Forschung

Bochumerin forscht in USA zu Cowboy-Kirchen und Scientology

| Lesedauer: 4 Minuten
Anna Kira Hippert aus Bochum hat in den USA in Cowboy-Kirchen geforscht. Der Alltag ist ganz anders als der in den Kirchen in Deutschland, das Westernreiten gehört beispielsweise dazu.

Anna Kira Hippert aus Bochum hat in den USA in Cowboy-Kirchen geforscht. Der Alltag ist ganz anders als der in den Kirchen in Deutschland, das Westernreiten gehört beispielsweise dazu.

Foto: Der Fotoschmied

Bochum.  Anna Kira Hippert aus Bochum forscht in den USA zu Cowboy-Kirchen und Scientology. Ihr Video-Blog zeigt, wie außergewöhnlich Forschung sein kann.

Forschung und Wissenschaft: Das mag für viele trocken klingen, nach monatelanger Arbeit am Schreibtisch und dem Wälzen zahlreicher, dicker Bücher. Oftmals fehlt schlichtweg die Vorstellung, was die Menschen hinter den Türen von Universitäten machen. Was Forschung und Wissenschaft aber auch sein können: eine Reise in die USA, der Besuch von Cowboy-Kirchen und bei Scientology, der Einblick in ganz andere Welten. Das zeigt Bochumerin Anna Kira Hippert im Internet in ihrem Video-Blog.

Die 34-Jährige ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien an der Ruhr-Universität, arbeitet aktuell an ihrer Doktorarbeit. „Mein Ziel ist es zu zeigen, welchen Einfluss Medien und besonders Bilder für Menschen in Religionsgemeinschaften haben“, erklärt Hippert. Dafür recherchiert sie zu Scientology- und Cowboy-Kirchen.

Bochumerin interessiert sich für skurrile Kirchen – der Start eines Forschungsprojekts

Cowboy-Kirchen – was ist das eigentlich? Die Frage hat sich die Wattenscheiderin, die in Essen aufgewachsen ist, 2019 auch gestellt. Über ein Austauschprogramm geht sie damals für ein halbes Jahr in die USA, studiert an der „University of Kansas“. „Ich habe mich schon immer für die skurrileren und verrückteren Sachen interessiert, das hat sich schnell auf dem Campus herumgesprochen.“

In den USA gibt es viel mehr Kirchen als in Deutschland, das fasziniert die Bochumerin. „Auf einem Fleck findet man zehn verschiedene Kirchen, die um die Mitglieder werben.“ Diese besichtigt Hippert bei dem ersten USA-Aufenthalt und schließlich spricht ein Pfarrer sie mit dieser Frage an: „Du bist also interessiert an den verrückten Kirchen?“

+++Keine Nachrichten aus Bochum mehr verpassen: Hier geht es zu unserem kostenlosen Newsletter.+++

Sie bejaht und befindet sich vier Wochen später in einer Cowboy-Kirche – mitten in der Pampa. „Ich reite, habe das schon lange gemacht und auch ein eigenes Pferd gehabt.“ Westernreiten, was zum Alltag an einer Cowboy-Kirche gehört, macht die Bochumerin selbst regelmäßig. „So hat sich irgendwie ein Kreis geschlossen.“

Hippert landet auf einer Ranch, alle tragen Cowboy-Stiefel und Hüte, rund herum stehen Pick-up-Trucks. Rund 100 bis 150 Mitglieder gehören zu dieser Kirche. „Bei Cowboy-Kirchen handelt es sich um ein neueres Phänomen“, erklärt die Wissenschaftlerin. Sie wurden erstmals in den früheren 2000ern gegründet, befindet sich bis heute in Texas und im mittleren Westen. Schätzungsweise 2000 gibt es mittlerweile. Hippert schreibt ihre Master-Arbeit über das Thema, beschließt einige Zeit später auch in diesem Bereich zu promovieren, also ihren Doktor-Titel zu machen.

Feldforschung in den USA: So arbeitet eine Bochumer Wissenschaftlerin

Bochumerin berichtet über Alltag in Cowboy-Kirche

Anfang 2023 geht es erneut in Richtung USA: Die Wissenschaftlerin recherchiert, welche Cowboy-Kirchen es gibt, findet schließlich eine mit Homepage und fünf Bewertungen bei Google. „Dort bin ich hingefahren und hängengeblieben.“ Hippert lebt fünf Monate mit der Gemeinde, nimmt an Gottesdiensten teil. Der Alltag sieht so aus: Erst arbeiten die Gemeindemitglieder mit der Bibel, im Anschluss findet zum Beispiel das sogenannte Barrel-Racing, das Reiten um Fässer oder Bullenreiten. Zwischen dem Alltag führt Hippert immer wieder Interviews, spricht mit den Mitgliedern der Gemeinde.

Während sie das tut, filmt sie immer wieder – begleitet die Arbeit mit der Kamera. Das Ziel: Forschung greifbar machen. „Wir haben ein Vlog-Format ins Leben gerufen, wo ich von meiner Feldforschung in den USA auf YouTube berichte. In Videos zeige ich das tägliche Leben einer Wissenschaftlerin.“

Wie funktioniert Forschung und Studium? Bochumerin macht Uni-Leben greifbar

Hippert selbst kommt aus einer Arbeiterfamilie, hatte nie Berührungspunkte zu Studium und Wissenschaft. „Meine Oma, meine Mutter, meine Tante haben mich zum Beispiel gefragt: Was machst du da? Was haben wir davon, dass du das machst?“, erzählt die Wissenschaftlerin. Anfangs konnte sie das selbst nicht beantworten.

„Seit Beginn meines Studiums bin ich deshalb stark daran interessiert, dies zu ändern. So sollen auch Studieninteressierte erreicht werden“, so Hippert. Im Dezember geht es für sie wieder in die USA, diesmal zur Scientology-Kirche. Die Menschen, die sie dort begleitet, werden wohl komplett gegenteilig sein, die Fragen, die sie ihnen stellt, aber dieselben. So möchte sie Vergleiche ziehen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Bochum