E-taxis

Bochumer ist landesweit Vorreiter in Sachen E-Taxis

Vorreiter: Markus Wahl (l.) hat vier E-Taxis angeschafft, Bernd Hoose (r.) hat ihm zu dem Schritt geraten,.

Foto: Ingo Otto

Vorreiter: Markus Wahl (l.) hat vier E-Taxis angeschafft, Bernd Hoose (r.) hat ihm zu dem Schritt geraten,.

Bochum.   Markus Wahl stellt nahezu sein ganzes Taxi-Unternehmen auf rein elektrobetriebene Fahrzeuge um – vermutlich als Erster in ganz NRW.

Der Klassiker trägt den Stern auf der Motorhaube, hat eine Elfenbein-Lackierung und wird von einem Dieselmotor angetrieben. Ein Taxi. Fast 300 gibt es in Bochum. Unter ihnen werden demnächst vier besondere Fahrzeuge sein: auch in Elfenbein lackiert; aber ohne Stern, ohne vernehmbare Motorgeräusche, ohne Spritverbrauch, dafür mit einem überdimensionalen grünen Stecker auf der Motorhabe. Elektro-Taxis.

Das erste von ihnen mit dem Kennzeichen BO-BE 501E hat Markus Wahl (48) für seinen Taxibetrieb in Weitmar bereits angemeldet, Anfang März nimmt er mit allen vier Fahrzeugen vom Typ Nissan Leaf den Betrieb auf und wird damit Vorreiter nicht nur in Bochum. Landesweit gibt es zwar bereits einige E-Taxis. Aber meistens nur als Einzelfahrzeug und ohne eigene Ladestruktur. Niemand setzt ganz auf den E-Antrieb.

„Das ist innovativ, damit ist der Bochumer Betrieb in NRW ein Vorreiter“, sagt Dennis Klusmeier vom Taxi-Verband NRW. In Düsseldorf, wo er ein Unternehmen betreibt, gebe es zwar 140 Eco-Fahrzeuge unter den insgesamt 1100 Taxis in der Stadt, mit Erdgas-, Hybrid- oder Plug-in-Betrieb. „Aber ein E-Taxi ist leider noch nicht darunter“, so Klusmeier.

Emissionsfrei unterwegs

Was der Landeshauptstadt und anderen Städten fehlt, ist in Bochum demnächst Realität. Fast seine gesamte Flotte mit zwölf Fahrzeugen und einem Krankentransportauto will Markus Wahl nach und nach auf E-Betrieb umstellen und dann nahezu alle Fahrten emissionsfrei erledigen. Nur für längere Touren will er ein oder zwei Autos mit Verbrennungsmotor behalten.

„Es hat ein bisschen gedauert, bis ich ihn überzeugt habe“, sagt Nachbar Bernd Hoose, ein bekennender E-Autofahrer, Mitglied in der Carsharing-Initiative Ruhrauto-e und sozusagen missionarisch beseelt. Aus ökologischen Gründen? Auch. Im Vorjahr wurde er mit dem Klimaschutz Award in Gold der Stadt Bochum ausgezeichnet „Aber am Ende muss sich E-Mobilität für die Leute rechnen“, so Hoose. „Und das tut es.“

Auf Herz und Nieren geprüft

Wer wüsste das besser als er selbst, der von sich behauptet: „Ich habe einen Igel in der Tasche.“ Er habe seinem Nachbarn geraten, ein E-Taxi zu testen. Denn: „Je länger ein Fahrzeug gefahren wird, desto günstiger wird der Elektroantrieb.“ Und Taxis werden nahezu dauernd bewegt.

Sechs Wochen lang ist Markus Wahl Anfang 2016 mit einem Leaf durch Bochum gefahren, hat auf 5000 Kilometern dessen Alltagstauglichkeit geprüft, hat die Kunden nach ihrem Eindruck gefragt („keiner hat gesagt, dass er nur in einem Mercedes gefahren werden möchte“), hat gerechnet und sich gefragt: Soll ich es wagen? „Am Ende war ich mir sicher, dass es der richtige Schritt ist. Das musste ich auch sein, schließlich ist eine Investition von 200 000 Euro für einen Betrieb unserer Größe kein Pappenstiel“, sagt der 48-jährige Unternehmer.

Bis zu 300 Kilometer am Tag

200 bis 300 Kilometer legt jedes seiner Fahrzeuge am Tag zurück, etwa 200 Kilometer ist die Reichweite eines Leaf. Drei E-Taxis sollen ab März ständig auf der Straße sein, ein viertes an der Schnellladesäule auf dem Betriebshof stand-by stehen, wenn eines der andere Autos „volltanken“ muss. So sei ein Betrieb rund um die Uhr möglich.

Die Zahlen haben den Unternehmer überzeugt, in dessen Büro zwar das Modell eines klassischen New Yorker Taxis auf dem Regal steht; was ebenso wie das Hans-Albers-Poster an der Wand auf einen Hang zur Nostalgie schließen lässt. Am Ende aber zählen die Fakten. Statt 44 000 Euro für ein klassisches Taxi hat er 28 000 Euro für sein E-Modell bezahlt. „Bei Wartungen fallen alle 30 000 Kilometer nur noch 100 statt 500 Euro an“, so Bernd Hoose. Die Energiekosten fallen im Vergleich zum Sprit verschwindend gering aus. Und dann ist da ja noch der grüne Gedanke.

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