Stillleben

Bochumer Kirchen planen kleinen Ableger vom Stillleben

Peter-Michael Müller (links), Katholikenrat Bochum und Wattenscheid, Stadtdechant Michael Kemper, Tim Linder (sitzend), Freie evangelische Gemeinde Bochum-Ost und Hannah Praetorius, Evangelischer Kirchenkreis, planen einen ökumenischen Stadtkirchentag.

Peter-Michael Müller (links), Katholikenrat Bochum und Wattenscheid, Stadtdechant Michael Kemper, Tim Linder (sitzend), Freie evangelische Gemeinde Bochum-Ost und Hannah Praetorius, Evangelischer Kirchenkreis, planen einen ökumenischen Stadtkirchentag.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Bochum.  Zum Stadtkirchentag laden die Bochumer Kirchen in die City: Auf einer hundert Meter langen Meile soll gefeiert, gegessen und informiert werden.

Die Tischreihen auf der A 40, die vor zehn Jahren anlässlich des Kulturhauptstadt-Projektes Tausende auf den Ruhrschnellweg lockten, haben sie inspiriert: Im September 2021 wollen die christlichen Kirchen in Bochum das Format „Stillleben“ deshalb für ihren ersten ökumenischen Stadtkirchentag im September 2021 nutzen. Rund 300 Tische, über hunderte Meter vom Dr.-Ruer-Platz an der Pauluskirche vorbei bis hinunter zum Boulevard, sollen dann in die Bochumer City locken.

Fokus der Neuauflage ist natürlich ein anderer: „Wir wollen die Vielfalt der Christen in unserer Stadt exemplarisch zeigen und dabei alle an einen Tisch holen“, sagt Michael Kemper. Seit 2018 ist der Stadtdechant mit der Planung des Stadtkirchentages befasst, Mitstreiter hatte er schnell gefunden.

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Bei bislang drei Werkstatt-Treffen kamen stets um die 50 Teilnehmer, der Steuerungskreis selbst umfasst zehn Personen. „Der Tag soll von der Basis aus organisiert sein“, wünscht sich Kemper. Das heißt: Impulse gibt die Planungsgruppe zwar, mit Leben füllen aber sollen die unterschiedlichen christlichen Gruppen und Institutionen das Fest. Ob Kirchenchor, christliche Kita, Einrichtung der Diakonie oder Messdiener-Gruppe: „Sie alle sind zum Mitmachen eingeladen“, sagt Tim Linder von der Freien evangelischen Kirche Bochum-Ost.

Gruppen und Einrichtungen können Tische reservieren

Tische können die Gruppen und Einrichtungen dann reservieren und sich überlegen, wie sie den Tisch bespielen. Dabei sind Brettspiel- oder Häkel-Aktionen möglich, aber auch Angebote zu Themen wie Einsamkeit, Flüchtlingshilfe und häusliche Gewalt. „Wir möchten das auf den Tisch bringen und zeigen, was uns als Christen im Alltag ausmacht“, erklärt Michael Kemper. Man wolle Ökumene abbilden, Begegnungsmöglichkeiten schaffen und zeigen: Kirchliches Leben ist städtisches Leben.

Dabei wollen die Kirche die Chance auch nutzen, mit Vorurteilen aufzuräumen. „Viele Bilder, die in der Gesellschaft von Kirche vorherrschen, stimmen nicht mehr. Deshalb gehen wir bewusst in die Innenstadt und präsentieren auch, wie sehr wir uns verändert haben“, sagt Tim Linder. Zwar seien die Ausprägungen der Bochumer Christen in theologischer Hinsicht unter Umständen ganz unterschiedlich, der Kern des Glaubens sei aber gleich.

In Zeiten, in denen mehr gespalten denn geeint werde, will man diesen Gedanken besonders betonen. „Auch in Bochum wachsen die Kirchen nicht, sondern die Zahl derer, die nicht Kirchenmitglied sind, wird immer größer“, bedauert Kemper.

3000 Teilnehmer werden erwartet

Der Stadtkirchentag soll daher auch Anlass zum Werben sein: Für die Präsenz, den Auftrag, das Engagement und die Lebendigkeit von Kirche. Neben der Tischmeile sind unterschiedliche Zelte geplant: Etwa ein Begegnungs-, Bibel-, Erzähl- oder Gebetszelt. „Es wird auch ein Bühnenprogramm geben“, verrät Kemper.

Einen fünfstelligen Betrag hat das Planungskomitee aus Beiträgen der einzelnen Kirchen dafür angesetzt, Fundraising soll die finanziellen Möglichkeiten erhöhen.„Wir bemühen uns noch ein paar Highlights zu setzen, Zusagen stehen aber noch aus“, sagt Peter-Michael Müller vom Katholikenrat Bochum und Wattenscheid. Mehr könne er zu den möglichen Personenmagneten noch nicht verraten. Ein Essensangebot soll professionell organisiert werden. „Wir rechnen mit etwa 3000 Teilnehmern rund um die Tischmeile, plus Passanten aus der Innenstadt“, so Linder.

Konkrete Planung startet im nächsten Jahr

In die konkrete Planung geht es nächstes Jahr. „Dann folgen auch Infos für die Gemeinden“, sagt Kemper zum Zeitplan. Noch heiße es also, auf weitere Mitteilungen zu warten,. Aktiv werden können die Bochumer Christen aber schon jetzt: „Die Gruppen und Einrichtungen sind dazu angehalten, sich schon einmal zu überlegen: Was macht uns aus? Was stellen wir dar? Mit wem wollen wir uns vielleicht verbünden“, so Kemper.

Sind die Organisatoren anlässlich der Coronakrise guter Dinge, dass der Stadtkirchentag wie geplant am 18. September 2021 stattfinden kann? „Wir haben Gottvertrauen“, sagt Linder und lacht. Machten dann geltende Hygieneauflage eine Durchführung des Kirchentages unmöglich, würde der Tag verschoben. „Am besten aber nicht das Gemeindefest auf den 18. September legen“, bittet Linder.

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