Katastrophenübung

Bochumer Notfallversorger üben Zusammenarbeit für Katastophe

Wie funktioniert die Zusammenarbeit der Notfallversorger bei einem Unglück? Das proben rund 100 Mitarbeiter verschiedener Notfallversorger in Bochum.

Foto: Joachim Hänisch

Wie funktioniert die Zusammenarbeit der Notfallversorger bei einem Unglück? Das proben rund 100 Mitarbeiter verschiedener Notfallversorger in Bochum.

Bochum.   Das Knappschaftskrankenhaus in Bochum bringt Notfallversorger bei einer Fortbildung zusammen. Sie üben für den Ernstfall mit über 40 Verletzten.

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Viele Verletzte liegen am Boden, manche sind schon auf Krankenbahren gebracht worden. Die Situation ist unübersichtlich, die Atmosphäre hektisch, Menschen mit blutverschmiertem Gesicht rufen um Hilfe. Einsatzkräfte von Rettungsdienst und Feuerwehr arbeiten sich Stück für Stück vor.

Zum Glück: Alles nur inszeniert, die Wunden geschminkt. „Ein Szenario mit einem Massenanfall von Verletzten könnte auch Bochum treffen, die Nachrichtenlage bestätigt das“, sagt Prof. Dr. Rüdiger Smektala, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Knappschaftskrankenhaus und Organisator der groß angelegten Fortbildung.

Er verweist auf den Anschlag am Berliner Breitscheidplatz. Während im Hintergrund die realistisch geschminkten Statisten registriert und abtransportiert werden, sagt er: „Wir können Großschadensereignisse wie Anschläge, Massenkarambolagen und Seuchen möglicherweise nicht verhindern. Umso wichtiger, dass wir uns gemeinsam vorbereiten.“

Auch Bundeswehr und THW im Einsatz

Zu den Akteuren zählen neben Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst auch Bundeswehr und THW. Rund 100 Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen der Notfallversorgung sind gekommen, um in theoretischer und praktischer Form ihre Kooperation zu verbessern.

Stefan Nowak von der Feuerwehr zeigt seltene Einsatzfahrzeuge des Katastrophenschutzes und erklärt: „Dem Notarzt bleiben nur 30 Sekunden für die erste Sichtung, bei 20 Verletzten sind das 10 Minuten für das reine Gucken.“

Für den schnellen Transport ins Krankenhaus seien Rettungsgassen von großer Bedeutung. Krankenpflegeschülerin Cara Zechner, die als Statistin mitmacht, wird gerade mit einer Schussverletzung registriert. „Ich trage eine Patientenanhängekarte, die käme auch im Ernstfall zum Einsatz“, sagt sie. Im theoretischen Teil habe es Vorträge beispielsweise zur Versorgung von Splitterverletzungen, Luftrettung oder über die Einführung eines Krankenhauskatasters gegeben.

„Wir ziehen alle an einem Strang“

„Wir haben eine Vielzahl an gemeinsamen Schnittstellen und müssen unsere Zusammenarbeit synchronisieren“, erklärt Jürgen Leimanzik von der Polizei Bochum. Das heißt konkret: „Für Krankenhäuser sind die Betroffenen Patienten, für uns vor allem Zeugen. Daraus ergeben sich unterschiedliche Ansprüche.“ Während die Krankenhäuser die Betroffenen medizinisch versorgen wollen, habe die Polizei Fragen und wolle die Identität feststellen. „Wir müssen die Aufgaben aller Akteure kennen, damit die Zusammenarbeit reibungslos läuft.“

Genau das schätzen Agnes Nowak und Gabriele Brodt, die im Bereich der Anästhesie arbeiten, an der Veranstaltung: „Ich habe einen Einblick bekommen, der mir sonst verwehrt ist.“ Nowak sagt: „Wir ziehen alle an einem Strang. Daran denken, dass so etwas wirklich passiert, mag ich nicht.“ Dierk Wilhelm von der Bundeswehr sagt: „Man lernt auch die Köpfe kennen, die man im Ernstfall kontaktieren muss.“

Während Notärztin Heike Vogelsang sich besonders für die Verzahnung von Einsatzstelle und Transport interessiert, möchte Stadtmitarbeiter Mario Reuter etwas über die Krisenkonzepte der Kliniken erfahren. Aufmerksam beobachtet er die Einsatzübung und sagt: „Soetwas muss regelmäßig stattfinden, damit man stets auf dem aktuellen Stand ist.“

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