Müllproblem

Bochumer rückt dem Müll auf dem Tippelsberg gewitzt zu Leibe

Reinhold Marsollek neben seinem bereits vierten Schild, das er geduldig auf dem Tippelsberg anbringt. Die vorherigen drei Schilder wurden Opfer von Vandalismus.

Reinhold Marsollek neben seinem bereits vierten Schild, das er geduldig auf dem Tippelsberg anbringt. Die vorherigen drei Schilder wurden Opfer von Vandalismus.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Bochum-Riemke.  Mit einem Schild will Reinhold Marsollek den Tippelsberg in Bochum sauber halten. Dreimal wurde es zerstört, doch Marsollek gibt nicht klein bei.

Rund ein halbes Jahr ist es her, seit WAZ-Leser Reinhold Marsollek dem Müll-Problem auf dem Tippelsberg in Bochum-Riemke mit sanften Mitteln den Kampf ansagte. Gerade an den Wochenenden ist der Aussichtspunkt mit dem majestätischen Blick bis Essen und Gelsenkirchen ein beliebter Party-Hotspot – und entsprechend reichhaltig sind hier oben die Hinterlassenschaften aus zerdepperten Flaschen, Chipstüten und Pizzakartons. Kein schöner Anblick, fand Marsollek, der dem unliebsamen Unrat mit einer einfachen, aber offenkundig effektiven Idee zu Leibe rückte: Er stellte einfach ein Schild auf.

„Vernünftige lassen keinen Müll oben. Anderen ist dies verboten“, malte er in großen Lettern auf das Holzschild und band es locker an einen Baum direkt neben dem „Gipfelkreuz“. Das war an Pfingstmontag, und seither hat sich laut Marsolleks Beobachtungen eine Menge getan.

„Das Gipfelplateau ist seitdem fast müllfrei geblieben“, stellt er freudig fest. Ob dies allein an seinem Schild oder auch an einem zusätzlichen Müllcontainer liegt, der seit Juli auf dem Tippelsberg steht, kann natürlich nicht genau gesagt werden. Auch die derzeit eher kühlere Jahreszeit dürfte ihren Teil dazu beitragen. Doch der pensionierte Lehrer glaubt durchaus, dass sein Schild seine Wirkung nicht verfehlt. Auch wenn es mittlerweile schon das vierte ist.

Geklaut, verbrannt, kaputt getreten

„Die anderen wurden geklaut, verbrannt oder kaputt getreten“, erzählt er. Wenn Marsollek seine tägliche Joggingrunde früh morgens auf dem Tippelsberg absolviert, findet er seine große Hinweistafel also nicht selten in Fetzen vor. Kein Problem für den findigen 66-Jährigen, der dann zu Hause einfach eine neue Holztafel anfertigt und sie hinauf auf den Berg bringt, wo er bereits einige Infoschreiben und mehrere Ausschnitte aus der WAZ über seine gewitzte Anti-Müll-Aktion an dem Baum befestigt hat. Das jüngste Schild steht hier seit dem 13. November und sieht noch ganz stabil aus.

Dabei ist Reinhold Marsollek niemand, der seinen Mitmenschen mit penetranten Mitteln auf den Geist gehen möchte. Eher mit sanftem Druck fordert er die Leute dazu auf, den Tippelsberg bitte sauberer zu halten. „Ich mache das niemals aggressiv, sondern bleibe immer freundlich“, betont er.

Stahl-Stelen von Graffiti befreit

Von kleineren Aufräumaktionen einmal abgesehen, räumt er den herumliegenden Müll auch nicht selber weg: „Neulich lagen hier 13 Glühweinflaschen direkt neben dem Container. Die habe ich dann entsorgt“, erzählt er. Auch die großen Stahl-Stelen, die oben auf dem Berg einen Blick auf die Kulturstätten in der Umgebung bieten, befreite er schon von zahllosen Graffiti, ohne große Probleme: „Einfach etwas Lösungsmittel drauf, und zack sind die wieder sauber.“

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„Sprechende Bank“ findet viel Anerkennung

Sein neues Herzensprojekt findet man ein paar Meter den Berg hinunter. Für eine „sprechende Bank“ übernahm er im Sommer gewissermaßen in Eigenregie die Patenschaft, nachdem die Bank (gestiftet von der Sparkasse) komplett zugewachsen und beschmiert war. „Warum meckern, einfach anpacken“, so seine Devise.

Marsollek schnitt die Bank frei, entfernte den Müll und legte neben einem Müllbeutel auch die „Verhaltensregeln“ mit auf die Bank. „Werter Gast, ich bin eine Bank zum Sitzen und nicht zum Bekritzeln“, lässt die Bank ihre jetzt Besucher wissen. Daneben liegt in einer Plastiktüte eine Art Bank-Tagebuch, in das sich jeder eintragen kann. Spaziergänger, Familien und frisch Verliebte haben hier schon ihre Gedanken hinterlassen. Die vielen Einträge sammelt Marsollek in mehreren Büchern und antwortet auch darauf.

Die Reaktionen sind beachtlich: „Eine unfassbar coole Idee“, schreibt etwa Maximilian. „Danke für so ein schönes Zeichen der Menschlichkeit in einer so unmenschlich scheinenden Zeit.“

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