute gehört haben, braucht ihr die Variante Nord gar nicht weiter verfolgen.“ Applaus!

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