Tierschutz

Bochumer Hund führt jetzt endlich ein normales Leben

Leckerchen für den genesenen Hund Spike (v.l.) Lucia Langer und Dr. Meike Diessner von der Praxis für Integrative Orthopädie, und Sabine Srock vom Bochumer Tierheim. Die Praxis hat die Not-OP für Hund Spike finanziert.

Leckerchen für den genesenen Hund Spike (v.l.) Lucia Langer und Dr. Meike Diessner von der Praxis für Integrative Orthopädie, und Sabine Srock vom Bochumer Tierheim. Die Praxis hat die Not-OP für Hund Spike finanziert.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum-Querenburg.  Französische Bulldogge übersteht aufwendige OP. Neue Lebensqualität erfreut alle Helfer. Tierheim Bochum sucht für den Hund ein neues Zuhause.

Spike zieht an der Leine. Kaum ist das Tor des Tierheims Bochum geöffnet, steuert die zweijährige Französische Bulldogge seine Besucher zielstrebig an, wirft sich auf die Wiese, lässt sich den Bauch kraulen. Von Erschöpfung und Atemnot ist auf Anhieb nichts mehr zu erkennen. „Aktuell müssen wir ihn eher bremsen“, erzählt Sabine Srock, stellvertretende Leiterin des Tierheims, lachend.

Auch Dr. Meike Diessner und die medizinische Fachangestellte Lucia Langer von der „Praxis für integrative Orthopädie“ freuen sich beim Anblick: „Das ist kein Vergleich zu vorher. Er ist deutlich flotter und man spürt seine Lebensfreude.“ Nun wird ein liebevolles Zuhause bei Menschen, die sich mit der Hunderasse gut auskennen, gesucht.

Noch vor etwas mehr als zwei Wochen war der Rüde kaum lebensfähig, hätte die wenigen Meter vom Tor zur Bank nicht geschafft. Eine aufwendige Operation am 3. Juli rettete Spike und ermöglicht ihm nun hoffentlich einen fast normalen Hundealltag.

Der Bochumer Hund entstammt einer „Qualzucht“

Gänzlich beschwerdefrei wird sein Leben nicht verlaufen, denn Spike entstammt einer „Qualzucht“, erklären die engagierten Helfer. „Kurzköpfige“ (brachyzephale) Hunde – dazu gehören unter anderem Mops, Französische und Englische Bulldogge – seien besonders anfällig für Probleme der oberen Atemwege, bekommen zu wenig Luft.

„Uns war sofort klar, dass wir Spike aufnehmen, als seine vorherigen Besitzer ihn zu uns brachten“, berichtet Sabine Srock. „Der Tierschutz stand im Vordergrund. Wäre unser Spendenaufruf nicht erfolgreich gewesen, hätten wir die Kosten für die OP auch selbst übernommen. Das hätte jedoch eine Lücke ins Budget gerissen, mit dem wir nun fünf, sechs andere Tiere versorgen können.“

Praxis übernimmt OP-Kosten

Dr. Meike Diessner wurde auf den Spendenaufruf des Tierschutzvereins Bochum, Hattingen und Umgebung und auf Spikes Schicksal aufmerksam. Sofort beschlossen sie und Arzt-Kollege Dr. Rosenthal, dass die gemeinsame Bochumer Praxis für die Operation aufkommen werde. Dafür wurde Spike zu Christoph Pilarski nach Dortmund gebracht, der den aufwendigen Eingriff u.a. mit Laser-Technik durchführte.

Selbst der Tierarzt habe gesagt, dass er „so einen schlimmen Fall lange nicht gesehen habe“, berichtet Srock. „Sein Rachenbereich war extrem eng, Spike wurde als Risikopatient eingestuft und blieb zur Beobachtung länger in Dortmund.“ Nachdem es zwischenzeitlich zu Komplikationen kam, da sich das OP-Gebiet entzündet hatte, ging es noch einmal zurück in die Tierarzt-Praxis. Dort bekam die Bulldogge ein anderes Antibiotikum, erholte sich in der Folge schnell und „eroberte die Herzen in der Praxis“.

Rüde kam ins Tierheim zurück

Nun ist er zurück im Tierheim, nimmt endlich am Leben teil und hat den größten Teil der Regeneration überstanden. Rund drei Wochen dauert es, bis sich auch die Nähte aufgelöst haben. Die Zeit wird mit flüssiger Nahrung überbrückt.

Dass Spike im Tierheim abgegeben wurde, ist kurioserweise wohl auch seine Rettung gewesen. Meike Diessner appelliert: „Tiere sollten nicht als Geschenk oder aus Lust und Laune angeschafft werden, wenn die Grundvoraussetzungen einer adäquaten Haltung nicht gegeben sind. Ein fataler Fehler ist es aus meiner Sicht, dass viele Menschen nur nach dem ‚Niedlichkeitsfaktor‘ gehen.“

„Qualzuchten“, bei denen „Welpen zu besonders attraktiven Preisen für wenige Hundert Euro im Internet, auf Parkplätzen oder Hinterhöfen angeboten werden“, dürfe man nicht unterstützen.

Vorab informieren

Über die Bedürfnisse der einzelnen Rassen sollte man sich vorab informieren, etwa „über den Tierschutzverein, Zuchtverbände oder Tierärzte. Im Fall von Spike bin ich sehr zuversichtlich und glücklich über den guten Verlauf der OP und das wir mit unserer Praxis ein bisschen helfen konnten.“ Nachdem er endlich Lebensqualität hat, hoffen alle Beteiligten auf ein geeignetes Zuhause für Spike.

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