Kemnader See

Bochumer See- und Hafenfest hat „noch Luft nach oben“

Entspannung beim Hafenfest: Mareen, Leni, Silke und Tala (v.l.) sitzen auf der Festwiese.

Entspannung beim Hafenfest: Mareen, Leni, Silke und Tala (v.l.) sitzen auf der Festwiese.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Bochum.  Zum zweiten Mal startete das Hafenfest mit neuem Konzept. Das finden nicht alle gut. Der Veranstalter räumt ein, dass es „Luft nach oben gibt“.

Die Lederwaren werden am Samstagnachmittag schon wieder ins Auto geladen. Der Händler hat nichts verkauft und später soll es noch ein Gewitter geben. Die wenigen Händler, die den Wettervorhersagen zum Trotz ihre Stände aufgebaut haben, sind enttäuscht von dem See- und Hafenfest.

Neben den Unwetterwarnungen und fehlenden Attraktionen wie Live-Musik seien es auch die hohen Parkgebühren, die die Besucher abschrecken würden, glaubt eine Händlerin. Peter Weyers, dem ein Catering-Wagen gehört, sieht die wenigen Besucher am Samstag gelassen. Eigentlich bildeten sich vor seinem Wagen immer lange Schlangen. Heute sitzt er selbst auf der Bank vor dem Wagen und wartet auf Besucher. Es sei „ein bisschen wie Urlaub“. Weyers hofft aber darauf, dass Sonntag, am letzten Tag, viele Familien kommen.

„Ich bin sehr enttäuscht, das ist gar kein richtiges Fest, hier ist ja kaum was los“

Statt Pommes-Currywurst bieten die verschiedenen Foodtrucks dort kreative Gerichte wie Wildgarnelen-Pfanne und Backkartoffeln mit ausgefallenen Toppings an. Auch Veganer und Vegetarier finden ein abwechslungsreiches Angebot vor.

Trotz der kulinarischen Vielfalt sind viele Besucher unzufrieden mit dem neuen Konzept. „Ich bin sehr enttäuscht, das ist gar kein richtiges Fest, hier ist ja kaum was los“, sagt Ursula Starke. Sie kennt das See- und Hafenfest schon seit mehreren Jahren. Mit dem neuen „Streetfood“-Konzept kann sie nichts anfangen.

„Wir stehen hinter dem neuen Konzept“

Sie hätte lieber mehr Trödel- und Kunsthandwerk gesehen. Der Veranstaltungsleiter Frank Gerwers ist trotz allem zufrieden mit seinem Hafenfest: „Wir stehen hinter dem neuen Konzept.“ Gerwers will aus dem einst kirmesähnlichen Fest eine entschleunigte Veranstaltung machen. Menschen aus der Stadt sollen am Kemnader See bei Spezialitäten das Ambiente genießen und zur Ruhe kommen. Eine Bühne mit lauter Musik sei da nur hinderlich.

Kunsthandwerker hatten abgesagt

Zudem wolle der Veranstalter das Hafenfest von „Kemnade in Flammen“ abgrenzen: Es solle nicht länger ein „Beiwerk“ des großen Festivals sein. Auch der erhöhte CO2- Ausstoß, den eine solche Großveranstaltung mit sich bringt, solle vermieden werden.

Gerwers bedauert, dass die Kunsthandwerker am Samstag abgesagt hatten. Die Kritik einer Besucherin nimmt er gelassen. Sie beschwert sich über zu hohe Parkgebühren und fehlende Attraktionen für Kinder. „Natürlich ist noch Luft nach oben, aber man muss auch an seine Ideen glauben“, so Gerwers. Er überlegt, das Fest in Zukunft zu einem Weinfest weiterzuentwickeln. Um dem Wunsch nach Musik nachzukommen und trotzdem seinem Konzept der Entschleunigung treu zu bleiben, könnte er sich vorstellen, im nächsten Jahr Singer und Songwriter einzuladen.

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