Gastronomie

Bochumer Szene-Café Orlando schließt nach 20 Jahren

Philipp Bendehat das Orlando im Jahr 2013 übernommen. 1998 wurde das Szene-Café in Bochum-Ehrenfeld eröffnet und schließt nun nach genau 20 Jahren.

Foto: Ingo Otto

Philipp Bendehat das Orlando im Jahr 2013 übernommen. 1998 wurde das Szene-Café in Bochum-Ehrenfeld eröffnet und schließt nun nach genau 20 Jahren. Foto: Ingo Otto

Bochum.   Die Gastronomie im Ehrenfeld war das erste schwul-lesbisch orientierte Café in Bochum. Immobilienbesitzer der Livingroom GmbH planen neues Lokal.

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Das Orlando brachte Ende der neunziger Jahre den Stein im Ehrenfeld ins Rollen. Jetzt stellt das Szene-Café die Stühle hoch. Mitte Februar verabschiedet sich Inhaber Philipp Bendel von seiner Arbeitsstätte und schließt das Orlando.

Die gemütliche Gastronomie nahe am Schauspielhaus war nicht nur das erste Lokal, das besonders homosexuellen Menschen einen Begegnungsort bieten sollte. Das Orlando war auch der Anstoß für ein quirliges Ehrenfeld, ohne das Bochum ein ganzes Stück langweiliger sein dürfte.

Pachtertrag für das Orlando ist ausgelaufen

Die Gründe für die Geschäftsaufgabe liegen laut Philipp Bendel vor allem in dem Ende des Pachtvertrages im Februar. Seit August 2017 gehört die Immobilie der Livingroom Gastronomie GmbH, die in Bochum bekannt ist durch das gleichnamige Lokal an der Luisenstraße, das Menü-Restaurant Five und das Wirtshaus Franz Ferdinand am Stadtpark.

„Die Vorstellungen, wie man den Vertrag verlängern hätte können, sind auseinandergedriftet. Das war dann aber auch vollkommen in Ordnung“, so Bendel. Er nutzt die Gelegenheit, sich neu zu orientieren.

Treffpunkt für homosexuelle Männer und Frauen

Der 31-Jährige hatte das Orlando 2013 von der langjährigen Geschäftsführerin und Mitgründerin Barbara Jessel übernommen. Mit drei Kollegen eröffnete Jessel im Februar 1998 die Gastronomie als Begegnungsstätte für Menschen aller Art. Das Konzept war es, homosexuellen Männern und Frauen einen Treffpunkt zu bieten und gleichzeitig Menschen mit verschiedensten Lebensmodellen zusammenzubringen.

„Das Orlando trug damals den Untertitel ,Raum zur Behebung alltäglicher Irritationen’“, so Jessel. Benannt nach der Romanfigur von Virginia Woolf, wurde das Orlando ein beliebter Treffpunkt für viele verschiedene tolerante Menschen. Zeitgleich eröffnete die jetzt schon seit Jahren leer gefegte Schwulenkneipe Cox und wenig später die seit einer Weile geschlossene Nachtbar Freibad, die ebenfalls den Fokus auf ein schwul-lesbisches Publikum legte.

Orlando könnte in etwas Neues verwandelt werden

Auf den ersten Blick könnte der Eindruck entstehen, das Ehrenfeld habe ein grundsätzliches Problem – auch das Alt Nürnberg steht seit Jahren leer. Doch die umliegenden Gastronomen etwa in der Butterbrotbar und der Eisdiele „I am Love“ bestätigen diese vage Vermutung nicht. Und während im ehemaligen Cox oder im Alt Nürnberg bis jetzt kein frischer Wind weht, könnte das Orlando schon bald in etwas Neues verwandelt werden.

„Wir sind der Meinung, dass dieser wunderschöne Standort als Gastronomie für das Viertel erhalten bleiben sollte. Wir sind offen für alle möglichen Ideen und freuen uns auf Interessenten. Sollten wir auf diesem Wege nicht zu einem erfolgversprechenden Ergebnis kommen, sind wir durchaus hochmotiviert, eigene Ideen umzusetzen“, so Seran Bahtijari und Lukas Rüger vom Livingroom. Doch gemach, gemach: Davor steht noch das Abschiedsfest für eine Szene-Institution, die mehr war als einfach nur eine Gastronomie.

>>> INFO: Abschiedsfest im Orlando

  • Am 20. Geburtstag des Orlando lädt Philipp Bendel am Samstag, 17. Februar, zu einem Abschiedsfest ein. Beginn ist um 18 Uhr.

  • In der darauffolgenden Woche findet in den Räumlichkeiten ein großer Ausverkauf des gesamten Inventars statt. „Wir werden den ganzen Keller leer räumen“, so Bendel.

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