Wein

Bochumerin will als „Ruhrpottprinzessin“ Wein vermarkten

Hannah Iberer (hier bei der Wein-Messe in Bochum) hat sich in der Pfalz zur Winzerin ausbilden lassen. Jetzt präsentiert sie ihre erste eigene Weinlinie.

Hannah Iberer (hier bei der Wein-Messe in Bochum) hat sich in der Pfalz zur Winzerin ausbilden lassen. Jetzt präsentiert sie ihre erste eigene Weinlinie.

Foto: Dietmar Wäsche/FFS

Bochum/Neustadt.  2014 trat Hannah Iberer eine Ausbildung zur Winzerin in der Pfalz an. Dort hat sie eine eigene Weinlinie entworfen. Die zeugt von Heimatliebe.

„Ich liebe es, den ganzen Tag an der frischen Luft zu sein“, sagte Hannah Iberer und strahlte wie die Sommersonne in der Pfalz, als die WAZ 2015 über sie berichtete. Mit damals 34 Jahren hatte die Bochumerin eine Ausbildung zur Winzerin angetreten. Bei der Messe „Weine vor Freude“, für die sie in ihre Heimatstadt zurückgekehrt war, schwärmte sie von ihrer Lehre zwischen Kelterkeller und Weinbergen. Fünf Jahre später ist Hannah Iberer nicht mehr ganz so oft an der frischen Pfälzer Luft. Als Jung-Unternehmerin hat sie jetzt häufiger im Büro zu tun. Es gilt, ihre erste eigene Weinlinie zu vermarkten. Deren Name setzt ihrer Heimatliebe das Krönchen auf: „Ruhrpottprinzessin“.

Nach dem Abitur lernte die Bochumerin Maskenbildnerin

Vater Clemens stammt zwar aus Rheinhessen; ein Gläschen Wein gehörte daheim in der Familie am Stadtpark immer dazu. Niemals jedoch wäre Hannah Iberer nach dem Abitur 2002 an der Heinrich-Böll-Gesamtschule auf die Idee gekommen, mit und von den Reben zu leben. Die Bühne rief. In Berlin erlernte sie den Beruf der Maskenbildnerin, arbeitete an mehreren Theatern, auch im Bochumer Schauspielhaus – um 2014 ganz von vorne zu beginnen.

Mit ihrem Partner betreibt die 38-Jährige eine Weinbar

Papas Wurzeln schlugen mit Verspätung durch. Als „Schnapsidee“ bezeichnet sie heute ihre Entscheidung, Winzerin zu werden. Gut gereift war der Entschluss gleichwohl. „Denn diesen Beruf“, betonte Hannah Iberer seinerzeit bei ihrem Messe-Gastspiel, „kann man nur mit voller Leidenschaft und vollem Einsatz ausüben.“ Spannend und entspannend sei der Job obendrein. Herrlich sei es, die Reihen mit den Reben entlangzugehen, den Sonnenuntergang zu genießen, „die Natur lieben- und kennenzulernen“.

Ihre Ausbildung auf einem Weingut in Neustadt an der Weinstraße hat Hannah Iberer 2016 beendet. Pfälzisch, sagt sie und lacht, sei für sie inzwischen keine Fremdsprache mehr. Das Bochumer Mädchen hat sich als freiberufliche Winzerin durchgesetzt. Im 4000-Seelen-Ort Maikammer südlich von Neustadt betreibt sie mit ihrem Partner Sascha Wolz eine Weinbar in einem historischen Gemäuer. „Kulturhof 1590“ heißt das Anwesen. 2018, erzählt sie im WAZ-Gespräch, reifte dort der Wunsch heran, ihren eigenen Rebensaft zu kreieren. Produziert in der Pfalz. Aber auch ausgerichtet auf die Weintrinker im Revier, „die trotz aller Liebe zum Bier immer zahlreicher werden“.

„Ruhrpottprinzessin“ gibt’s als Trio

Etliche Probeläufe folgten. Nun ist das Werk vollbracht. Ein Weißwein-Cuvèe („Fruchtig, frisch“), ein Rosé („Wie die Himbeerdrops vonne Bude, nur geiler“) und ein trockener Rotwein-Cuvèe („Schwarz wie der Kohlenpott“) sollen fortan die Gaumen der Ruhris verwöhnen. Beim Namen bediente sich die Schöpferin einer alten Tradition: „Hier in der Region gibt es in jedem Dorf eine Weinprinzessin. Da dachte ich mir: Wie wäre es mit ,Ruhrpottprinzessin’?“ Immerhin weiß da jeder sofort, woher die Winzerin stammt.

In ihrer neuen Heimat seien die drei Tropfen mit Krönchen-Signet schon in aller Munde, sagt die 38-Jährige. Derzeit strickt sie an einem Vertriebsnetz in Nordrhein-Westfalen und hofft, dass ihre Weine alsbald auch hier im Handel und in der Gastronomie erhältlich sein werden. 2020, so ihr Plan, will sie bei der Weinmesse in der Rotunde dabei sein.

Bochumer Bier ist auch in der Pfalz im Ausschank

Komplett gekappt hat Hannah Iberer ihre Bochumer Wurzeln derweil nicht. Auf der Facebook-Seite ihrer Weinbar prangt eine Fiege-Bügelflasche. „Nach einem weinreichen Wochenende“, heißt es, „kann es zur Abwechslung auch mal ein Bier sein. Natürlich das Bochumer Original. Erhältlich bei uns im Ausschank.“

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