Festnahmen

Bochumer soll Terrorgruppe „Oldschool Society“ angehören

Unscheinbar wirkt das Haus, in dem am Morgen der Zugriff durch Spezialeinsatzkräfte der Bundespolizei erfolgte, von außen.

Unscheinbar wirkt das Haus, in dem am Morgen der Zugriff durch Spezialeinsatzkräfte der Bundespolizei erfolgte, von außen.

Bochum/Düsseldorf.   Spezialeinsatzkräfte der Bundespolizei haben in Bochum einen 47-Jährigen festgenommen. Der Mann soll zu einer rechten terroristischen Gruppe gehören.

Unter den am Mittwoch von Spezialeinsatzkräften der Bundespolizei festgenommenen mutmaßlichen Rechtsterroristen ist der Bochumer Olaf O. (47). Der NRW-Verfassungsschutz habe ihn als führendes Mitglied der unter Terrorverdacht stehenden „Oldschool Society“ (OSS) seit November 2014 im Visier, teilte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Mittwoch mit. Es bestehe der Verdacht der Gründung und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Die Polizei habe deshalb am Mittwoch in Bochum-Wattenscheid eine Wohnung durchsucht. O. wurde festgenommen.

Spezialeinsatzkräfte stürmten um 3.15 Uhr morgens

Der Zugriff erfolgte um 3.15 Uhr am Morgen - in einem mehrstöckigen Haus im südlichen Teil der Parkstraße, dort, wo sie nicht mehr ganz so gutbürgerlich ist. Nachbarn berichteten, dass Spezialeinsatzkräfte zunächst die Glasscheibe der Wohnungstür von O. in der ersten Etage eingeschlagen haben. Dann stürmten sie die Wohnung. "Muss das sein?", soll O. da noch gebrüllt haben. Nach der Festnahme sicherten die Beamten Beweismaterial und trugen es kistenweise aus dem Haus.

Als freundlich und hilfsbereit beschreiben die Nachbarn den 47-Jährigen, der seit drei Jahren in dem Haus unweit des Stadtgarten wohnen soll. Arbeitslos sei er gewesen, habe sich aber bemüht, einen Job zu finden. Am 1. Mai, dem Tag, an dem bundesweit Rechte Stimmung machten, soll er heiser nach Hause gekommen sein, weil er nach eigenen Angaben "so laut geschrien" habe. Abfällige Worte über Ausländer seien schon mal gefallen, berichteten die Nachbarn. Zwischen O. und der dunkelhäutigen Familie, die im Haus über ihm wohnte, habe es aber keine Probleme gegeben. Bei einer Nachbarin hat sich der 47-Jährige kurz vor der Festnahme noch zehn Euro geliehen. Sie wird das Geld wohl in nächster Zeit genau so wenig wiedersehen wie ihren Nachbarn.

Die OSS habe sich nach aktuellem Stand der Ermittlungen zum Ziel gesetzt, innerhalb Deutschlands Anschläge auf Moscheen, namhafte Salafisten und Asylbewerberunterkünfte zu verüben, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger. „Das heutige bundesweite Vorgehen gegen Rechtsextremisten ist das Ergebnis der guten Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden“, lobte Jäger. Es sei rechtzeitig und entschlossen gegen den „braunen Sumpf“ gehandelt worden.

Anschläge auf Moscheen und Asylbewerberheime geplant

Die Bundesanwaltschaft hat bei Razzien in mehreren Bundesländern am Mittwoch insgesamt vier mutmaßliche Rechtsextremisten festnehmen lassen. Die drei Männer und eine 22-jährige Frau stehen in dem dringenden Verdacht, gemeinsam mit anderen spätestens im November 2014 die rechtsterroristische Vereinigung „Oldschool Society“ (OSS) gegründet zu haben. Zwei der Beschuldigten, ein 56-jähriger und ein 39-jähriger, sollen Rädelsführer der Gruppe gewesen sein.

An dem Einsatz am Mittwochmorgen waren insgesamt etwa 250 Beamte des Bundeskriminalamts, der Bundespolizei sowie der Polizeibehörden der betroffenen Bundesländer beteiligt. Bei den Durchsuchungen wurden nach Angaben der Bundesanwaltschaft pyrotechnische Gegenstände mit großer Sprengkraft sowie weitere Beweismittel sichergestellt.

Im Internet bezeichnet sich die OSS als „Verbindung gleichgesinnter Menschen, die die deutsche Kultur und ihre Werte leben“. Das Logo der Gruppierung zeigt einen Totenkopf mit zwei blutverschmierten Fleischerbeilen. Auf der Facebook-Seite der Gruppierung finden sich etwas mehr als 3000 „Likes“. Der erste Eintrag dort stammt aus dem September 2014. Die ersten Einträge vermitteln den Eindruck, dass sich die Gruppierung aus dem Kreis von Hogesa-Aktivisten bildete. Fotos zeigen „OSS“-Anhänger auch als Teilnehmer bei einer Neonazi-Demo in Dortmund. (mike/dpa)

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