Kirche

Bochumer Pfarrerin nimmt nach wechselvollen Jahren Abschied

Pfarrerin Ellen Strathmann-von Soosten, hier vor der Melanchthon-Kirche in Bochum-Wiemelhausen, nimmt ihren Abschied am Reformationstag. Sie wird künftig in Wuppertal wohnen.

Pfarrerin Ellen Strathmann-von Soosten, hier vor der Melanchthon-Kirche in Bochum-Wiemelhausen, nimmt ihren Abschied am Reformationstag. Sie wird künftig in Wuppertal wohnen.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum-Wiemelhausen.  Ellen Strathmann-von Soosten geht nach 29 Jahren als evangelische Pfarrerin in den Ruhestand. Zu Fuß betreute sie einen der größten Bezirke.

Mit 36 Jahren war sie die jüngste in dem Verbund der evangelischen Pfarrstellen mit ihren vier Predigtstätten in Bochu m-Querenburg 1991. Nun geht Pfarrerin Ellen Strathmann-von Soosten mit 65 am Reformationstag, 31. Oktober, in den Ruhestand, ist praktisch mitten im Umzug nach Wuppertal. Beim Rückblick auf die vielen, ungewöhnlichen Wechsel in dieser Zeit verliert sie ein warmes Lächeln nicht.

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Denn sie hat die Menschen in der Gemeinde so richtig als Fußgängerin erlebt, „als wir vor vier Jahren das Auto abgeschafft haben“. Von der Königsallee an der Melanchthonkirche bis hinunter zur Charlottenstraße in Brenschede reichte ihre Zuständigkeit, in einem Bezirk, der sich nicht einmal an kommunalpolitischen Grenzen orientierte.

Vier Predigtstätten rund um die Uni

Bei ihrem Antritt hatte ihr Vorgänger Friedrich Kratzer den Boden im Baumhofzentrum als einem der vier Bezirke in Querenburg „klug und gut vorbereitet, ich bin sehr herzlich empfangen worden“, erinnert sie sich. Das Gemeindegebiet rund um die Uni teilten sich Kratzer, Michael Wuschka an der Apostelkirche in Querenburg und Ulrich Kosfeld am Thomaszentrum. Die Pastorin musste die Geschichte und Entwicklung der Universitäts-Rahmenstadt erst einmal kennen lernen, aber empfand die Menschen gleich als „offen und innovativ eingestellt“.

Ende der 90er Jahre begann sich dann das allgemeine Schrumpfen der Gemeinde abzuzeichnen, Pfarrstellen und Bezirke wurden verändert oder gestrichen, „es kam schon bald die Frage auf, welche Häuser die Kirche retten konnte oder abgeben musste, die Veränderungen wurden fließend“, blickt sie zurück. 2006 wurde der Bezirk Baumhofzentrum umgepfarrt und der Petri-Kirchengemeinde zugeschlagen, naheliegend allein schon durch die evangelischen Gemeindeglieder im Kirchviertel.

Arbeit in einem neuen Team

Es begann ein kompliziertes Rechnen um eine halbe Pfarrstelle in Melanchthon und die beiden halben in Petri und im Baumhofzentrum, „da war praktisch eine halbe zu viel“, beschreibt sie. „Aber Melanchthon war schon spannend, war etwas ganz Neues, bot sich zur Gestaltung an mit einem Schwerpunkt im Bereich Kultur und einem A-Kirchenmusiker mit Ludwig Kaiser“, beschreibt die Geistliche.

Melanchthon und Petri rückten in der evangelischen Kirchengemeinde Wiemelhausen wieder zusammen, „dabei bildeten die von 1900 bis 1964 ja schon eine Gemeinde und mussten sich nur wieder neu anfreunden“, erzählt sie. Die Arbeit in einem Pfarrteam mit Eckhardt Loer (Weitmar-Mark) und Martin Röttger (Ehrenfeld) hat sie dort von Anfang an rundheraus als offen und belebend empfunden.

Pfarrstellen wieder verbunden

Die ganze Pfarrstelle in Petri sollte nach dem Abschied von Horst Grabski 2003 neu besetzt werden, als kommissarische Presbyteriums-Vorsitzende erlebte Ellen Strathmann-von Soosten diese Zeit, bis nach drei ergebnislosen Abstimmungen Dr. Peter Noss als Nachfolger bestimmt wurde. „Der hatte es schwer“, bedauert sie. Nach dessen Ausscheiden 2010 wurde die Pfarrstelle halbiert, „die kriegte dann der halbe Eckhardt Loer“, beschreibt sie heute lachend.

Über eine kirchenrechtliche „Pfarrstellenverbindung“ wird Loer, der übrigens als Vikar schon in Petri wirkte, in Zukunft in der Gemeinde eine ganze Stelle wahrnehmen. Die Zukunft der evangelischen Kirchengemeinde Wiemelhausen zeichnet sich für die scheidende Pfarrerin als schwierig dar, allein durch die Abwägung, die die Erhaltung zweier Baudenkmäler, der Melanchton- wie der Petri-Kirche erfordert.

„Wir müssen aufmerksam dahin gucken, wo die Menschen hingehen, und uns fragen, was sie eigentlich wollen“, gibt sie zu bedenken. Denn die förmliche Zuständigkeit ist unter dem Dach der Kirche nicht unbedingt ausschlaggebend.

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