WAZ öffnet Pforten

Bochumer schnuppert kernige Landluft mitten in der Großstadt

Das Füttern der Rinder zählte zu den Aufgaben, die WAZ-Leser Reinhard Müller auf dem Bauernhof Schulte-Schüren mit Bravour erledigte.

Das Füttern der Rinder zählte zu den Aufgaben, die WAZ-Leser Reinhard Müller auf dem Bauernhof Schulte-Schüren mit Bravour erledigte.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Bochum.  Einen Tag auf dem Bauernhof konnte ein Leser bei der Aktion „Die WAZ öffnet Pforten“ genießen. Rinder, Hühner, Traktor: Für alles war gesorgt.

„Wertvoller Tierbestand. Betreten für Unbefugte VERBOTEN“, warnen Hinweisschilder an den Stallungen. Reinhard Müller schert’s nicht die Bohne. Mit wohligem Lächeln packt er sich die Heugabel und sorgt für Futternachschub bei den Rindern, die – so scheint es – dankbar zurückblöken. Reinhard Müller darf das. Er genießt den Tag auf dem Bauernhof im Rahmen unserer Ferienaktion „Die WAZ öffnet Pforten“.

Erfahrungen machen und Eindrücke sammeln, die Otto Normalverbraucher gemeinhin vorenthalten bleiben: Das macht die WAZ auch in diesem Sommer möglich. Anders als bei den Gruppenführungen in den Vorjahren erhält diesmal aber jeweils nur ein Leser, eine Leserin die Chance, durch eine „Tür“ zu schreiten, die in der Regel verschlossen ist. So werden Aktionen machbar, die in Gruppenstärke nicht umsetzbar wären: ein Training beim VfL Bochum, ein Auftritt im Varieté et cetera, ein Cyber-Einsatz bei G-Data, eine Starlight-Show hinter den Kulissen oder ein Kartrennen mit einem Formel-3-Rennfahrer.

Neue Wege beim Direktverkauf

Reinhard Müller bewarb sich für den „Arbeitseinsatz“ auf dem Hof Schulte-Schüren. Der 66-Jährige wohnt ganz in der Nähe, in Stiepel-Dorf. Fast täglich fährt er an dem Bauernhof an der Kemnader Straße vorbei. „Aber hier war ich noch nie“, sagt Müller, der nach 40 Jahren beim städtischen Tiefbauamt seit Mai im Ruhestand ist.

Um 8 Uhr steht der WAZ-Leser auf der Matte. Voller Neugier. Voller Tatendrang. Guido Schulte-Schüren ist schon seit zwei Stunden auf den Beinen. Der 47-Jährige führt den Familienbetrieb mit Ehefrau Sabine in dritter Generation. Die Mutter kümmert sich um den Hofverkauf, bei dem Schulte-Schüren seit 2012 neue Wege geht. Eier, Kartoffeln, Hausmacherwurst, Milch (zugeliefert aus Waltrop) und mehr werden in Automaten verkauft: direkt auf dem Hof und in Stiepel-Dorf. Werbeslogan: „Regional + mittendrin“. „Läuft gut“, sagt der Landwirt und spricht von „überlebenswichtigen“ Einnahmen, die über die Direktvermarktung generiert werden.

Bei den Rindern riecht’s typisch kernig

Bei den Eiern hilft Reinhard Müller heute fleißig mit. Die 1000 Legehennen haben am frühen Morgen die Produktion aufgenommen. Faustregel: ein Ei pro Tier und Tag. Der WAZ-Leser hat alle Hände voll zu tun, um mit Guido Schulte-Schüren (Handy-Klingelton: ein herzergreifendes Kikeriki) die Eier einzusammeln und die Kartons und Automaten zu befüllen.

Weiter geht’s zu den Rindern. Im Stall riecht’s typisch kernig. Landluft mitten in der Großstadt. Herrlich! 100 Limousin-Rinder lauern aufs Frühstück. Reinhard Müller schafft mit der Heugabel reichlich Futter herbei. Auch das Stroh-Einstreuen zählt zu seinen Aufgaben. Der Spaß ist dem Neu-Bauern anzusehen. „So etwas“, sagt er und lacht, „erwartet man in Bochum ja gar nicht. Ich kenn das nur aus dem Urlaub.“

High-Tech-Trecker mit 135 Pferdestärken

Die Rindviecher sind versorgt. Ab aufs Feld. Hafer, Gersten, Weizen und Mais werden in Stiepel angebaut. Schulte-Schüren bangt wie viele Kollegen um die Ernte, die durch die Rekordhitze und lange Trockenheit wohl spärlich ausfällt. Normalerweise ist sein Hof ein Selbstversorger-Betrieb. „Aktuell müssen die Tiere aber zugefüttert werden.“

Der Weizen wartet. Reinhard Müller darf mit auf den Trecker klettern, der nur noch wenig mit den altbekannten Gefährten zu tun hat, die einem mitunter auf Landstraßen begegnen. 200.000 Euro teuer und 135 PS stark ist der High-Tech-Kraftprotz. Sogar eine Klimaanlage ist an Bord. „Das Ding fährt ja fast von selbst“, staunt Müller und wippt auf dem gefederten Fahrersitz.

Arbeitstag dauert im Sommer bis zu 16 Stunden

Die Sonne knallt, als der WAZ-Leser am Vormittag bei einem Kaffee Pause macht. Sein Feierabend naht. Für Guido Schulte-Schüren ist der Arbeitstag noch lange nicht vorbei. Bis zu 16 Stunden ist er jetzt im Sommer draußen. „Wir kennen’s nicht anders. Wir sind ja damit aufgewachsen.“

Reinhard Müller wird daran denken, wenn er demnächst wieder an dem Hof vorbeifährt.

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