Kolpinghaus

Bochumer Senioren kochen für Obdachlose und Bedürftige

Gertrud Schade, Waldemar Szislowski, Christa Hillebrand, Wolfgang Kuhlmann und Brigitte Lange (v. l.) bereiten ein Abendessen für Bedürftige vor.

Gertrud Schade, Waldemar Szislowski, Christa Hillebrand, Wolfgang Kuhlmann und Brigitte Lange (v. l.) bereiten ein Abendessen für Bedürftige vor.

Foto: Dietmar Wäsche

Mitte.  Bereits zum zweiten Mal kamen über dreißig Gäste ins Kolpinghaus in Bochum, um bei einer warmen Mahlzeit einen gemeinsamen Abend zu verbringen.

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Eine Bayerische Bratwurst-Senf-Suppe und ein selbstgemachter Nudelsalat gehören zum Menü des Abends. Seit 16 Uhr sind die Mitglieder der Kochgruppe des St. Marienstifts fleißig dabei, Gemüse zu schneiden und „Küchenchef“ Waldemar Szislowski beim Kochen zu helfen.

„Es wird sehr lecker“, sagt der Betreuer, der gerade letzte Vorbereitungen in der kleinen Küche im Kolpinghaus trifft. Nebenan warten die Bewohner schon ungeduldig aufs Essen – und natürlich auf die Gäste. Denn das Menü soll hier heute gar nicht im Vordergrund stehen, den meisten geht es um Geselligkeit. „Einfach mal andere Köpfe sehen“, sagt ein älterer Herr, der in einem der Zimmer im Kolpinghaus wohnt.

Die Rente reicht nicht

Ein anderer Mann ist durch einen Flyer in der Suppenküche auf die Einladung aufmerksam geworden. Hier geht er regelmäßig frühstücken, weil er mit seiner Rente nicht über die Runden kommt. „Ich hatte Zeit und suche Gesellschaft“, sagt er lächelnd.

Es ist bereits das zweite Mal, dass die Bewohner des St. Marienstifts eine warme Mahlzeit für Bedürftige zubereiten und zu einem gemeinsamen Dinner ins benachbarte Kolpinghaus einladen. Die Idee hatte Sabine Timmer, Geschäftsführerin im Kolpinghaus und Qualitätsmanagerin im St. Marienstift. „Da liegt es nahe, beide Einrichtungen miteinander zu verbinden. Im Oktober wurde die Aktion sehr gut angenommen“, so die 57-Jährige. „Die Leute, die vorbeikommen, sind einfach froh, eine warme Mahlzeit zu haben.“

Beratungsstellen informieren Bedürftige

Über dreißig Gäste haben sich diesmal angemeldet, die durch Flyer in der Suppenküche und verschiedenen Beratungsstellen der Stadt aufmerksam geworden sind. Oder durch Christiane Otto, die im Bekanntenkreis ordentlich Werbung gemacht hat.

Sie freue sich über neue Gesichter und gute Gespräche. „Ich finde es toll, was die Senioren hier auf die Beine stellen. Es ist schön, dass sie ermutigt werden, noch etwas für andere zu tun und dass sie sich so noch gebraucht fühlen.“

Jeden Freitag gemeinsam kochen

So wie Hannelore Peschel. Sie ist mit 103 Jahren die Älteste in der Kochgruppe und ein echtes „Gründungsmitglied“. Seit drei Jahren trifft sie sich jeden Freitagabend mit den anderen Mitgliedern, um gemeinsam Lieblingsrezepte auf den Teller zu bringen. „Einen schönen Braten und gutes Gemüse. Das habe ich schon immer gerne für meine Familie gekocht.“

Doch die Bratwurst-Senf-Suppe scheint ihr und den anderen auch gut zu schmecken, denn nach kurzer Zeit sind die meisten Teller leer. Der Abend ist aber noch jung: Es wird gemeinsam gelacht, geredet und das ein oder andere Volkslied angestimmt.

Initiatorin Timmer wirkt zufrieden. „Das letzte Mal waren wir hier erst nach elf raus“, sagt die 57-Jährige. „Außer Frau Peschel, die ist schon etwas eher gegangen. Aber mit über 100 darf man das – da hat man ein Sonderrecht!“

>>> INFO: Kolpinghaus bietet auch Wohnplätze


Seit dreißig Jahren nimmt das Kolpinghaus Wohnungslose auf. Neben dem normalen Hotelbetrieb bietet das Haus Platz für 52 Bewohner.

Das Haus ist momentan voll. Wer sich auf die Warteliste setzen lassen möchte, kann sich an der Rezeption melden (Maximilian-Kolbe-Straße 14-18) oder unter 0234/ 601 90.

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