Bebauung

Bochumer sehen alte Eichen durch Neubaugebiet in Gefahr

Diese Eichen sollen laut aktueller Planung für das Neubaugebiet Charlottenstraße in Bochum-Wiemelhausen größtenteils umbaut werden.   

Diese Eichen sollen laut aktueller Planung für das Neubaugebiet Charlottenstraße in Bochum-Wiemelhausen größtenteils umbaut werden.   

Foto: SS

Bochum-Wiemelhausen.  Neue Häuser sollen an der Charlottenstraße in Bochum-Wiemelhausen gebaut werden. Anwohner und Naturschützer sehen dadurch drei Eichen gefährdet.

Viele Familien, die auf Häuser-Suche sind, freuen sich über ein weiteres Neubaugebiet an der Charlottenstraße in Bochum - Wiemelhausen . Aber es gibt auch kritische Stimmen. Einige Anwohner und Naturschützer erheben Einwände gegen die Planungen und machen jetzt auch über eine Petition im Internet dagegen mobil.

Neubaugebiet an der Charlottenstraße in Wiemelhausen stößt auch auf Kritik

Denn der Schutz der Natur spielt aus deren Sicht bei den Bauplänen eine zu sehr untergeordnete Rolle. Sorgen bereitet vor allem eine Eichengruppe, die als Naturdenkmal unter Schutz steht. Laut Stadt werden die Bäume in die Planung integriert. Nach Meinung der Naturschützer und einiger Anwohner aber zu sehr.

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„Die ursprünglichen Pläne sahen vor, dass nur von vorne an die Eichen herangebaut wird“, sagt Sandra Schulte, die mit ihrer Familie an der benachbarten Baumhofstraße wohnt und besten Blick auf das Grün hat, das bald überbaut werden soll. „Jetzt allerdings sieht die Planung vor, dass um die Bäume herum gebaut wird und alles mit Häusern und Straße versiegelt wird.“

Diese Tendenz kritisiert auch Heidi Hopkins, die jahrelange Vorsitzende des Naturschutzbeirates der Stadt. „Die drei Häuser links von den Bäumen und das darüber müssen weg“, fordert sie und moniert zudem, dass die Zufahrtsstraße zu diesem Teil des Neubaugebietes über das Wurzelwerk der Eichen führe. Hopkins: „Das grüne Umfeld der Eichen muss erhalten bleiben, es muss als Einheit mit den Bäumen gesehen werden.“

Kritik: Klimawandel nicht ausreichend berücksichtigt

Heidi Hopkins sieht ebenso wie einige der Anwohner den Klimawandel in der Planung nicht ausreichend berücksichtigt. „Die Häuser entlang der Charlottenstraße, parallel zur Königsallee, bilden in der jetzt vorgesehenen Bauweise einen Riegel, der die Frischluftzufuhr unterbricht.“ Ohnehin sähe sie das Grün dort grundsätzlich lieber erhalten. „Die Leute sitzen wegen Corona doch zunehmend zu Hause und benötigen Erholungsgebiete wie dieses hier.“ Doch das würde mit der Bebauung dann wegfallen.

Heidi Hopkins weiß, dass die Planung des Neubaugebietes zum jetzigen Stand noch nicht endgültig ist. „Aber er ist durchaus schon weit ausgearbeitet.“ Das sehen auch die Anwohner um Sandra Schulte und Nachbarin Gudrun Scholz-Klein so. „Deshalb wollen wir nun alle Kanäle nutzen, um unseren Protest kundzutun.“

Natürlich auch auf dem rechtlichen Weg, in dem sie der Stadtverwaltung offiziell ihre Einwände schicken. Aber auch übers Internet, indem sie dort eine Petition gestartet haben. In der Hoffnung, dass möglichst viele Menschen ihr Anliegen unterstützen.

„Ja, wir benötigen Wohnraum“, zeigt Gudrun Scholz-Klein Verständnis dafür, dass gebaut werden muss, „aber bitte, ohne die Natur so zu zerstören.“ Die Anwohner machen sich längst nicht nur Sorgen um die drei Eichen, sondern auch um die Tierwelt. Verschiedene Vogelsorten seien hier angesiedelt, Mäusebussard, Falken, Kauz und Eulen. Auch Fledermäuse und bedrohte Vogelarten wie Kohlmeisen, Blaumeisen und Spatzen. Heimisch seien zudem Rehe und Dachse.

All diese Tiere würden durch die Bebauung vertrieben bzw. durch den zu erwartenden Lichtsmog in der Erholungsphase und Nachtruhe beeinträchtigt. Die Versiegelung der Fläche würde das ökologische Gleichgewicht stören, somit seien weitere Umweltschäden zu erwarten.

Auch der zusätzliche Verkehr werde zum Problem, prognostizieren die Bebauungs-Gegner. „Es ist zu Stoßzeiten schon jetzt kaum möglich, aus der Baumhofstraße nach links auf die Markstraße zu biegen“, weiß Sandra Schulte aus täglicher Erfahrung.

Am Verfahren der Bürgerbeteiligung bedauert sie, dass es „keine Möglichkeit gab, gemeinsam den Widerstand sicht- und hörbar zu machen“. Durch das coronabedingte Entzerren in zwei dreistündigen Info-Veranstaltungen, bei denen man in kleinen Gruppen mit den Vertretern der Fachämter ins Gespräch kommen konnte, habe man nicht gemeinsam die Stimme erheben können – „so wie es bei einer Podiumsveranstaltung möglich gewesen wäre.“

An der Charlottenstraße sind sieben Einfamilienhäuser, fünf Doppelhäuser und fünf Mehrfamilienhäuser vorgesehen, die Wohnraum für für bis zu 45 Familien bringen sollen. Wer sich an der Online-Petition beteiligen möchte, findet diese unter openpetition.de/!xcjhw .

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