Inechtzeit

Bochumer Drogenberatung bietet seit 20 Jahren Hilfe

20 Jahre Beratungsstelle „inechtzeit“: Mitbegründerin und Namensgeberin Nadjana Wirth (LWL-Landesjugendamt Münster, mi.) mit Ellen Buchholz, Sozialpädagogin, und André Frohnenberg, Sozialarbeiter.

20 Jahre Beratungsstelle „inechtzeit“: Mitbegründerin und Namensgeberin Nadjana Wirth (LWL-Landesjugendamt Münster, mi.) mit Ellen Buchholz, Sozialpädagogin, und André Frohnenberg, Sozialarbeiter.

Foto: Fischer

Bochum.   Die Anlaufstelle „inechtzeit“ feierte ihren Geburtstag mit einem Fest. Die dort tätigen Fachkräfte wissen: Auch Cannabis kann süchtig machen.

Der Name „inechtzeit“ stammt noch aus der Frühzeit der Kommunikationstechnologie, also aus einer Zeit, in der E-Mails und Internet in den Kinderschuhen steckten. „Er ist analog“, sagt André Frohnenberg, „er steht für die tatsächliche Zeit, die hier verbracht wird“.

Frohnenberg ist als Sozialarbeiter in der Drogenberatungsstelle tätig, zusammen mit drei anderen Fachkräften, darunter Sozialpädagogin Ellen Buchholz. Sie unterstreichen anlässlich des 20. Geburtstags der Einrichtung deren Besonderheit: „Bei uns geht es um synthetische Drogen und Cannabis. Wir beraten bei Sucht oder Suchtgefahr und wir versuchen, vorzubeugen.“

Cannabis hat den Ruf einer leichten Droge

Cannabis, also umgangssprachlich „Hasch“, und Sucht – das will bei vielen nicht so recht zusammenpassen, hat es doch noch immer den Ruf einer „leichten“ Droge. Und doch: „Die Abhängigkeit ist ganzheitlich, betrifft somit den Körper und die Psyche“, weiß Buchholz. Frohnenberg ergänzt: „Körperliche Abhängigkeit äußert sich zum Beispiel in Form von Schlaflosigkeit oder schwitzenden Händen. Physische Abhängigkeit oft in Form von Lethargie.“

Wer zur „inechtzeit“ kommt, wird als Klient bezeichnet. Es sind rund 350 Klienten pro Jahr, die die Einrichtung an der Katharinastraße aufsuchen, davon haben etwa zwei Drittel Probleme mit Cannabis, der Rest mit synthetischen Drogen, also Aufputschmitteln wie Amphetaminen („Speed“) oder Partydrogen wie Ecstasy, wobei hier ein rückgängiger Konsum beobachtet wird.

Manchmal reicht ein Gespräch

Freiwillig allerdings kommen wesentlich weniger Klienten. „Die meisten kommen infolge von sozialem Druck, auf Drängen von Freunden oder der Familie“, sagt Buchholz. Manche kommen auch auf Druck der Justiz. Und jeder Fall ist anders: „Wir schauen zunächst, welches Angebot in Frage kommt“, sagt Frohnenberg. Manchmal reichen kurze Beratungen, manchmal verspricht erst eine Suchtklinik Rettung.

Das Einstiegsalter bei Cannabis liege bei 16,4 Jahren, weiß Buchholz, es sei seit einiger Zeit konstant. Mitunter kommen auch besorgte Eltern, denen Veränderungen bei ihren Kindern aufgefallen sind. Buchholz: „Da werden einst gute Noten auf einmal drastisch schlechter. Oder es riecht so komisch aus dem Kinderzimmer.“

Nichts soll dramatisiert werden

Es werde nichts dramatisiert, aber auch nichts leichtfertig behandelt. Wie auch? Es gäbe Klienten, die seit 20 Jahren täglich Cannabis konsumierten, mache 3 bis 5 Gramm pro Tag: das ist ist dauer-high.

Am Mittwoch wurde die „20“ gefeiert. Das vorläufige Fazit, das Ellen Buchholz zieht, ist positiv: „Es ist eine Erfolgsgeschichte. Wir erreichen viele jungen Menschen, bei denen wir etwas bewirken können. Es ist eine dankbare, bereichernde Arbeit.“

Mitarbeiter haben Schweigepflicht

Die offenen Sprechstunden im Haus an der Katharinastraße 5-7 sind dienstags von 16-17 und donnerstags von 15-16 Uhr. In dringenden Fällen sind die Fachkräfte auch außerhalb dieser Zeiten erreichbar. Sie unterliegen der Schweigepflicht, die Angebote sind kostenlos.

  • Träger von „inechtzeit“ ist die städt. Krisenhilfe. Tel.: 0234/30 94 38, www.inechtzeit.net

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