Karneval

Bochumer Kinder feiern Karneval mal anders

Schulleiter Paul Roos kommt als Nonne verkleidet zum Umzug, obwohl er eigentlich kein Karnevalsfan ist.

Schulleiter Paul Roos kommt als Nonne verkleidet zum Umzug, obwohl er eigentlich kein Karnevalsfan ist.

Foto: Ingo Otto

Altenbochum/Kornharpen.  Beim traditionellen Umzug der Lina-Morgenstern-Schule in Bochum warfen die Zuschauer am Straßenrand Süßigkeiten auf die Mini-Jecken.

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Im Grunde ist Schulleiter Paul Roos der jeckste Jeck von allen. Als Nonne verkleidet schiebt er eine fahrbare Musikbox vor sich her und wippt dabei entschlossen im Rhythmus der Partykracher. „Eigentlich bin ich gar kein Karnevalstyp“, sagt der 57-Jährige und kann das wohl nicht ganz ernst meinen.

Beim traditionellen Karnevalsumzug der Kinder von der Lina-Morgenstern-Grundschule geht es auch sonst hoch her. Insgesamt tummeln sich hier rund 250 Kinder plus viele kostümierte Eltern. Hundert Kinder sind mit einem extra gemieteten Bus aus der Zweigstelle Kornharpen nach Altenbochum gefahren, um den Umzug zu erleben.

Spendierfreudige Eltern

Es hat sich gelohnt. Das lässt sich schon auf halber Strecke in der Bonhoefferstraße deutlich erkennen. „Guck mal, wie viel ich habe“, ein Junge hält seinen Beutel hoch. Prall mit Kamelle gefüllte Plastiktüten zeugen von spendierfreudigen Eltern und Anwohnern. Denn hier findet der Karneval „umgekehrt“ statt, wie Paul Roos erläutert.

Statt der Karnevalisten des Umzugs werfen die Zuschauer am Straßenrand die Süßigkeiten auf die Kinder. „Den Zug gibt es schon länger als ich hier Schulleiter bin. Bestimmt über zehn Jahre“, erklärt die Nonne alias Schulleiter Roos.

Der Tag steht hier komplett im Zeichen des Karnevals. In der Schule wärmen die Kinder sich bei einer Schulpolonaise auf. Dann geht es auf die Straße. Erster Höhepunkt ist der Stopp am Geschäftsgebäude der VBW Bauen und Wohnen, aus dem schon am Morgen Musik schallt. Die Mitarbeiter kommen mit Süßigkeiten vor die Tür, und ihre türkisfarbenen Schlipse passen zu den bunten Kostümen von Kindern und Eltern. Eine kleine Polonaise vor dem Gebäude bahnt sich an, bevor die Meute weiter auf die Bonhoefferstraße zieht. An Hausnummer 15 schmeißen zwei Frauen auf einem Podest stehend kistenweise Kamelle in die kreischende Masse.

Kinder sollen einfach Spaß haben

Die Kinder reißen ihre Arme in die Luft und erinnern dabei an frisch geschlüpfte Vögelchen, die der Mutter ihre hungrigen Hälse entgegenstrecken. „Vogelmama“ Ulrike Kirchesch wirft, bis die letzten Schokobonbons zu Boden fallen. „Es ist einfach schön, wenn die Kinder sich so freuen. Sie sollen an Karneval einfach erleben, was Spaß ist“, sagt die 49-Jährige.

Wenige Meter weiter traut der Jeck seinen Augen kaum, wäre er nicht selbst verrückt genug. Ein riesiger blauer Payback-Punkt mit Augen und Beinen steht am Wegesrand und grüßt in die Menge. Spätestens jetzt staunen auch jene Wegbegleiter, die hier heute ohne Kostüm aufgetaucht sind.

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