Preisverleihung

Bochumer Theaterpreis steht ganz im Zeichen des Abschieds

Gerührt – und auch ziemlich nachdenklich: Schauspieler Günter Alt blickt in seiner Dankesrede auf seine Jahre an der Königsallee zurück, von denen offenkundig nicht alle nur glückliche waren.

Gerührt – und auch ziemlich nachdenklich: Schauspieler Günter Alt blickt in seiner Dankesrede auf seine Jahre an der Königsallee zurück, von denen offenkundig nicht alle nur glückliche waren.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Neben aller Feierlaune gibt es bei der Preisverleihung in den Kammerspielen auch nachdenkliche Töne. Stehende Ovationen fürs scheidende Ensemble.

Bewegende Szenen spielen sich bei der Verleihung des Bochumer Theaterpreises am Sonntagmittag in den gut besuchten Kammerspielen ab. Die Schauspieler Günter Alt (in der Sparte Arrivierte) und Raphaela Möst (Nachwuchs) erhalten den mit jeweils 3000 Euro dotierten Preis, den der Freundeskreis des Schauspielhauses vergibt. Die Freude bei den Geehrten ist groß, erneut scheint die Entscheidung der Fachjury im Vorfeld nicht durchgesickert zu sein.

Und doch: Die Matinee steht ganz im Zeichen des nahenden Abschieds und des kurz bevor stehenden Intendantenwechsels. „Sieben Jahre lang hat uns dieses Ensemble gefesselt und aufgerüttelt“, sagt der Vorsitzende des Freundeskreises, Hans Joachim Salmen. „Da möchte man rufen: Verweile doch, du bist so schön.“

Nur drei Schauspieler werden übernommen

Dass jedoch nur drei der 29 Schauspieler aus dem scheidenden Ensemble unter Leitung von Johan Simons übernommen werden, bezeichnet Salmen in dieser „Dankes- und Trauerstunde“ als ungemein schade. „Bei uns allen bluten die Herzen, denn wir müssen das schönste Theater der Welt verlassen“, sagt der sichtlich gerührte Interims-Intendant Olaf Kröck. „Aber es geht uns gut, und viele von uns haben eine gute Perspektive auch außerhalb Bochums.“ Unter stehenden Ovationen wird dem kompletten Ensemble gedankt: Immerhin 15 von ihnen haben Zeit und Muße, bei der Preisverleihung auf die Bühne zu kommen.

Dass es diesmal (anders als sonst üblich) keine Nominierten gibt, ist eine faire Geste des Freundeskreises. So muss in der Stunde des Abschieds niemand als „Verlierer“ vom Platz schleichen. Die völlig verdutzte Raphaela Möst hat mit ihrer Ehrung offenbar nicht gerechnet, dabei hat sie in den letzten zwei Jahren nicht selten mit irrwitziger Wandlungsfähigkeit überzeugt und bezaubert. Dramaturg Sascha Kölzow bezeichnet sich in seiner Laudatio dann auch gern als „Fan und Bewunderer“ von Möst’ Schauspielkunst, während Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer eine gewitzte Videobotschaft schickt. „Ich hab ihr mal gesagt: Spiel eine Handy-App“, sagt er lächelnd. „Und sofort war sie dazu in der Lage.“

Alt hält anrührende Dankesrede

Ihren Kollegen Günter Alt bezeichnet Olaf Kröck als „echten Bauchschauspieler“ und erinnert an seinen fulminanten Auftritt im fast schon legendären grünen T-Shirt in dem Liederabend „Bochum“. „Wenn er ‘Flugzeuge im Bauch’ sang, dann ist es mir kalt den Rücken runter gelaufen.“

In seiner anrührenden Dankesrede, bei der nicht wenige im Saal kräftig schlucken müssen, gibt Günter Alt überraschend offene Einblicke in seine eigene, verletzliche Künstlerseele. Ohne Namen zu nennen, berichtet Alt von schwierigen Jahren, die am Theater hinter ihm liegen würden. „Das war Mobbing“, sagt er.

Erst die Proben zur Wiederaufnahme von „Drei Männer im Schnee“ hätten ihn aus dem tiefen Tal befreit. „Seither habe ich 48 Kilo abgenommen“, so Alt. „Ich habe nur mich und meinen Körper – und das Gefühl, dass das Leben nur dann Sinn macht, wenn ich auf der Bühne stehen und spielen darf .“ Riesiger Jubel.

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