Ausstellung

Bochumer Künstler Jochem Ahmann sucht Spaß im Ernsthaftem

Jochem Ahmann vor einem Pappmaché-Flugzeug, das als künstlerisches Ready-made unter dem Titel „Fass-Bomber“ zum Einsatz kommt. Dessen abgeworfene „Munition“ besteht aus Schoko-Likörfässchen.

Foto: Ingo Otto

Jochem Ahmann vor einem Pappmaché-Flugzeug, das als künstlerisches Ready-made unter dem Titel „Fass-Bomber“ zum Einsatz kommt. Dessen abgeworfene „Munition“ besteht aus Schoko-Likörfässchen. Foto: Ingo Otto

bochum.   Kunstverein Kulturrat zeigt in einer abwechslungsreichen Ausstellung Arbeiten von Jochem Ahmann. Er ist ein Eulenspiegel der Bildenden Kunst.

Mit einer abwechslungsreichen Ausstellung startet der Kunstverein Kulturrat ins neue Jahr. Zu Gast ist der Bochumer Jochem Ahmann, ein Mann mit vielen Talenten. Malerei, Objekte, Zeichnungen, Installationen – in seiner Schau gibt’s jede Menge zu entdecken. Das fängt schon beim Titel an.

Anziehend und verstörend

„…mit ihren Pferden und Kötern“ hat Ahmann die Kollektion seines Schaffens betitelt. Er spielt an auf Recep Tayyip Erdoğan. Als im März 2017 in den Niederlanden ein AKP-Demonstrant von einem Polizeihund gebissen wurde, nutzte der türkische Präsident den Vorfall für Propaganda-Attacken auf Angela Merkel: „Sie greifen uns mit ihren Hunden und Pferden an, und Du greifst uns auch mit Hunden und Pferden an.“

Solch’ „alltäglicher Schwachsinn“, wie Ahmann es nennt, ist es, auf den der Künstler reagiert. „Allerdings ist bei mir immer ein spielerischer Ansatz dabei“, sagt der 60-Jährige. Das seismographische Gespür für (zumal politische) zeitgenössische Themen zeichnet seinen künstlerischen Impetus aus.

Tiefenschichten verursachen Unbehagen

Ironische Brechungen gehören immer dazu. Ahmanns Kunst wirkt auf den ersten Blick leicht zugänglich, aber es sind die Tiefenschichten seiner Bilder, die Unbehagen verursachen. Das merkt man sogleich, wenn man den oberen Ausstellungsraum auf sich wirken lässt. Hier hat Ahmann Bilder von Schiffen positioniert, brennende Tanker, untergehende Frachter, Kriegsschiffe im Gefecht. Schiffe – Flugzeuge – Autos sind wiederkehrende Muster in Ahmanns Motiv-Kanon. Letztlich taugen sie als Folie für globale Katastrophen-Szenarien und sind damit übertragbar auf den geistigen Zustand der Welt. Die in einer raffinierten, ästhetisch anziehenden Schichttechnik gestalteten Schiffs-Bilder wirken – zumal in der Dichte der gewählten Petersburger Hängung – anziehend und verstörend zugleich.

Kaleidoskop skurriler Einfälle

Im Kellergeschoss geht es mit einem Kaleidoskop skurriler Einfälle weiter. In bissigen Politiker-Collagen, bei denen Erdogan und Trump nicht fehlen dürfen, gibt Jochem Ahmann seiner dadaistischen Laune Raum. Subtiler geht er bei einer weiteren Serie vor, die Klischees ausstellt, um sie, künstlerisch überhöht, aufzubrechen: In einer langen Reihe hängen 75 Blätter aus Kinder-Malbüchern der 60er Jahre. Sie waren dazu angetan, akkurat-bunt ausgemalt zu werden. Ahmann tut das auf seine, auf andere Art, er übermalt, übertreibt, gießt Firnis über die Blätter: Die „lieben“ Zeichnungen, auf denen etwa ein kleiner „Cowboy“ zu sehen ist, der eine junge Kuh zureitet („Ganz schön störrisch, das Kälbchen!“) verkehren sich plötzlich in pädagogisch zweifelhafte Schreckensszenarien.

Jochem Ahmanns Schau ist eine Fundgrube der Ideen, Motive, Handhabungen. Sehen und Nachdenken verbinden sich. Hier hält ein Eulenspiegel der Bildenden Kunst der Welt den Spiegel vor.

Kunstverein Kulturrat, Lothringer Straße 36c, bis 15. Februar, Di 15-18 Uhr und Do 18-20 Uhr, Info 0234/86 20 12.

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