Einbürgerungen

Brexit: Immer mehr Briten werden Bochumer

Alan Davis, Englisch-Dozent an der Ruhr-Universität, mit seinem britischen Pass.

Foto: Jürgen Theobald

Alan Davis, Englisch-Dozent an der Ruhr-Universität, mit seinem britischen Pass. Foto: Jürgen Theobald

Bochum.   Die Stadt Bochum verzeichnet immer mehr Einbürgerungen von Briten. Warum sich zwei Schotten für eine zweite Staatsbürgerschaft entscheiden.

Seit dem Referendum über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union vor knapp anderthalb Jahren, bemühen sich immer mehr Briten in ganz Europa um eine neue Staatsbürgerschaft. Allein in Deutschland schnellte laut Angaben des Statistischen Bundesamtes die Anzahl der Anträge nach oben: von 622 im Jahr 2015 auf 2685 in 2016.

In Bochum haben sich die Einbürgerungszahlen ebenfalls verdreifacht. 13 Briten erhielten vergangenes Jahr die deutsche Staatsbürgerschaft. 2015 waren es gerade mal vier. Auch die aktuelle Statistik der Stadtverwaltung kommt bis Ende November 2017 erneut auf 13 Einbürgerungen.

40 Briten arbeiten beim Starlight Express

Sorgen über den Ausgang der Austrittsverhandlungen macht man sich besonders beim Starlight Express. Knapp 40 Briten arbeiten für das Musical – als Darsteller oder hinter der Bühne. Das ist die größte britische Gemeinschaft in der Stadt, bei insgesamt etwa 530 Briten, die hier leben.

„Ohne unsere britischen Darsteller, könnten wir die Qualität unserer Produktion nicht halten“, erklärt Pressesprecherin Friederike Gerwe. „In Sachen Athletik, Gesang und Tanz sind sie um ein Vielfaches besser als deutsche Künstler.“ Sollte künftig ein Arbeitsvisum nötig sein, damit britische Staatsbürger in den verbliebenen EU-Ländern arbeiten dürfen, hätte das Musical deutlich mehr Aufwand Personal einzustellen, besonders wenn es zu kurzfristigen Ausfällen käme.

Der Dance-Captain des Musicals heißt Marc McFadyen (32), kommt aus Schottland und bemüht sich nun um eine doppelte Staatsbürgerschaft. „Das Votum war für mich und viele in der Crew ein großer Schock. Ich bin 2007 zum Arbeiten nach Deutschland gekommen, da war ich 21“, erzählt er. „Alle meine Freunde leben hier und zurück in die Heimat zieht es mich nicht.“ Die Vorzüge der EU wie Arbeitnehmerfreizügigkeit und Reisefreiheit will er auf keinen Fall missen müssen.

Briten verlieren Wahlrecht

Ein anderer Schotte, der seine Einbürgerungsurkunde bereits seit Mai in den Händen hält, ist Alan Davis (48), Englisch-Dozent an der Ruhr-Universität. „Ich habe mich unmittelbar nach dem Referendum nach den Formalitäten für eine doppelte Staatsbürgerschaft erkundigt und einen Einbürgerungstest an der VHS gemacht“, sagt er. Da er schon seit 25 Jahren in Deutschland lebt und arbeitet, war es für ihn ein Leichtes alle nötigen Nachweise zu bekommen. „Ich habe tagtäglich von der EU profitiert und wollte mich nun persönlich absichern“, sagt Davis. „Hätte ich noch wählen dürfen, hätte ich gegen den Brexit gestimmt.“

Briten die sich länger als 15 Jahre im Ausland aufhalten, verlieren nämlich ihr Wahlrecht. Fassungslos verfolgt Davis, der seit einiger Zeit in Herne wohnt, immer noch die Politik der britischen Regierung. „Die Hoffnung ist noch da, dass sich der Austritt irgendwie abwenden lässt.“

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