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Bochums Alt-OB Ottilie Scholz genießt das Leben im Ruhestand

Ottilie Scholz im Musikforum. Bochums Alt-Oberbürgermeisterin ist stolz auf die Realisierung des Projekts.

Foto: Otto

Ottilie Scholz im Musikforum. Bochums Alt-Oberbürgermeisterin ist stolz auf die Realisierung des Projekts. Foto: Otto

Bochum.  Alt-Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz geht es gut. Sie liest Krimis, schreibt Briefe und wundert sich über manche Nachricht aus dem Rathaus.

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Von Hundert auf Null in 90 Tagen – so erlebte Ottilie Scholz vor knapp anderthalb Jahren ihren Start ins Rentnerdasein. Die langjährige Top-Managerin unserer Stadt hatte drei Monate Zeit, sich an ihren Ruhestand zu gewöhnen. Heute genießt es Bochums Alt-Oberbürgermeisterin, weitgehend frei von Terminen zu sein: „Ich liebe es heute, einfach mal nichts zu tun!“

Alle Hände voll zu tun hatte Ottilie Scholz unmittelbar nach der Amtsübergabe an Thomas Eiskirch (SPD) im Oktober 2015: Aktenberge und Geschenke mussten gesichtet und sortiert werden – für das Archiv, den Reißwolf oder die heimische Vitrine. Überbleibsel aus 16 Jahren Arbeit in Bochum füllten Regale und Schubladen. Nicht nur das: Die heute 68-Jährige bunkerte Unterlagen aus ihrer gesamten beruflichen Laufbahn im Rathaus. „Ich hatte ja niemals Zeit, diese wirklich zu durchforsten.“

Stammgast in der Stadtbücherei

Drei bis vier Mal in der Woche nachmittags arbeitete sich Sozialdemokratin Scholz anfangs an ihrer Jäger- und Sammlerleidenschaft ab. „Sie glauben gar nicht, was ich da alles gefunden habe. Zum Beispiel Aktenordner voller Kopien für meine Doktorarbeit. Ich habe vieles mit großer Freude weggeschmissen.“

Das große Aufräumen ging einher mit einem neuen Tagesrhythmus. „Plötzlich war der Druck weg“, sagt Scholz. „Am Anfang habe ich sehr viel geschlafen.“ Am Ende blieb das tägliche Nickerchen am Nachmittag. „Dafür war ich dann abends topfit und habe angefangen, unheimlich viel zu lesen.“

Ihre Leidenschaft für Kriminalromane führt sie regelmäßig in die Stadtbücherei. Aktuell sind es Geschichten von Ulrich Wickert über den Pariser Untersuchungsrichter Jacques Ricou, die sie gern mit nach Hause nimmt. Fasziniert ist sie aber auch von einer Krimireihe der Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling, die diese unter dem Pseudonym Robert Galbraith veröffentlicht. Ansonsten macht sie zunehmend das, was Rentner gern machen: Freunde und Bekannte treffen, Musik hören (Simply Red, Mozart), Veranstaltungen besuchen. Zum Beispiel im Schauspielhaus. „Das Angebot volle Hütte, 10 Euro auf allen Plätzen, finde ich toll.“

Hart für das Musikforum gearbeitet

Für sich entdecken will die Alt-OB noch das Programm der Bochumer Symphoniker. Bis heute hat sie das Musikforum nur auf Einladung besucht. Zum Beispiel bei der Eröffnung Ende Oktober 2016, als ihr das volle Haus applaudierte, nachdem Thomas Eiskirch ihre Verdienste zum Bau der BoSy-Heimstätte gewürdigt hatte.

Hat sie das gefreut? „Es war bemerkenswert, alles andere aber hätte mich auch geärgert. Immerhin habe ich mich zehn Jahre lang für das Musikforum stark gemacht.“ Glücklich sei sie, dass es gelungen ist, auch die Verwaltung der BoSy zu realisieren. Die Freude über den Erfolg ihrer Arbeit ist der promovierten Soziologin bis heute anzumerken. Gleichwohl ist ihr Verhältnis zu einigen Personen und Parteikollegen, die sie lange begleitet haben, mittlerweile distanziert. Erstaunt registriere sie ab und an Ankündigungen aus dem Rathaus, die den Eindruck des völlig Neuen erwecken, sagt sie. Auch in ihrer Amtszeit habe es Strategien für die Zukunft Bochums und Bürgerkonferenzen gegeben.

E-Mails gehören zum Alltag

Entdeckt hat sie im Ruhestand eine neue Leidenschaft: das Briefe schreiben. Und zwar handschriftlich. „Wenn ich abends in Stimmung bin, schreibe ich sie auf DIN-A4-Blättern im Querformat vor, ehe ich sie am nächsten Tag korrigiere und noch einmal abschreibe.“ Empfänger seien Weggefährten, für die sie während ihrer Amtszeit nie genug Zeit hatte.

Angekommen ist „Otti“, wie sie viele Bürger bis heute nennen, aber auch in der digitalen Welt. Das Lesen von Nachrichten aus aller Welt auf einem Tablet gehört fest zum Alltag. Und E-Mails. „Ohne E-Mail-adresse ist man ja kein Mensch mehr.“ Ein Handy hat sie aber noch nicht. „Das ist aber nur eine Frage der Zeit.“ Dabei denkt sie insbesondere ans Autofahren, „wenn mal was passiert“.

Apropos Auto: Das einzige, was sie als ehemalige OB vermisse, seien Fahrer und Dienstwagen: „Sich hinten ins Auto zu setzen und um nichts kümmern zu müssen, das hatte was.“

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