Politisches Engagement

Bochumer in der Türkei berichtet von unfreien Wahlen

 Die grüne Delegation in Diyarbakir (v.l.): Margit Stump (MdB), Berivan Aymaz (MdL), Tobias Bacherle, Max Lucks, Jakob Willke, Katharina Weiler.    

 Die grüne Delegation in Diyarbakir (v.l.): Margit Stump (MdB), Berivan Aymaz (MdL), Tobias Bacherle, Max Lucks, Jakob Willke, Katharina Weiler.    

Foto: AS

Bochum.   Semesterferien heißt für Studenten oft Urlaub. Max Lucks, Bundesvorsitzender der Grünen Jugend aus Bochum, aber war in der Türkei Wahlbeobachter.

Max Lucks war ein bisschen mulmig zumute als er am Freitag in den Flieger Richtung Istanbul stieg. Max Lucks kommt aus Bochum. Er ist Bundesvorsitzender der Grünen Jugend. Sein Ziel war Diyarbakir, eine kurdisch geprägte Stadt und Oppositionshochburg im Südosten der Türkei. Das Auswärtige Amt rät von Reisen in die Region ab.

In den vergangenen beiden Jahren seien deutsche Staatsangehörige willkürlich inhaftiert worden und gerade während der Kommunalwahl sei mit erhöhten politischen Spannungen und Protesten zu rechnen. Das Auswärtige Amt rät dringend dazu, sich von politischen Veranstaltungen fern zu halten. Lucks wollte aber genau deswegen in die Türkei. Er war von der HDP, einer prokurdischen Oppositionspartei in der Türkei, als Teil einer Delegation der Grünen eingeladen worden. Er und fünf andere sollten beobachten, ob die Wahl frei durchgeführt wird.

Sicherheitskräfte neben den Wahlurnen

Lucks und seine Delegation wollten insgesamt neun Wahllokale besuchen. Nicht überall waren sie willkommen. „Die Polizei hat uns gehindert in eins der Wahllokale zu gehen“, sagt Lucks. „Davor standen vermummte Sicherheitskräfte mit Maschinenpistolen und ein gepanzertes Fahrzeug.“ Daraufhin seien Wahlhelfer herausgekommen und hätten berichtet, dass Sicherheitskräfte neben den Wahlurnen stehen und nicht gehen wollen. Auf Facebook hat er ein Video von seinen Eindrücken hochgeladen. Etwa zeitgleich starben zwei Wahlbeobachter nur etwa 200 km entfernt von Diyabakir.

Mittlerweile ist Lucks wieder zurück und zieht ein Fazit: „Es war an einigen Stellen halbwegs möglich seine Stimme geheim und frei abzugehen. An vielen Stellen gab es aber auch Einschüchterungsversuche von der Regierung.“ Außerdem wurde ihm von Beamten mit „Freiwahlscheinen“ erzählt, die nicht abgegeben worden seien. So seien mehrfache Wahlen möglich gewesen.

Die Eltern glauben, er sei in Madrid

Seinen Eltern hat er erzählt, er sei in Madrid. „Die machen sich immer so große Sorgen.“ Als Sprecher der Grünen Jugend war es für ihn aber besonders wichtig, in der Türkei gewesen zu sein. Auch wenn das bedeutete, sich in Gefahr zu begeben. Der Ausgang der Kommunalwahl in Istanbul ist noch unklar. In Istanbul hat die bisher regierende AKP aber bereits Einspruch gegen die zu erwartenden Ergebnisse der Kommunalwahlen eingelegt.

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