Currywurst als Kunst

Bochumerin macht kultige Currywurst zum Kunstobjekt

Kirsten Mikus mit einem ihrer Currywurst-Werke, die sie jetzt in einer Ausstellung präsentiert.

Foto: Gero Helm

Kirsten Mikus mit einem ihrer Currywurst-Werke, die sie jetzt in einer Ausstellung präsentiert. Foto: Gero Helm

BOCHUM-Altenbochum.   Kirsten Mikus widmet der Currywurst eine eigene Ausstellung in Altenbochum. Bei ihrer Arbeit legt die Künstlerin viel Wert auf Humor.

Bei Kirsten Mikus geht es – im wahrsten Sinne – um die Wurst. Genauer: um die Currywurst. Sie machte das Lieblingsgericht vieler Bochumer zum Kunstobjekt. Egal, ob als Stoffwurst in Deutschlandfarben oder umhüllt in schlüpfriger Hülle – Kirsten Mikus findet immer eine neue Möglichkeit, ihre Leibspeise in Szene zu setzen.

Im September startet sie nun ihre erste eigene Ausstellung. „Es sind Berührungen mit der Currywurst, die sich im Bild niederschlagen“, erklärt Mikus.

Von jeher hat sie mit ihrem Mann die Currywurstbuden der Region besucht. Der Idee für das Gesamtwerk kam dann 2002, als die ersten Mikrowellen-Currywürste in Plastikdöschen auf den Markt kamen.

Wurst wird Kunstobjekt

Man müsse die Currywurst und ihr natürliches Umfeld, die Fressbude, würdigen, war die Künstlerin überzeugt: „Es geht darum, dass es ein Kult ist, Currywurst zu essen.“ So begann die Begeisterung für das Fleischgericht als Hauptmotiv.

Die Besonderheit an Mikus’ Werken ist dabei der Humor, der ihre Arbeiten durchzieht. Kaum ein Werk kommt ohne ein Augenzwinkern aus. Ein Beispiel: Bei Kimikunst (Kimi für Kirsten Mikus), dem „Label“ der Künstlerin, können Interessierte für kleines Geld eine Currywurst-Kunst-Aktie erwerben.

Mit dieser Aktie bekommt der Käufer zwar keinerlei Anteile am Kunstgeschäft, dafür aber ein schönes Bildchen, einen ansprechenden Text zur Currywurst und ein Lächeln aufs Gesicht.

Ein anderer Scherz behandelt den Ursprung der Currywurst, den einige Bochumer ja für sich beanspruchen würden. Mikus hat in ihren Werken den „Beweis“ gefunden: In Bochum habe es vor Urzeiten den „Armfüßer“ gegeben. Den sieht die 51-Jährige als Vorgänger der Currywurst.

Als „Beweisbild“ hat sie eine Schublade beim Schubladen-Museum gestaltet, in der man eine Armfüßer-Currywurst-Art sieht.

Bilder werden wie Wurst in Serie hergestellt

Die Machart von Mikus’ Werken ist in der Regel keine komplizierte: Die meisten werden mit Hoch- oder Tiefdruck angefertigt, ähnlich der Holzschnitt-Methode. Mikus sieht in der Form der Bilder eine Parallele zum Motiv: „Ich bin bei den Bildern immer klein geblieben und eine Currywurst ist ja auch klein. Und die Methode ist seriell, eine Wurst wird auch in Serie hergestellt.“

Neues Studium mit 38 begonnen

Dass Kirsten Mikus mittlerweile in ihrer sehr eigenen Kunst aufgeht, dahin war es ein langer Weg. Denn lange Zeit verdingte sie sich in der Bekleidungsindustrie. Aus einer handwerklichen Familie stammend, war die Kunstwirtschaft aus Sicht der Eltern keine Option. Doch die Bekleidungsindustrie war eine sterbende Branche, das Handwerk schon zu Beginn von Mikus’ Ausbildung nahezu vom Erdboden verschwunden.

Sie war es leid, stets um den Arbeitsplatz zu bangen, und fing mit 38 Jahren noch ein Studium an. 2012 kam ein weiterer Schritt: „Ich vermachte drei meiner Bilder für eine Versteigerung an Amnesty International.

Alle drei sind verkauft worden.“ In den folgenden Jahren folgten ähnliche Erlebnisse und damit die Erkenntnis, dass sich Leute für die Currywurst-Kunst interessieren.

Künstler-Gruppe ermöglicht Ausstellung

Als Mitglied der Künstler-Gruppe Elf in Altenbochum folgt nun ein weiterer Schritt in der Laufbahn: Die erste alleinige Ausstellung. Zu sehen gibt es ein ganzes Currywurst-Universum – zusammen mit vielen kitschig-süßen Bildchen, die Mikus „Dessert-Kunst“ nennt.

Der eigene Humor bleibt auch bei der Ausstellung nicht aus: So können Besucher in einem LED-Raum beispielsweise eine Brille aufsetzen, die sie in den Lichtern Herzchen sehen lässt. Und in einer Peep-Show zeigt sich eine Currywurst ganz anzüglich.

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