Straßenschäden

Bochumer Lösung: Langsam fahren, weil Straßen marode sind

In miserablem Zustand ist die Rottstraße, auf der seit geraumer Zeit daher Tempo 30 gilt. Auf absehbare Zeit sind dort aber keine Sanierungsmaßnahmen geplant, so die Stadt.

In miserablem Zustand ist die Rottstraße, auf der seit geraumer Zeit daher Tempo 30 gilt. Auf absehbare Zeit sind dort aber keine Sanierungsmaßnahmen geplant, so die Stadt.

Foto: Kerstin Buchwieser / FUNKE Foto Services

Bochum.  Auf elf Straßen gilt in Bochum derzeit Tempo 30, weil die Schäden dort so groß sind. Auf absehbare Zeit wird sich daran auch nichts ändern.

Der schlechte Zustand von Straßen und Brücken in Bochum ist seit langem ein Ärgernis, an vielen Stellen herrscht dringender Sanierungsbedarf. Auf elf Straßen kann sich die Stadt derzeit nur mit einer Maßnahme behelfen: Sie hat das zulässige Tempo dort auf 30 Stundenkilometer beschränkt. Und das sorgt für Empörung.

„Statt die Straßen zu sanieren, stellt die Stadt einfach ein Schild daneben und lässt sie weiter verfallen. Gerade auf den Hauptstraßen ist das ein unhaltbarer Zustand“, sagt Dennis Rademacher, Mitglied der Fraktion FDP & Stadtgestalter im Rat der Stadt. Seine Fraktion hatte bei der Verwaltung angefragt, auf wie vielen und welchen Straßen im Stadtgebiet in den vergangenen fünf Jahren aufgrund von Schäden eine Tempobegrenzung veranlasst wurde. Die Liste der Straßen bzw. Straßenabschnitte reicht von der Alleestraße bis zur Hiltroper Landwehr. 4,8 Millionen Euro wären insgesamt notwendig, um die Schäden zu beseitigen, so die Information der Stadt.

Viele besonders belastete Straßen im Bezirk Mitte

Auffällig ist: Die meisten Straßen liegen im Stadtbezirk Mitte. „Das liegt daran, dass hier besonders viele Hauptverkehrsstraßen zusammenlaufen und auch die Belastungen besonders groß sind“, erklärt Christoph Matten vom Tiefbauamt. Und: Die Lage der Straßen und die Randbedingungen sorgten dafür, dass es nicht immer ganz einfach sei, Baumaßnahmen zu koordinieren. So hänge etwa die Sanierung am Gersteinring auch mit den Maßnahmen an der Lohring-Brücke zusammen. „Daher müssen wir uns auch damit behelfen, auf einigen Straßen erst einmal das Tempo zu reduzieren“, so Matten.

Auf der Rottstraße dürfte das noch für eine längere Zeit gelten. Sie ist verkehrstechnisch nur von „untergeordneter Bedeutung“ – und zudem noch in einem so schlechten Zustand, dass ihre komplette Sanierung nötig wäre. Das aber würde viel Zeit und Geld erfordern und stünde in keinem Verhältnis zur verkehrlichen Bedeutung. Notwendig wäre u.a. die komplette Erneuerung der Oberschicht. Matten: „Daher suchen wir derzeit nach einer geeigneten Lösung.“

Verwaltung führt mehrere Listen

In welcher Reihenfolge die maroden Straßen erneuert werden, hängt ab von dem entsprechenden „Listenplatz“. Und Listen gibt es viele, nämlich eine für Deckschichten, eine für Um- und Ausbau sowie diverse andere, die u.a. auch die notwendigen Maßnahmen der Versorger beinhalten. Aus all diesen internen Listen schält sich am Ende eine Gesamtliste heraus.

Und auf der steht als nächstes der schadensbedingt von Temporeduzierungen betroffenen Maßnahmen die Alleestraße – und zwar nicht nur der betroffene Abschnitt zwischen Annastraße und Westring, sondern die gesamte Straße. Bis das allerdings in Angriff genommen wird, vergeht noch einige Zeit. „Voraussichtlich 2022/23 werden wir die Alleestraße anpacken“, sagt Christoph Matten. Notwendig seien dort umfassende Arbeiten, die den gesamten Querschnitt betreffen. Es sei praktisch ein Neuausbau. Und bis dahin gilt dort und auch auf den anderen Straßen(-abschnitten) Tempo 30.

Fraktion fordert ein Fokusprogramm

Aus Sicht von FDP/Stadtgestaltern ist das ein Unding. „Die Verwaltung ist mit der Erhaltung unserer Straßen überfordert und die Rad- und Autofahrer müssen das ausbaden“, kritisiert Ratsmitglied Dennis Rademacher. Die betreffenden elf Straßen sollten deswegen „in einem Fokusprogramm mit Priorität behandelt“ werden. Er verweist darauf, dass seine Fraktion bereits ein Straßenerhaltungskonzept im Rat eingefordert habe, das von SPD, CDU und Grüne mit der Begründung abgelehnt worden sei, dass es dieses Konzept schon gebe.

„Jetzt räumt die Verwaltung schwarz auf weiß ein, dass ein Straßenerhaltungsmanagement gerade erst aufgebaut wird”, sagt Rademacher. Tatsächlich sucht die Verwaltung derzeit erst eine Fachkraft, die das Straßenerhaltungsmanagement aufbauen soll, wie es in der Antwort auf die Ratsanfrage heißt. Allerdings räumt sie auch ein: „Ein Straßenunterhaltungsmanagement mit einer ausreichenden Finanzausstattung kann die Anzahl vermindern, jedoch ist eine Geschwindigkeitsreduzierung infolge des Straßenzustandes nie vollständig auszuschließen.“

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