Klassentreffen

Bochumer Waldschüler treffen sich nach 70 Jahren wieder

Die ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Waldschule treffen sich nach 70 Jahren wieder.

Die ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Waldschule treffen sich nach 70 Jahren wieder.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Bochum-Steinkuhl/Querenburg.  Schüler der Christlichen Gemeinschaftsschule Bochum-Querenburg halten seit Jahrzehnten Kontakt. Beim Treffen gibt’s jetzt neuen Gesprächsstoff.

Dauerbrenner-Themen gibt es bei allen Klassentreffen: Die beliebtesten Lehrer, fragwürdige Erziehungsmethoden, Streiche, entstandene Freundschaften oder Erinnerungen an die Einschulung beispielsweise. Beim diesjährigen Klassentreffen der christlichen Gemeinschaftsschule Bochum-Querenburg (später Waldschule) kam aber ein neues Thema auf den Tisch: „Kurz nach unserer Einschulung 1950 gab es ein Thema, welches an die jetzige Zeit erinnert“, sagt Herbert Flasche. Denn auf der Toilette hätten über mehrere Wochen Schüsseln, die mit Desinfektionsmittel gefüllt waren, gestanden. „Wir mussten uns nach dem Toilettengang die Hände damit desinfizieren. Der Grund war, dass die Kinderlähmung umherging und Kinder schwer erkrankten und auch daran nicht selten gestorben sind“, erklärt Flasche.

Auch Margarete Lauer weiß das noch: „Die Ferien wurden sogar von sechs auf acht Wochen verlängert. Ich habe sie in Hamburg verbracht.“ Auch wenn all das nunmehr 70 Jahre her ist: Die Erinnerungen der einstigen Klassenkameraden sind noch frisch: „Ich sehe noch das tolle Schwimmbad vor mir“, sagt Wulf Stoßberg.

Foto hilft bei der Erinnerung

Die Waldschule sei der erste Schulneubau nach dem zweiten Weltkrieg gewesen – mit Werkstatt, Küche und Schwimmbad. Flasche hilft ein Foto immer wieder dabei, sich an diese Zeit zu erinnern „Auf meinem einzigen Bild stehe ich mit der Schultüte mit wenig Inhalt. Gekleidet war ich mit Jacke, kurzer Hose, gestrickten langen Strümpfen und Schirmmütze“, erinnert er sich. Aus einem Ledertornister sei der von Oma gehäkelte Putzlappen für die Schiefertafel herausgewedelt.

Auch der Kanonenofen im Klassenzimmer, der Satz „Bis morgen schreibst du 100 Mal..“, der alte Speise-Lkw vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) oder der Lieblingslehrer Walter Vietor sind den früheren Schulkameraden noch präsent.

Teilnehmerzahl schrumpft

„Wir haben die Erinnerungen aber auch durch über zehn Treffen bewusst wachgehalten“, sagt Flasche. Dabei habe man sich nicht nur – wie anlässlich des 70. Jubiläums – im Restaurant zum Quatschen getroffen, sondern auch gemeinsam die Schule besichtigt oder Filme aus den 50ern geschaut. „Leider kommen immer weniger“, bedauert Gernot Grimm.

Teilweise hätte die Klasse 60 Schülerinnen und Schüler gezählt – ins Restaurant „Vitrine“ kamen am Freitag (9.) zwölf von ihnen. „Manche sind verstorben, andere bis nach Bayern gezogen“, erklärt Grimm. Die Coronakrise habe nach ursprünglich 25 Zusagen Weitere ferngehalten. Doch für die Waldschüler steht fest: Sie treffen sich auch im nächsten Jahr.

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