Kirchenschließung

Bochumer Pfarrei Liebfrauen muss fünf Kirchen schließen

Über die Zukunft der Gemeinde Liebfrauen diskutierten Besucher in der Hiltroper St.-Joseph-Kirche.

Foto: Olaf Ziegler

Über die Zukunft der Gemeinde Liebfrauen diskutierten Besucher in der Hiltroper St.-Joseph-Kirche. Foto: Olaf Ziegler

Bochum.   Die katholischen Gemeinden in Bochum diskutieren über ihre Zukunft. Es herrscht hoher Finanzdruck. Schwerpunkt soll aufs Ehrenamt gelegt werden.

Rückläufige Finanzmittel und Gemeindemitgliederzahlen setzen die katholische Pfarrei Liebfrauen aber auch das gesamte Ruhrbistum schon länger unter Druck. Das Bistum reagierte bereits 2015 darauf und setzte mit „Plan 2030“ einen zweijährigen Pfarrei-Entwicklungs-Prozess (PEP) in Gang. Zahlreiche, vor allem ehrenamtliche Mitglieder der Pfarrei Liebfrauen wirkten an der Konzeption mit, die Bischof Franz-Josef Overbeck in 2018 absegnen oder verwerfen wird.

Ergebnis: Ein neues Seelsorgemodell, das ausdrücklich Ehrenamtliche einbezieht, soll die kirchliche Arbeit zukünftig stärken. Ein Wirtschaftskonzept sieht weniger Kirchen und weniger hauptamtliches Personal vor, um laufende Kosten deutlich zu mindern. Zahlreiche Besucher diskutierten bei einer Pfarrversammlung in der Kirche St. Joseph in Hiltrop teils kontrovers. Schließlich wünschte sich so mancher, dass alles bleibt wie bisher, während die „Reformer“ unter dem Finanzdruck auf baldige einschlägige Veränderungen drängten.

Kirche bleibt in jedem Stadtteil mit einem Gebäude präsent

Das für 2030 geplante Pastoralkonzept, das „nah bei den Menschen“ bleiben will, präsentierten Carolin Ströttchen und Christian Schnaubelt aus dem Pfarrgemeinderat. Sie betonten: „Wir bleiben weiterhin in jedem Stadtteil mit mindestens einem Gebäude präsent.“ Das „Kath Car“ ermögliche neue Formen kirchlicher Präsenz in den Stadtteilen, soll aber keine Sonntagsmesse ersetzen. Überdies soll die Arbeit von Ehrenamtlichen gefördert werden.

Die „bittere“ Pille servierte Stadtdechant Thomas Kemper, Pastor der Gemeinden St. Marien und St. Bonifatius in Langendreer: „Wir gehen davon aus, dass wir zukünftig nur drei Kirchen in der Pfarrei brauchen“, erklärte er beim Vorstellen des Wirtschaftskonzepts. Aktuell sind es acht: sechs Gemeindekirchen sowie St. Joseph (Pfarrei- und Stadtkirche für die italienische und spanische Gemeinde) und St. Ludgerus mit Sonderrollen. Welche Kirchen aufgegeben werden, werde noch ermittelt.

Gläubige fordern Ortsnähe von der Kirche

Die Entwicklung der Gottesdienstbesucherzahlen sowie zukünftige Baurücklagen dienten als Entscheidungs-Grundlage. Kemper: „1960 hatten wir 1588 Besucher pro Gottesdienstort. Die Prognose für 2025 liegt bei 175 Besuchern.“ Das Bistum fordert die Pfarrei auf, jährlich Baurücklagen für die Kirchen.

Gleichwohl waren viele im Publikum sauer. Sie forderten Ortsnähe von Kirche. Laersche Gemeindemitglieder wünschten sich zudem eine Anlaufstelle im Stadtteil, die es seit 2008 nicht mehr gibt.

Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand entscheiden am Samstag , 9. Dezember, über den Pfarreibeschluss, der ans Bistum geht.

>>> INFO: Gemeinde wird bei der Messe informiert

Zur Pfarrei Liebfrauen gehören die Gemeinden St. Marien und St. Bonifatius (Langendreer), Liebfrauen (Altenbochum und Laer), Herz Jesu Werne, Heilig Geist (Harpen mit Kornharpen und Rosenberg) sowie St. Elisabeth (Gerthe und Hiltrop).

Am Sonntag, 10. Dezember, werden die Gemeindemitglieder über die Entscheidung informiert.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik