Zahnärztin

Bochumer Zahnärztin (29) behandelt in Tansania die Ärmsten

Die Bochumerin Jana Waschke hat drei Wochen lang als Zahnärztin in Tansania gearbeitet.

Die Bochumerin Jana Waschke hat drei Wochen lang als Zahnärztin in Tansania gearbeitet.

Foto: Jana Waschke

Bochum.  Unterirdische Hygiene und Patienten, die sich selbst Zähne ziehen. „Helfen wir nicht, hilft keiner“, sagt eine Ärztin über ihren Afrika-Einsatz.

Jana Waschke steht in einer Strohhütte in einem Massai-Dorf. Um sie herum ist nichts, nur Wüste. Irgendwo im nirgendwo in Tansania untersucht sie die Zähne einer jungen afrikanischen Mutter. Die medizinischen und hygienischen Bedingungen sind unterirdisch. Sie betreibt Schadensbegrenzung, kann nicht mehr machen, als zerstörte Zähne zu ziehen. Trotzdem spürt sie tiefe Dankbarkeit und weiß: „Wenn wir nicht helfen, hilft hier keiner.“

Die Zahnärztin aus Langendreer, 29 Jahre alt, blickt zurück auf eine prägende und erlebnisreiche Zeit. Im August hat Jana Waschke Bochum für drei Wochen hinter sich gelassen und medizinische Hilfe geleistet, wo sie so dringend ist: Im ostafrikanischen Tansania, dort wo die Menschen fast nichts haben. Aber wie kam es dazu?

Die Anfrage kam über Facebook

Anfang des Jahres bekommt Waschke, die in einer Praxis in Dortmund arbeitet, bei Facebook eine Nachricht von vier Zahnmedizin-Studentinnen aus Köln und Münster. Sie wollen mit der Hilfsorganisation „Dental Volunteers“, auf deutsch „Freiwillige Zahnärzte“, nach Afrika reisen – brauchen dafür die Unterstützung einer fertig ausgebildeten Zahnärztin. Waschke überlegt nicht lange, sie sagt zu: „Viele gehen nach der Schule ins Ausland. Ich habe meine Chance jetzt genutzt.“

Die Planung beginnt im April, vier Monate später sitzen die fünf jungen Frauen im Flugzeug Richtung Tansania. Für die Reisekosten haben die Studentinnen ein Stipendium bekommen, Jana Waschke bezahlt ihren Flug selbst. Sie nimmt sich für die Zeit in Afrika Urlaub, ihre Chefin unterstützt das Vorhaben der jungen Ärztin.

Mit im Gepäck sind Arbeitsmaterial und Antibiotika

Bevor es losgeht, haben die Ehrenamtlerinnen Spenden gesammelt. Mit in ihrem Gepäck sind jetzt Arbeitsmaterial und Antibiotika für die Patienten, die sie in den kommenden drei Wochen behandeln werden. Sicher ist: Vor Ort wird es nicht viel bis nichts geben, das ihnen dabei hilft.

In Tansania leben die Zahnärztin und die Studentinnen in einer katholischen Mission. Sie behandeln dort mit anderen Ärzten in Containern, außerdem geht es in einem Buschflugzeug in die Dörfer der Massai. In Gegenden, in die sonst niemand kommt. In Gegenden, in denen scheinbar nichts ist. Nur hin und wieder sehen die Zahnärztin und ihr Team einzelne Hütten, gebaut aus Stöcken und Stroh, inmitten der Wüstenlandschaft.

Zahnärzte kommen nicht oft in die Massai-Dörfer

Doch plötzlich: „Wie aus dem Nichts kamen die Leute, viele Leute, auf uns zu“, erinnert sich Waschke. „Es wurde angekündigt, dass im Flugzeug Zahnärzte sitzen. Das kommt nicht so häufig vor.“ Sonst kommen eher Ärzte, die die medizinische Grundversorgung sicherstellen. Dass wird beim Blick in den Mund ihrer Patienten deutlich. In den Zähnen sind Löcher, die fünf Freiwilligen können meist nicht mehr machen, als sie zu ziehen.

Wenn die Menschen das nicht schon selbst gemacht haben. Waschke: „Das haben viele versucht.“ Geklappt hat es aber nicht. Wurzeln blieben im Mund zurück, dazu kamen Infektionen. Die junge Ärztin aus Bochum hat getan, was sie konnte. Antibiotika verteilt, Wurzeln entfernt: ohne Zahnarztstuhl, in einer dreckigen Hütte, mit Deckenlampe um den Kopf – Rückenschmerzen inklusive.

Drei Wochen voller neuer Eindrücke

Nichtsdestotrotz: „Es war einfach schön zu sehen, wie man helfen kann. Die Menschen waren so dankbar. In drei Wochen haben wir unglaublich viele neue Eindrücke gewonnen“, findet Waschke. Angst oder Bedenken hatte sie vor ihrer Reise und auch währenddessen nie: „Da bin ich nicht so der Typ für“, meint sie schmunzelnd. Eins steht für sie schon fest: Irgendwann soll es wieder nach Afrika gehen, möglichst bald. Jana Waschke weiß, dass es noch viele, unzählige Menschen gibt, die ihre Hilfe so sehr brauchen.

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