Kontakte knüpfen

Bochumer Sprach-Café verbindet Deutsche und Geflüchtete

Mohamad Anif, Abdul Hakim und Abbach Rajai (v. l.) bekommen von Stephanie Kühn (2. v. r.) Deutsch beigebracht. Um sich zu verständigen, kommuniziert die Gruppe auch mit.

Mohamad Anif, Abdul Hakim und Abbach Rajai (v. l.) bekommen von Stephanie Kühn (2. v. r.) Deutsch beigebracht. Um sich zu verständigen, kommuniziert die Gruppe auch mit.

Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.   Im Café Tandem bringen sich Deutsche und Geflüchtete bei Kaffee und Kuchen gegenseitig ihren Wortschatz bei. Der Spaß steht im Mittelpunkt.

Eine kleine Gruppe aus drei geflüchteten Männern und einer deutschen Frau sitzen zusammen an einem Tisch und unterhalten sich. Auf persisch und auf deutsch. Das vor ihnen liegende Wörterbuch ist Nebensache, gelernt wird im Gespräch.

Das ist das Konzept vom „Sprachcafé Tandem“, das seit März 2017 in einem Raum an der Rottstraße 30 trifft. Das Café wird von den Organisationen Refugee Strike, World Beat Club, der Migranten-Selbstorganisation DIDF und dem „Café lysA“ ermöglicht.

Hilfe auch bei Bewerbungen

Es treffen sich dort montags 30 Flüchtlinge und Einheimische, um sich bei Kaffee und Kuchen zu unterhalten. Jeder kann Hausaufgaben, die er im Sprachkurs bekommen hat, mitbringen und sich helfen lassen. Auch bei Bewerbungen wird den Geflüchteten geholfen.

Abbah Rajai (19) kommt fast jede Woche. Er stammt aus Afghanistan und hat im Sprachcafé bereits viele deutsche Begriffe gelernt. Er und seine Gruppe sind Stammgäste im Café Tandem. Stephanie Kühn gehört dazu, sie sagt: „Ich mag die persische Sprache und habe viele Freunde, die sie sprechen. Deshalb komme ich gern her.“ Sie ist Deutsche und hat Persisch an einer Volkshochschule gelernt.

Momentan kommen allerdings noch mehr Geflüchtete als Deutsche. Das, hoffen die Organisationen, ändert sich noch. Denn das Projekt soll nicht nur für Flüchtlinge sein. „Es ist ein Miteinander. Jeder soll vom anderen lernen können“, betont Meri Pecenkovic vom World Beat Club.

Gemeinsames Mittagessen am Samstag

Es sind schon viele Freundschaften entstanden, und durch die vielen Projekte und Gemeinschaftsaktivitäten, die von DIDF organisiert werden, können sich die Teilnehmer oft treffen. Die Arbeit des World Beat Club und der anderen Organisationen ist komplett ehrenamtlich. Es sind gemeinnützige Vereine, die auch andere Projekte, wie das Lunch + umsetzen. Hier sitzen einmal im Monat samstags alle zusammen, um gemeinsam zu Mittag zu essen. Auch Trommelprojekte oder Konzertbesuche werden angeboten, um das Miteinander zu fördern.

Doch der World Beat Club setzt sich auch dafür ein, dass Familien in Deutschland bleiben können. Es sollte vor ein paar Jahren eine albanische Familie wieder in ihr Heimatland abgeschoben werden, berichtet Meri Pecenkovic. Jedoch lernten sie schon deutsch, die Eltern hatten einen Ausbildungsplatz, und ihr Kind ging bereits in den Kindergarten.

Viele Ideen warten auf Umsetzung

Deshalb machte sich der Verein für die Familie stark und schaffte es, Pässe und eine Wohnung zu besorgen, um in Deutschland bleiben zu können. Sie haben heute noch Kontakt, die Familie kommt regelmäßig zum Sprachcafé Tandem. Pecenkovic sagt: „Natürlich wollen wir noch mehr machen. Wir haben schon viele Ideen, die in Zukunft aber noch umgesetzt werden müssen.“

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