Ausstellung

Bochumer Ping Pong Gallery erweist Kneipenkultur die Ehre

Blick auf die Theke im „Haus Fey“, inmitten die Wirtin Elfriede Fey.

Blick auf die Theke im „Haus Fey“, inmitten die Wirtin Elfriede Fey.

Foto: Hendrik Lietmann

Bochum.  Die Eckkneipe „Haus Fey“ steht im Mittelpunkt einer Ausstellung in Bochum. Sie verbindet die Erinnerung ans Gestern mit dem Zeitgeist von Heute.

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Elfriede Fey (79) ist ein Ruhrpott-Original, wie man es nur noch selten findet. Jetzt widmet die Ping Pong Gallery der stadtbekannten Wirtin eine Ausstellung. „Für immer und Elfriede“ heißt sie und versammelt Fotos von Hendrik Lietmann sowie Schaustücke aus Friedchens Kneipe „Haus Fey“. Es geht multimedial zur Sache, die Vergangenheit wird mit der Jetztzeit verknüpft.

Anlaufstelle für die Nachbarschaft

„Kneipenkultur“ ist ein Begriff, den „Trinkhalle“-Betreiber Tom Gawlig und Ulrike Kaßler als Kuratorin der im Tischtennisraum nebenan beheimateten Galerie hoch halten. Kneipenkultur im Ruhrgebiet, das bedeutet heutzutage allerdings ganz etwas anderes als früher, als die Schlote noch rauchten. Steht inzwischen in vielen Gaststuben der unterhaltsame Eventcharakter im Vordergrund, so waren die alten Ruhrpott-Eckkneipen wie das Haus Fey immer auch soziale Biotope in der Nachbarschaft, Anlaufstelle für Malocher, Muttis, Thekenturner und Weltverbesserer. Kneipenkultur: Das meint eben auch, dass der Mensch am Tresen nicht vom Bier allein lebt.

Eine Vermutung, die im Haus Fey, Hofsteder Straße 17, zur Gewissheit geworden ist. „Hier hat sich eine Patina jahrzehntelangen Wohlseins gebildet, deren spezielle Schönheit sich aus einer Vielzahl schwer zu fassender Beigaben speist, gepaart mit der Kunst einer Wirtin, aus der Theke einen lebendigen Organismus mit robustem Eigenleben zu erschaffen“ - so formuliert es Ulrike Kaßler.

Wie ein Wimmelbild

Ihr Ausstellungsprojekt will die Bedeutung und den Wert eines solchen Ortes der Geselligkeit, aber auch des Sozialen, Skurrilen und Nebensächlichen sichtbar zu machen. Es gelte, eine Bochumer Institution zu würdigen, „aber auch – vor dem Hintergrund, dass auch dem Haus Fey früher oder später das Verschwinden droht – auf die vom Untergang bedrohte Kultur der Eckkneipe zu verweisen“, so Ulrike Kaßler.

Hingucker der Ausstellung ist ein Tresenfoto, das die Besucher beim Hereinkommen quasi in die Kneipensituation aufnimmt. Da das Lokal selbst wie ein Wimmelbild wirkt mit seinen in 50 Jahren angesammelten Details, wurde nach einen speziellen künstlerischen Zugang gesucht. „Wir wollten den Fokus auf jene Dinge lenken, die stellvertretend für das Ganze stehen“, erläutert Ulrike Kaßler.

So kam Hendrik Lietmann die Idee mit dem Handscanner.

Neuer Kontext

Der Fotograf hat über 70 Motive der Kneipe – von den Schlitzen der Sparkästen bis zum Bierdeckel-Close Up – zusammengetragen und stellt sie aus. Außerdem wird Elfriedes Flaschenöffnersammlung präsentiert, und es gibt eine Audiostation mit O-Tönen von ihr.„Wir möchten den Wert dieses Ortes durch einen neuen Kontext sichtbar machen, indem wir die Kneipe in die Galerie holen“, sagt Ulrike Kaßler.

Passend, zumal an dieser Stelle. Denn die Trinkhalle mit der Ping Pong Gallery steht für eine Bar im Kortländer-Kiez, die zwar eine neue Kneipengeneration repräsentiert, aber dabei die Idee der guten, alten Eckkneipe stets mitdenkt.

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