Corona-Regeln

Bochumer Wirt klagt gegen Sperrstunde: „Läuft auf Insolvenz raus“

Martin Dombrowski, Wirt der „Weiherstube“ im Bochumer Ehrenfeld, klagt gegen die Sperrstunde, die in NRW in Städten mit besonders hohen Corona-Fallzahlen gilt.

Martin Dombrowski, Wirt der „Weiherstube“ im Bochumer Ehrenfeld, klagt gegen die Sperrstunde, die in NRW in Städten mit besonders hohen Corona-Fallzahlen gilt.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Bochum.  Martin Dombrowski aus Bochum klagt gegen die Sperrstunde in NRW. Der Wirt der „Weiherstube“ erklärt, warum er sie für unverhältnismäßig hält.

Das Frühjahr war schon hart für Martin Dombrowski. Als er im März seine „Weiherstube“ im Bochumer Ehrenfeld wegen der Corona-Pandemie vom einen auf den anderen Tag schließen musste, da ging das an die Substanz. Vier Monate lang hat er sich keinen Lohn ausgezahlt, von Reserven gelebt. Soforthilfen und eine Spendenaktion im Internet verschafften ihm etwas Luft, die Sommermonate brachten leise Hoffnung.

Die strengen Schutzmaßnahmen für die Gastronomie findet er in Ordnung, „da stehe ich voll hinter!“ Aber mit der Sperrstunde will sich der Wirt nicht abfinden. Er klagt dagegen, sein Eilantrag liegt mit denen weiterer Gastronomen aus NRW aktuell beim Oberverwaltungsgericht in Münster vor.

Herr Dombrowski, warum klagen Sie gegen die Sperrstunde?

Martin Dombrowski: Die Sperrstunde ist aus meiner Sicht der falsche Ansatz im Kampf gegen die Ausbreitung von Corona.

Wirt zur Sperrstunde: „Verhältnismäßigkeit nicht gegeben“

Inwiefern, können Sie das etwas erläutern?

Dombrowski: Die Sperrstunde ist das falsche Signal für die Bevölkerung: Die Leute hören dann doch nicht plötzlich um Elf auf zu feiern, treffen sich ja trotzdem weiter. Aber dann eben in nicht kontrollierten, nicht nachvollziehbaren Umgebungen.

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Und in der Kneipe wäre es sicherer?

Dombrowski: In der Gaststätte kann man alles nachvollziehen, wir setzen die Hygiene- und Infektionsschutz-Standards komplett um. In Bochum hat es bis jetzt keinen einzigen Corona-Fall gegeben, der auf die Gastronomie zurückzuführen gewesen wäre. Für die Sperrstunde ist die Verhältnismäßigkeit überhaupt nicht gegeben.

Wie war denn das erste Wochenende mit Sperrstunde?

Dombrowski: Die Verordnung ist ja am Samstag um Mitternacht in Kraft getreten, Freitag hatte ich also sozusagen noch eine Stunde geschenkt, Samstag war dann um 23 Uhr Schluss. Vom Umsatz her waren aber beide Tage eine Vollkatastrophe.

… weil Sie früher schließen mussten?

Dombrowski: Ja. Am Wochenende bleiben die Gäste zum Teil bis tief in die Nacht, da mache ich locker 50 Prozent meines Umsatzes nach 23 Uhr.

Vor Corona war die Kneipe proppevoll – jetzt gibt’s noch 24 Plätze

Wie muss ich mir den Alltag in der „Weiherstube“ in Corona-Zeiten überhaupt vorstellen?

Dombrowski: Wir haben keinen Außenbereich, hatten vor Corona 39 Sitzplätze – wenn’s proppevoll war, standen aber noch mal fast genau so viele Gäste in der Kneipe. Jetzt gibt es nur noch Sitzplätze, unter Berücksichtigung der Corona-Auflagen komme ich auf maximal 24 Gäste. Wer reinkommt, desinfiziert sich die Hände. Wer rumläuft, trägt Maske. Das ist alles okay. In die Weiherstube kommen vor allem Stammgäste – die haben sich daran gewöhnt und machen das mit.

Die Befürworter der Maskenpflicht argumentieren, dass zu fortschreitender Stunde und mit steigendem Alkoholpegel die Vorsicht schwindet. Können Sie das Argument nachvollziehen?

Dombrowski: Das kann ich nachvollziehen! Natürlich weiß ich, dass Leute nachlässig werden, wenn sie alkoholisiert sind. Ich hab auch in den vergangenen Monaten Leute nach Hause geschickt, wenn ich merkte, dass sie sich nicht mehr an die Regeln halten. Aber das Problem gibt es im Privaten doch genauso. Nur, dass wir die Kontakte dort schlechter oder gar nicht nachvollziehen können.

Was würde es für Sie bedeuten, wenn das OVG die Sperrstunde bestätigt?

Dombrowski: Das ist für mich schlicht und ergreifend existenzbedrohend. Das Weiherstuben-Konzept ist auf den Winter ausgerichtet. Im Sommer gehen die Leute ohnehin in andere Lokale, in Biergärten. Ich muss im Winter Geld verdienen, um den Sommer zu überleben. Insofern muss jetzt im Winter einfach was kommen. Sonst läuft’s auf die Insolvenz hinaus.

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