Stadtentwicklung

Bochums Technischer Betrieb bezieht Industrie-Schmuckstück

Freigelegt ist die 16 000 Quadratmeter große Industriehalle momentan. Das Dach wird erneuert, die komplette Halle innen ausgebaut.

Freigelegt ist die 16 000 Quadratmeter große Industriehalle momentan. Das Dach wird erneuert, die komplette Halle innen ausgebaut.

Foto: Ingo Otto

Bochum.  90 Verwaltungsmitarbeiter ziehen aus der Innenstadt nach Stahlhausen. 360 betriebliche Mitarbeiter 2019. Industriehalle wird aufwändig saniert.

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Drei Monate früher als geplant beziehen die ersten Mitarbeiter des Technischen Betriebs in diesen Tagen ihre Büros am neuen, zentralen Standort an der Oberen Stahlindustrie. 90 Beschäftige wechseln vom Telekom-Block in der Innenstadt nach Stahlhausen, wo die Stadt sich für 20 Jahre zum Preis von 1,2 Millionen Euro jährlich in einem derzeit modernisierten Industriegebäude aus den ausgehenden 1930er Jahren eingemietet hat.

Die Mendritzki-Gruppe als Eigner und unmittelbarer Nachbar lässt die historische Immobilie, die einst dem Bochumer Verein gehörte und in der bis vor einigen Jahren Thyssenkrupp noch Weichen hergestellt hat, aufwändig renovieren. Die Backsteinfassade bleibt erhalten, die Innenausstattung des Verwaltungsgebäudes und der 215 mal 85 Meter großen Halle „wird modernsten Ansprüchen genügen“, wie Bernd Brinkmann (50), kaufmännischer Leiter bei Mendritzki, versichert. Einen kleinen, zweistelligen Millionen-Betrag investiert das Unternehmen. „Wir sind sehr froh, dass wir die Ausschreibung gewonnen und dieses auch für Bochum wichtige Gebäude mit neuem Leben füllen können“, so Brinkmann.

Bester Standort im Stadtgebiet

Auch aus Sicht des scheidenden Leiters des Technischen Betriebs, Gerd Werdelmann, hat sich die Stadt für den richtigen Bewerber entschieden, er spricht vom „besten Standort für so einen Betrieb im Stadtgebiet“ und von einem „Vorzeigeprojekt“. Alle Ziele im 147 Quadratkilometer großen Stadtgebiet seien über die nahe A 448 und die Magistralen gut und schnell zu erreichen. Werdelmann spricht von einem „Quantensprung“ für die Stadt, die erstmals einen zentralen Betriebshof haben und auf diese Weise erhebliche Kosten einsparen werde. In der Vergangenheit war von einer Million Euro jährlich die Rede, die durch die Zusammenlegung von bisher vielen Standorten eingespart werden können.

In einem Jahr werden auch 360 betriebliche Beschäftigte einziehen und dann die meisten der 16 übers Stadtgebiet verstreuten Betriebsstandorte aufgelöst. Ein bis zwei Altstandorte bleiben noch so lange erhalten, bis die um 40 Personen schrumpfende, jetzt noch 600 Beschäftigte umfassende Belegschaft komplett an den Zentralstandorten in Stahlhausen und Altenbochum (Hauptfriedhof) untergebracht werden können.

Bis dahin gibt es noch reichlich zu tun. Die Halle ist entkernt, das marode Betondach abgenommen, es wird durch leichtere Isopaneele ersetzt. Entstehen werden unter dem Hallendach ein zweigeschossiges Gebäude mit Sozialräumen sowie eine Werkstatt, dazu zahlreiche Lagerplätze und Unterstellmöglichkeiten für Maschinen und Fahrzeuge. Der Verkehr in der Halle wird über eine Ringstraße geleitet. Vor der Halle werden auf weiteren 16 000 Quadratmetern weitere Unterstellplätze für Fahrzeuge und das Außenlager entstehen.

Kritik war im Vorfeld darüber aufgekommen, dass die Beschäftigten künftig fürs Parken bezahlen müssen. Viele können noch entgeltfrei auf den derzeitigen Höfen oder in deren Umgebung parken. „Befürchtungen, dass die Mitarbeiter jetzt 70 Euro im Monat bezahlen müssen, sind an den Haaren herbeigezogen,“ sagt Uwe Schmidt, stellvertretender Personalrat. Es würden derzeit Gespräche mit der Mendritzki-Gruppe über Parkmöglichkeiten zu moderaten Preisen geführt.

>>Ausstellung wird die Geschichte beleuchten

Die wechselvolle Geschichte des Standorts wollen Stadt und Mendritzki-Gruppe in einer Ausstellung dokumentieren, die derzeit erarbeitet wird.

Darin sollen herausragende Ereignisse wie der Deutsche Katholikentag und große Sportveranstaltungen wie Boxkämpfe und Turnfest, die in der Halle ausgetragen wurden, ebenso gezeigt werden wie das Schicksal von Zwangsarbeitern.

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