Pflege

Bochumer Start-up ist mit Pflege-Portal auf Erfolgskurs

Auf Erfolgskurs: (v.l.) Jörg Hediard, Tim Kahrmann und Thomas Wötzel haben mit „Pflegix“ eine bundesweit beachtete Pflege-Plattform etabliert. Das Interesse sowohl bei Pflegebedürftigen als auch bei Helfern ist groß.

Auf Erfolgskurs: (v.l.) Jörg Hediard, Tim Kahrmann und Thomas Wötzel haben mit „Pflegix“ eine bundesweit beachtete Pflege-Plattform etabliert. Das Interesse sowohl bei Pflegebedürftigen als auch bei Helfern ist groß.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Made in Bochum ist die Online-Plattform „Pflegix“. Sie bringt Pflegebedürftige und Helfer zusammen. Nun steigt ein Versicherungs-Multi ein.

Der Personalnotstand in der häuslichen Pflege nimmt zu. Eine junge Bochumer Firma hat keine Probleme, Arbeitskräfte zu finden. „Pflegix“ heißt der Dienstleister an der Kortumstraße, der mit einem digitalen Marktplatz so erfolgreich ist, dass jetzt ein Tochterunternehmen der Generali-Versicherungsgruppe als Investor gewonnen wurde.

Geboren war „Pflegix“

Es war ein Schock, der Tim Kahrmann zum Unternehmer werden ließ. Seine Mutter erlitt einen Schlaganfall. „Da fragt man sich: Wie soll es weitergehen?“, sagt der 37-Jährige. Als damaliger Geschäftsführer des Gründerzentrums der Uni Herdecke entwickelte Kahrmann 2016 mit Partnern eine Geschäftsidee: ein Onlineportal, das Menschen, die Hilfe benötigen, mit Menschen zusammenbringt, die diese Hilfe anbieten. Unbürokratisch. Fair bezahlt. Mit individuell geschlossenen Verträgen.

Geboren war „Pflegix“.

Wie groß der Bedarf ist, war den Jungunternehmern von Beginn an klar. 5000 Patienten und Familien suchen derzeit bei „Pflegix“ Hilfe; 1600 Einzelverträge sind bislang bundesweit zustande gekommen, berichtet Tim Kahrmann. Überraschender war die Resonanz bei den Arbeitskräften. Aktuell sind 11.525 Bewerber auf der Plattform registriert: Putz-, Einkaufs- und Haushaltshilfen, Pflegehelfer, Seniorenbetreuer, aber auch 20 Prozent examinierte Krankenpfleger für die Grundpflege. Wie eine solche Zahl angesichts des massiven Personalnotstands zu erklären ist? „Viele Arbeitnehmer wünschen sich eine neue, eigenverantwortliche Form der Pflege, in der ihre Vorstellungen vom Beruf besser umsetzbar sind als im vielerorts praktizierten Fließbandbetrieb“, sagt „Pflegix“-Assistent Jörg Hediard. Hinzu komme die Bezahlung: im Schnitt 14,50 Euro pro Stunde.

Professorin erkennt Zukunftsmodell

Dr. Tanja Segmüller, Professorin für Alterswissenschaften an der Hochschule für Gesundheit, erkennt in „Pflegix“ ein Zukunftsmodell. „Der Vorteil für Pflegekräfte ist, dass sie wie Mediziner oder Apotheker eine Selbstständigkeit leben können. Das wird künftig häufiger so sein.“ Derweil könnten sich Pflegebedürftige und ihre Familie „die Pflege so zusammenbasteln, wie sie es gerade brauchen“.

Überzeugt von der Plattform ist auch die Generali-Tochter Europ Assistence Group mit weltweit 7500 Mitarbeitern. Mit einer – nicht bezifferten – Investition stieg der Versicherungs-Multi jetzt bei den Bochumern ein. Tim Kahrmann: „Damit ist unsere Arbeit für die nächsten Jahre gesichert.“

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