Freibäder

Bochumer Freibäder öffnen – doch der Start ist verhalten

Extra aus Harpen gekommen sind Anke und Alfred Bischoff, um im Freibad Langendreer ein paar Bahnen ziehen zu können.

Extra aus Harpen gekommen sind Anke und Alfred Bischoff, um im Freibad Langendreer ein paar Bahnen ziehen zu können.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum.  Schwimmen gehen ist in Bochum wieder möglich. Am Dienstag hat das Freibad Langendreer geöffnet. Der Besuch am ersten Tag hielt sich in Grenzen.

Gut 17 Grad Celsius Wassertemperatur und 15 Grad Lufttemperatur misst das Thermometer im Freibad Bochum-Langendreer an diesem Dienstag. Auch ohne neue Corona-Richtlinien wäre hier heute also wahrscheinlich nicht so viel los. Insgesamt 27 Gäste nutzen die Chance nach der langen Durststrecke wieder ins Becken einzutauchen. Anke und Alfred Bischoff sind extra aus Harpen gekommen.

„Klar, es ist nicht das beste Schwimmbad-Wetter, aber wir wollten die Gelegenheit einfach nutzen“, sagen die beiden. Und sie haben vorgesorgt: Mit einem dünnen Neoprenanzug schützen sie sich vor der Kälte. Badleiter Gunter Kühl ist ganz froh über den gemächlichen Start. „Für die Mitarbeitenden und mich ist auch vieles neu.“ sagt er. „Da ist es so besser als wenn direkt 400 Gäste auf einmal kommen.“

Eine halbe Stunde zum Reinigen zwischen zwei Gruppen

400, das ist die Maximalzahl an Menschen, die gleichzeitig im Freibad Langendreer schwimmen dürfen. Die Zahl orientiert sich an der Wasserfläche, die insgesamt im Freibad zur Verfügung steht. An heißen Sommertagen in Zeiten ohne Virus, kommen schon mal bis zu 2000 Menschen an einem Tag. Jetzt werden die Gäste aufgeteilt in zwei Zeitfenster. „Zwischen den Slots haben wir dann eine halbe Stunde, um alles zu reinigen“, so Gunter Kühl. Ohnehin wird noch mehr gereinigt als sonst. Besonders die Desinfektion von Klinken, Treppengeländern und Spinden nimmt Zeit in Anspruch und verlangt einen neuen Reinigungsplan.

Im Becken selbst ist man relativ sicher vor dem Virus. Das Chlorwasser inaktiviert das Virus. Aber natürlich gilt auch hier: Kommen sich Personen zu nah, kann es durch Tröpfcheninfektion zu einer Ansteckung kommen. Um überhaupt Zugang zum Schwimmbad zu erhalten, müssen die Gäste sich online anmelden. Das geht 48 Stunden vor dem Wunschtag bis theoretisch kurz vor Schließung am jeweiligen Tag. Natürlich nur falls das Kontingent noch nicht erreicht wurde. „Ansonsten sind die Regeln analog zu dem, was wir auch in anderen Bereichen schon gewohnt sind“, sagt Gunter Kühl.

Das bedeutet: Der Mund-Nasenschutz an der Kasse ist Pflicht und der Mindestabstand von anderthalb Metern sollte gewahrt bleiben, auch im Außenbereich und im Becken. „Insgesamt sind das natürlich nicht die Bedingungen, die wir uns noch vor einigen Monaten für den Sommer vorgestellt haben“, gibt Kühl zu. Der Badleiter muss die Rutsche und andere Attraktionen geschlossen halten. Im Großen Becken wurde eine „Schwimm-Autobahn“ eingerichtet, damit man sich bei der Wende nicht in die Quere kommt. Die Duschen und Toiletten sind teilweise gesperrt.

Trotz allem sind Kühl und sein Team glücklich über die Eröffnung, mit der sie vor kurzem noch gar nicht gerechnet haben. Plötzlich ging dann aber alles ganz schnell, was besonders für den technischen Bereich viel Arbeit bedeutet: „Normalerweise inspizieren wir alle Bäder zeitversetzt und nacheinander“, erklärt der Technische Leiter der Wasserwelten Bochum, Stefan Gabriel.

Rutsche bleibt geschlossen

Durch Corona komme das jetzt aber alles auf einen Schlag. Die letzten Wochen waren daher sehr stressig, auch weil einige Kollegen in Kurzarbeit waren. „Wir haben die Zeit aber auch genutzt, um nötige Wartungsarbeiten schon während der Schließung durchzuführen“, so Gabriel. Man habe quasi aus der Not eine Tugend gemacht. Das große Becken wurde in Langendreer vor etwa zweieinhalb Wochen gewartet und gereinigt. Das Planschbecken für Kinder hat Gunter Kühl erst am letzten Samstag aus dem Winterschlaf geweckt und in Betrieb genommen.

Trotz aller Neuerungen schaut er zuversichtlich auf den Sommer: „Ich glaube, dass die Menschen vernünftig sind und die neuen Regeln beherzigen werden.“ Die finanziellen Einbußen seien dennoch schon jetzt schon zu hoch und wahrscheinlich nicht mehr auszugleichen. „Aber man weiß ja auch nicht, ob es nicht vielleicht auch für uns bald noch weitere Lockerungen gibt“, sagt Kühl. Bei schlechtem Wetter öffnen gegebenenfalls Hallenbäder als Ersatz für die Freibäder. Das Ehepaar Bischoff wird wahrscheinlich allen Widrigkeiten zum Trotz wiederkommen. Mit Mundschutz, E-Ticket und Neoprenanzug.

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