Oasen gesucht

Bochumer gestaltet in Stiepel einen Japan-Themengarten

Bernd Kühnel zeigt seinen im japanischen Stil gestalteten Garten in Bochum-Stiepel.

Bernd Kühnel zeigt seinen im japanischen Stil gestalteten Garten in Bochum-Stiepel.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum-Stiepel.  Bernd Kühnels Leidenschaft gilt Fernost: Sie ist mit Hibiskus, Kois, kugeligen Muschelzypressen und Kiefern auch in seinen Garten eingezogen.

Alles fing mit einem aufgeschlagenen Buch in einer Buchhandlung an: Japanische Gärten waren darin zu sehen, nur zufällig warf Bernd Kühnel (76) aus Bochum- Stiepel einen Blick hinein. „Meine Begeisterung war schnell geweckt“, sagt der Rentner. Er kaufte das Buch. Dann kam eins zum anderen.

Der ehemalige Qualitätsprüfer bei Nokia hatte berufliche Kontakte nach Fernost und machte mit seiner Familie eine mehrwöchige Rundreise durch Japan. „Dabei habe ich die Kultur und die großen Tempelanlagen, die sich so schön in die Berge einfügen, lieben gelernt“, erinnert sich Kühnel.

Sein Themengarten spricht dieselbe Sprache: Koikarpfen schwimmen in einem Seerosenteich, um den herum asiatisch anmutende Blumentöpfe stehen. In einem Beet lassen sich ein Kranich und eine Buddha-Statue entdecken, unweit davon ranken Bonsais, Hibiskus und Azaleen.

Exotik aus dem Gartencenter

Mehrere japanische fünfnadelige Mädchen-Kiefern hat Kühnel so geschnitten, dass die begrünten Äste wie kugelige Kissen wirken. „Wenn ich die Bäume und Sträucher so freischneide, wird der bizarre und knorrige Stamm viel besser sichtbar“, erklärt der 76-Jährige.

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Als „Garten zum Beschauen“ bezeichnet Kühnel seine rund 600 Quadratmeter große Oase selbst. Täglich ist er in ihr zugange: mit Schneiden, Zupfen und Bewässern. Die Beete hat er alle mit Rindenmulch bestückt.„Auch wenn sie exotisch klingen, die Pflanzen gibt es trotzdem fast alle im Gartencenter“, sagt Kühnel und zeigt eine 60 Jahre alte Muschelzypresse. „Sie wachsen nur einen Zentimeter im Jahr, es ist also sehr viel Geduld gefragt“, sagt er.

Eine kleine Pflanze koste bereits 30 Euro, die teils meterhohen Bäume haben deshalb Werte von bis zu 7000 Euro erreicht. „Man braucht eigentlich nur eine gute Heckenschere und eine händische Rasenkantenschere“, rät Kühnel.

Inspiration aus Büchern

Wer üben wolle, sollte am besten mit einem kleinen Bonsai anfangen. „Früher war der Garten mein Ausgleich zur Arbeit, heute ist er ein richtiges Hobby geworden, dem ich viel Zeit widme“, sagt Kühnel. Seine Inspiration bekommt er aus Bildbänden über Kultur und Landschaft in Asien, aber auch aus Katalogen und auf Ausstellungen. So bestellte er zum Beispiel eine asiatische Steinlaterne.

In der Mitte des Gartens findet sich noch eine Besonderheit: Am Rande eines Beetes steht ein kleiner weißer Miniatur-Tempel, keine 20 Zentimeter hoch. Dahinter hat Kühnel zerklüftete Steine gesetzt und kleine Sträucher gepflanzt. „Von den Größenverhältnissen sieht es nun so aus, als würde sich ein Tempel in eine Berglandschaft schmiegen, eben genau wie in Japan“, sagt Kühnel.

Früher musste sein Garten pragmatischeren Ansprüchen genügen: „Als die Kinder noch klein waren, hatten wir einfach eine große Rasenfläche“, so der Garten-Liebhaber. Die mit Steinen begrenzten Beete seien dann aber immer weiter auf den Rasen vorgerückt.

Freude das ganze Jahr

„In Zeiten, in denen man auf die Versorgung durch Nutzgärten angewiesen war, wäre das natürlich gar nicht gegangen“, gibt Kühnel zu bedenken. Eine kleine Ecke mit Obstbäumen am Rande des Gartens hat er sich dennoch erhalten. „Nur Blumen gibt es nicht viele in meinem Garten, das würde einfach nicht zu der restlichen Gestaltung passen“, sagt er.

Weil die Pflanzen in seinem Garten nicht verblühen, habe er das ganze Jahr über etwas davon und müsse den Garten nicht wirklich winterfest machen. „Zwei Mal im Jahr muss ich die Bäume beschneiden. Einmal im Frühjahr, wenn der Neuaustrieb mit Kerzen kommt, und einmal im August, wenn das Unterkleid braun wird“, erklärt Kühnel.

Über die Zeit hat er sich viel Wissen selbst angeeignet. „Wenn man Geduld hat, braucht man auch keinen Profi für seinen Garten“, findet er und zeigt sein neustes Projekt: An einer Hinoki-Scheinzypresse hat er eine Klemme angebracht, mit der er einen Ast fixiert. „Das mache ich, damit der Leitast innerhalb der nächsten zwei Jahre aushärtet und nicht weiter nach oben wächst“, erklärt er.

So sehr er Japan auch liebt, eins konnte ihn bislang nicht überzeugen: das Kulinarische – Sushi und rohe japanische Spezialitäten.

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