Privatisierung

Markthändler in Bochum blicken in eine ungewisse Zukunft

Die Händler auf dem Wattenscheider Markt können sich über viele Kunden freuen. Hier gibt es neben Lebensmitteln auch Haushaltswaren und Kleidung.

Foto: Jürgen Theobald

Die Händler auf dem Wattenscheider Markt können sich über viele Kunden freuen. Hier gibt es neben Lebensmitteln auch Haushaltswaren und Kleidung. Foto: Jürgen Theobald

Bochum.   Die zwölf städtischen Wochenmärkte werden in private Hände gehen. Der USB wird sich weiterhin um die Reinigung der Plätze kümmern.

Die zwölf städtischen Wochenmärkte in Bochum werden zukünftig in private Hände gehen. Rot-Grün konnte sich im Rat durchsetzen – mit einer Variante, bei der die Märkte zwar privat betrieben werden, die Reinigung der Plätze und die Entsorgung der Abfälle aber weiterhin durch den USB erfolgt.

Die Diskussion, die Wochenmärkte zu privatisieren, ist schon seit zwei Jahren Thema in der Politik und hat als wesentliches Ziel, die Märkte attraktiver zu gestalten, sowohl für Besucher, als auch für die Händler. „Die Zahl der Märkte und Besucher ist rückläufig, nicht nur in Bochum“, so Jochen Wendt vom Ordnungsamt. „Um die Märkte in Zukunft zu sichern, müssen sie in zwei Hände gegeben werden. Die Stadt kann nicht gleichzeitig Veranstalter und Ordnungsbehörde sein, das passt nicht zusammen.“

Ungewisse Zukunft für Marktplätze

Die rückläufige Entwicklung habe für ihn mehrere Gründe: Für Händler sei es schwierig, eine Nachfolge zu finden, zusätzlich habe sich die Umgebung rund um die Marktplätze verändert. „Sie sind nicht immer da, wo die Menschen sind“, so Wendt. „Frischemärkte zur Daseinsvorsorge gibt es mittlerweile überall.“ Und zu guter letzt: Die Öffnungszeiten der Märkte seien für Berufstätige schwierig.

Schaut man unter der Woche auf die Marktplätze, sind meist nur wenige Kunden zwischen den Ständen unterwegs. „Die Wochenmärkte sind tot. Die großen Discounter machen alles kaputt“, sagt ein Händler in Werne, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Einige Händler wenig optimistisch gestimmt

Er scheint nicht der einzige zu sein, der so denkt: Einige Händler sind nur wenig optimistisch gestimmt, was ihre Zukunft angeht. „Ich weiß nicht, ob ich in 20 Jahren noch hier stehen werde. Der Wochenmarkt stirbt in Bochum aus“, sagt Edgar Wältermann, der hinter dem Hauptbahnhof Obst und Gemüse verkauft. „Mittlerweile gibt es in jedem Discounter und an jeder Tankstelle Lebensmittel. Dabei werden nur auf dem Wochenmarkt frische und hochwertige Produkte angeboten.“

Einer, der sich sicher ist, dass er noch lange an seinem Blumenstand stehen wird, ist Großhändler Theo Schier. Der 62-Jährige konnte sich in fast 50 Jahren als Marktverkäufer eine Stammkundschaft aufbauen. „Klar ist der Verkauf schwächer geworden. Früher gab es vielleicht einen Edeka-Markt, heute kann man schon im Internet Essen bestellen“, so Schier. „Aber ich glaube, dass Leute weiterhin auf Qualität und Erfahrung setzen. Im Supermarkt ist oft nicht das Fachwissen da, die Ware bleibt meist lange stehen, bis sie einsortiert wird.“

Ein Nachwuchsproblem habe Schier nicht, sein Sohn wird den Großhandel in Düsseldorf inklusive Marktstand in Bochum übernehmen. Wie sich die Märkte entwickeln werden, kann auch er nicht vorhersagen. Für die zwölf Wochenmärkte muss sich nun erstmal ein neuer Betreiber finden.

>>> 1000 Besucher am Springerplatz

Bis zu 1000 Besucher kommen wöchentlich zum Moltkemarkt am Springerplatz. Seit vier Jahren findet er jeden Freitag ab spät nachmittags statt und hat sich als erster Feierabendmarkt in der Region mittlerweile zu einem Vorzeige-Modell entwickelt.

„Der Bekanntheitsgrad ist von Jahr zu Jahr gestiegen“, so Unternehmer Herwig Niggemann, Betreiber des Marktes. „Die Besucherzahl hängt natürlich auch vom Wetter ab, aber mittlerweile haben sich schon viele Gruppen gebildet, die sich regelmäßig auf dem Feierabendmarkt treffen.“ Sein Konzept scheint recht einfach: Die späte Uhrzeit ermöglicht es auch Berufstätigen, den Markt zu besuchen.

Kunden unterschiedlichsten Alters zählen zum Stammkundenkreis: „Die Zeiten haben sich geändert, in denen man mal eben in der Mittagspause zum Markt geht“, sagt der Großhändler. Bei der Auswahl der Waren versucht Niggemann, auf ausgefallene Produkte zu setzen: Sei es das Steak aus Australien oder aus den USA, der Unternehmer legt Wert auf Spezialitäten. „Es ist ein Einkaufsmarkt mit Verweilcharakter.“

Mit Blick auf die Entscheidung des Rates ist er sich unsicher, ob sich ein passender Anbieter finden kann. „Die Variante ist aus Sicht der Stadt verständlich. Der Privatbetreiber ist aus wirtschaftlicher Sicht aber sehr gebunden. Es ist zu befürchten, dass sich kein Anbieter findet.“

>>> Händler in Gerthe organisieren ihren Markt selbst

Seit zwei Jahren ist der Wochenmarkt in Gerthe nicht mehr in städtischer Hand. Der Markt hatte rechtlich nicht mehr genug Händler, um von der Stadt weiter betrieben zu werden. Deshalb haben die Verkäufer eine Interessengemeinschaft gegründet und die Organisation ihres Marktes selbst in die Hand genommen. Der Markt befindet sich an der Turnstraße in Gerthe und ist mittwochs und samstags von 7 bis 13 Uhr geöffnet.

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