Brauchtum

Bochumer Maischützen haben den jüngsten Chef aller Zeiten

Jetzt hat er den Hut auf: Stefan Vahldieck (re.) löst Karl-Heinz Böke (li.) an der Spitze der Maischützen ab.

Jetzt hat er den Hut auf: Stefan Vahldieck (re.) löst Karl-Heinz Böke (li.) an der Spitze der Maischützen ab.

Foto: Ingo Otto

Bochum.  Die Bochumer Maischützen haben den jüngsten Vorsitzenden ihrer Geschichte. Stefan Vahldieck (36) löst Karl-Heinz Böke (75) an der Spitze ab.

Generationswechsel bei den Maischützen: Mit Stefan Vahldieck steht seit dieser Woche der jüngste Vorsitzende der Geschichte an der Spitze der Maiabendgesellschaft. Er löst Karl-Heinz Böke ab, der den ältesten Bochumer Brauchtumsverein zehn Jahre führte und kurz nach seinem 75. Geburtstag nicht mehr zur Wahl antrat.

Das Votum fiel eindeutig aus: 92 von 95 Mitgliedern stimmten bei der Jahreshauptversammlung im Kolpinghaus für Stefan Vahldieck. Gegenkandidaten gab es – entgegen früherer Ankündigungen – keine. Der 36-Jährige, Inhaber einer Versicherungsagentur an der Annastraße, hatte als Vorstandsmitglied, das insbesondere für Sicherheitsfragen zuständig ist, schon geraume Zeit als Favorit gegolten. Vahldieck hat „Stallgeruch“. Seit 2004 ist er ein Maikerl, zählt zu den Gründern der Mittelaltergruppe „Stadtwache“ und war 2007 und 2008 Junggesellenhauptmann. Von diesem Amt, sagt der Familienvater, habe er immer geträumt. Vom Vorsitz weniger. Mit diesem Gedanken, so erzählt er, habe er sich erst befasst, als Böke bei der letzten Vorstandswahl vor drei Jahren seinen Rückzug ankündigte. Nun ist er Chef der 500 Mitglieder starken Traditions-Truppe: nicht nur der jüngste, sondern auch der erste, der es als Junggesellenhauptmann an die Spitze schaffte.

Neuer Vorsitzender sucht neue Kontakte

Dort warten manche Herausforderungen. Vahldieck listet sie auf: Er wolle dafür sorgen, dass die Maiabendgesellschaft in der Bochumer Bevölkerung wieder voll und ganz akzeptiert und respektiert wird: „Es wäre gut, wenn man das Naserümpfen wegkriegt.“ Den Kontakt zu anderen Vereinen will er ausbauen, gerade zu Klubs im Märkischen Kreis, dem einstigen Hoheitsgebiet des Grafen Engelbert. Den inneren Zusammenhalt will er stärken. Und den 2010 beschrittenen, bis heute nicht unumstrittenen Weg des Maiabendfestes vom Brauchtums- zum Stadtfest mit Tausenden Besuchern auf dem Boulevard forcieren.

Dazu braucht es Geld, Unterstützung von Sponsoren wie der Sparkasse oder den Stadtwerken. „Karl-Heinz war immer ein großer Spendensammler“, lobt Vahldieck seinen Vorgänger. Der verspricht, auch in den nächsten Jahren seine Kontakte zu nutzen. Denn eines ist beiden klar: Ob und wie die Tradition fortgeführt und das Fest lebendig gehalten wird, hängt bei allem ehrenamtlichen Engagement nicht zuletzt von den Finanzen ab. „Da reichen nicht nur Mitgliedsbeiträge.“

Böke wird Ehrenvorsitzender

Was sagt Karl-Heinz Böke zu seinem Nachfolger? „Er ist der Richtige.“ Beharrlich sei er, klug, zielstrebig, mit starkem Rückgrat, ruhig und immer besonnen, anders als er, der „manchmal zu laut war“.

Der Wattenscheider wird seine Maiabendgesellschaft weiter begleiten. Der Wiederaufbau der Beckporte 2013 und die Aufnahme in das Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes 2016 zählen zu seinen Wegmarken. Dafür sagten die Weggefährten bei der Jahreshauptversammlung Dank: Böke wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

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