Auszeit-Stiftung

Bochumer Stiftung muss neuen Standort für Wohnheim suchen

Eltern, die behinderte Kinder betreuen, soll mit einem Kurzzeit-Wohnheim in Bochum eine „Auszeit“ ermöglicht werden.

Eltern, die behinderte Kinder betreuen, soll mit einem Kurzzeit-Wohnheim in Bochum eine „Auszeit“ ermöglicht werden.

Foto: REUTERS

Bochum.  Für das „Auszeit“-Heim für behinderte Kinder in Bochum muss ein neuer Standort gesucht werden. Eine Anbindung an die Kinderklinik ist vom Tisch.

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Die Stiftung „Auszeit“ muss sich nach einem neuen Standort für ihr geplantes Kurzzeitwohnheim für behinderte Kinder umschauen. Das Katholische Klinikum Bochum erteilt dem Wunsch, das Heim an die Kinderklinik anzugliedern, eine endgültige Absage. An dem Projekt werde dennoch festgehalten, bekräftigt der Stiftungsvorstand.

Auszeit: Die haben viele Eltern nötig, die ihre schwerbehinderten Kinder daheim betreuen. „Auszeit“: So soll ein Wohnheim heißen, in dem die Jungen und Mädchen für bis zu zwei Wochen versorgt werden, damit Mutter und Vater durchatmen, Kraft tanken und Urlaub machen können. Der Bedarf sei immens, berichtet die „Auszeit“-Stiftung: „Allein im Ruhrgebiet gibt es 10.000 Kinder und Jugendliche, die behindert sind. Die Belastung der betroffenen Familien ist sehr groß.“

Wohnheim soll Versorgungslücke schließen

2016 gründete sich aus den Reihen der Elterninitiative „Menschen(s)kinder“ die Stiftung, die alsbald Rückhalt in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik (CDU-Bürgerpreis 2018, SPD-Landtagsabgeordnete Carina Gödecke als Schirmherrin) fand. Ihr Ziel: Die Versorgungslücke zu schließen und Unterstützer und Spender für das auf 3,5 Millionen Euro veranschlagte Projekt zu gewinnen.

Die Vorbereitungen seien weit vorangeschritten, heißt es in einem aktuellen Schreiben der Stiftung an die Mitglieder und Förderer. Mit den beiden Landschaftsverbänden als Kostenträger seien „die Weichen für die Kostenübernahme der Aufenthalte der Kinder gestellt“ worden. Der mögliche Betreiber steht bereits fest: Mit dem Franz-Sales-Haus, einer katholischen Einrichtung der Behindertenhilfe mit Sitz in Essen, wurde eine gemeinsame Trägergesellschaft gegründet.

Klinikum macht Platzgründe geltend

2021 war als Eröffnungsjahr ins Auge gefasst worden. Dieser Termin ist nunmehr höchst fraglich: Die – schon aus medizinischen Erwägungen naheliegende – Idee, das Wohnheim auf dem Gelände der Bochumer Kinderklinik anzumieten oder neu zu errichten, ist nach der jüngsten Absage des Katholischen Klinikums vom Tisch.

Auf WAZ-Anfrage erläutert das Katholische Klinikum den Rückzug. „Wir haben uns intensiv bemüht, das Gebäude auf dem Gelände des St.-Josef-Hospitals in direkter Nähe zur Universitätskinderklinik zu ermöglichen“, erklärt Sprecher Jürgen Frech. Die dazu notwendigen Grundstücksfragen inklusive der Grenzbebauung seien über längere Zeit u.a. mit dem Nachbarn, der LWL-Psychiatrie, erörtert worden. „Dabei hat sich gezeigt, dass das Gebäude aus Platzgründen zumindest an dieser Stelle nicht realisiert werden kann“, so das Katholische Klinikum. Das LWL-Klinikum bestätigt: Das Wohnheim hätte den eigenen Bedarfs- bzw. Entwicklungsplanungen „völlig entgegengestanden“. Letztlich sei es nicht gelungen, eine Lösung zu finden.

400 Quadratmeter werden benötigt

Das Katholische Klinikum bietet der Stiftung Hilfe bei der Suche nach einem neuen Standort an. Die sei in vollem Gange, berichtet Stiftungsvorstand Jochen Grothkop (77). Man sei nach wie vor „guten Mutes“, das Wohnheim zu realisieren: in einem bestehenden Gebäude oder in einem Neubau. 400 Quadratmeter werden für zunächst acht Kinder benötigt. Für Angebote sei die Stiftung dankbar.

Ein Aus für die „Auszeit“ sei keine Option, so Grothkop: der Kinder, ihrer Eltern und auch der bisherigen Spender wegen. Wie sehr ein Kurzzeitwohnheim benötigt werde, erfahre die Stiftung in zahlreichen Gesprächen u.a. mit Förderschulen sowie Anfragen interessierter Eltern. Erst kürzlich habe sich ein Vater eines behinderten Kindes gemeldet und gefragt: „Wann seid ihr endlich fertig?“

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