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Bochumer Stabsstelle Flüchtlinge wird bald aufgelöst

Die Leichtbauhallen an der Kollegstraße werden als Notunterkünfte vorgehalten. 300 Plätze stehen dort zur Verfügung.

Die Leichtbauhallen an der Kollegstraße werden als Notunterkünfte vorgehalten. 300 Plätze stehen dort zur Verfügung.

Foto: Hans Blossey

Bochum.  Positiv fällt die Bilanz der Verwaltung in Sachen Flüchtlingsunterbringung aus. Die nächste große Herausforderung wartet aber schon.

Die vor einem Jahr eingerichtete zentrale Stabsstelle zur Koordinierung der Flüchtlingsbetreuung wird aufgelöst. Ihr Leiter Dirk Hagebölling wird eine neue, beim Rechtsamt angesiedelte Stabsstelle übernehmen, die sich mit Fragen des Katastrophen- und Zivilschutzes beschäftigen soll. Dabei soll er seine Erfahrungen einbringen, Informations- und Managementsysteme aufzubauen. „Wir wollen für möglichst viele Eventualitäten gewappnet sein“, sagt Oberbürgerbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD). Zuvor habe Bochum nämlich die Erfahrung gemacht, so Hagebölling, als Großstadt bislang nicht auf alles vorbereitet zu sein.

Insgesamt 5618 geflüchtete Menschen hatte die Bezirksregierung Arnsberg zwischen Januar 2015 und Anfang Dezember 2016 nach Bochum geschickt, in Spitzenzeiten waren es fast 700 Menschen in einem Monat (Grafik). „Das hat uns vor riesige logistische Herausforderungen gestellt“, gesteht Stadtdirektor Michael Townsend, dessen Funktion als Flüchtlingskoordinator ebenfalls Ende Februar 2017 enden wird.

Die Bilanz der Stadtverwaltung in Sachen Flüchtlingsaufnahme und -unterbringen fällt nach zwei Jahren insgesamt positiv aus. „Ich finde Bochum hat das gut gemacht“, so Townsend. „Wir haben alle Aufgaben gelöst, die lösbar waren.“ Daran hätten auch die ehrenamtliche Helfer einen großen Anteil.

Echte Herausforderung

Nachdem es bislang vor allem darum ging, Unterkünfte bereitzustellen, unter anderem an drei Standorten für Leichtbauhallen für 1120 Personen und vier Standorten mit Modulbauten (900), sowie Verpflegung und medizinische Versorgung bereitzustellen, steht jetzt die „echte Herausforderung“ bevor, so Oberbürgermeister Eiskirch, nämlich die Integration der Flüchtlinge.

Anfang 2017 will die Verwaltung vorstellen, wie sie diese Aufgabe bewältigen will. Aktuell leben 3841 Frauen, Männer und Kinder aus Dutzenden unterschiedlichen Ländern in der Stadt. 1500 Kinder besuchen die Schulen.

Noch 800 Plätze in der Hinterhand

Sollte es eine neuerliche Zuweisung von Menschen in größerem Ausmaß kommen, sieht sich die Verwaltung dafür gewappnet. 300 Personen können kurzfristig in Leichtbauhallen an der Kollegstraße untergebracht werden, weitere 250 in der derzeit geschlossenen Erstaufnahmeeinrichtung BEA am Harpener Feld, die erst bei monatlichen Zuweisungen von mindestens 50 Flüchtlingen wieder geöffnet werden soll. Beides, so Dirk Hagebölling, seien allerdings Notunterkünfte. Dazu werden auch noch weitere 800, derzeit nicht genutzte Plätze vorgehalten.

„Wir würden nie wieder so kalt erwischt“, ist Flüchtlingskoordinator Townsend überzeugt. Es gebe jetzt eine Struktur, sowohl was geeignete Flächen für Unterkünfte, ihre gerechte Verteilung in den einzelnen Bezirken und eine geeignete Struktur in der Verwaltung betreffe.

>> Kommentar: Die Zwischenbilanz stimmt

Beamten-Bashing, wie es Neudeutsch heißt, also Beamten-Beschimpfung und mit ihr die kollektive Mäkelei an allem was eine Stadtverwaltung leistet – oder vermeintlich eben nicht leistet – hat Tradition. Frei nach dem Motto „immer feste druff“, die können es sowieso nicht.

Kritik hat es in den vergangenen Monaten an der Bochumer Stadtverwaltung auch für die Flüchtlingsaufnahme und -betreuung gegeben. Erst war es die mangelhafte Koordinierung der ehrenamtlichen Hilfsangebote, dann die bisweilen undurchsichtige Suche nach Standorten für Unterkünfte und schließlich die Vergabe von Aufträgen für die Sicherheitsleistungen.

Die Kritik war berechtigt. Und doch eben auch nur ein Teil des buchstäblich großen Ganzen, das unter dem Strich als geglückt betrachtet werden darf. Für Tausende Menschen Unterkünfte zu schaffen, sie mit Lebensmitteln und medizinischer Hilfe zu versorgen, zu registrieren und ihre Integration auf dem Weg zu bringen, schüttelt keine Verwaltung mal eben aus dem Ärmel. Die Bochumer hat es – mit tatkräftiger Hilfe vieler anderer Stellen, mit großem ehrenamtlichen Engagement und mit Steuergeldern geschafft. Das ist gut. Aber auch nur ein Etappenziel. Die Integration der Flüchtlinge ist eine noch viel größere Herausforderung. Die indes geht nicht nur die Stadtverwaltung an, sondern uns alle.

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