Kleinkunst

Bühnenkünstler Willi Thomczyk dankt allen für nichts

Willi Thomczyk streift auch in seinem neuen Programm durch alle Höhen und Tiefen des Leben.

Willi Thomczyk streift auch in seinem neuen Programm durch alle Höhen und Tiefen des Leben.

Foto: Manfred Sander

Bochum.   Willi Thomczyk meldet sich zurück. Im Zeitmaul-Theater präsentiert er einen „besinnlichen Abend“ über sein Leben und die Digitalisierung.

Willi Thomczyk kehrt in seinen frühen Wirkungskreis zurück. Der Herner Tausendsassa in Sachen Bühnenkunst hatte in den 80ern seine kreative Basis in Bochum, war Mitbegründer des Kulturhauses Thealozzi in Stahlhausen. Nun steht er zweimal im Zeitmaul-Theater am Imbuschplatz im Rampenlicht. Thomczyks neues Programm „Ich danke allen für nichts“ ist eine poetisch-philosophische Reise von der Geburt bis zum Tod.

Darunter macht es der Mann nicht, dessen künstlerisches und privates Leben eine Achterbahnfahrt war, die ihn zeitweilig aus der Bahn schleuderte. Trotzdem ist sein neues Stück keine Lebensschau im Sinne eines Blicks zurück, und schon gar keine Abrechnung. „Vielmehr werfe ich Fragen auf, die aufs Große und Ganze zielen“, sagt Thomczyk.

Thomczyk stellt sich philosophische Fragen

So beginnt sein Bühnenvortrag – tatsächlich agiert er zunächst hinter einem Rednerpult – mit philosophischen Fragen: „Warum sind wir hier? Wohin gehen wir?“ Die Antwort folgt prompt: „Ins Nichts.“ Die in der fernöstlichen Philosophie ebenso wie in der Pop-Kultur verbreitete Einsicht „Aus Nichts wird Alles. Und aus Alles wird Nichts“ schwebt wie ein stummes Mantra über dem Abend. Und Friedrich Nietzsches Philosophie des Nihilismus schimmert als ewiges Feuer im Hintergrund. So schildert Willi Thomczyk persönliche Erinnerungen an seine Kindheit im Ruhrpott, macht sich Gedanken über Erziehung, Schule, Jugend. Um schließlich bei den „asozialen Netzwerken“ zu landen.

Die Digitalisierung mit ihren Folgen von der Beschleunigung des Alltags bis zur Oberflächlichkeit menschlicher Kontakte macht Thomczyk als Ursache allen Übels des modernen Menschen aus. „Sie bedeutet einen größeren Umbruch in der Geschichte als die Industrielle Revolution“, steht für ihn fest. Gegen solch’ letztlich selbstzerstörerischen Kräfte die läuternde Kraft der Träume, der Illusion und der Kunst zu setzen – davon haben Romantiker wie Novalis ebenso geträumt wie der Dichter und Drop-out Charles Bukowski. In dieser Linie sieht sich der Künstler: „Zentrales Thema meines Stückes ist der Mensch, nicht der Mensch Thomczyk“, bekräftigt Thomczyk.

Prediger, Ankläger und Verteidiger in einem

Einmal mehr präsentiert sich der Herner auch in seiner neuesten Produktion in seiner Lieblings- und Lebensrolle: er ist Prediger, (Selbst)-Ankläger und Verteidiger in einem. Und ein ausdrucksstarker Schauspieler ist er ohnehin. Für die musikalische Ausgestaltung der Aufführung sorgt Gitarrist Norbert Müller, Willis Freund seit Schülertagen.

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